Radolfzell Ehemaliges Hotel bietet neue Heimat für anerkannte Flüchtlinge

56 anerkannte Flüchtlinge ziehen in alte Gasthäuser nach Böhringen und Markelfingen. Jeweils 28 Menschen finden im Hotel Sternen oder im Gasthaus Kutscherstuben ein neues Zuhause. Der Stadt fehlen allerdings noch mindestens 150 weitere Plätze für eine Anschlussunterbringung für anerkannte Flüchtlinge.

Es ist ein kleiner Schritt nach vorne. Für 56 anerkannte Flüchtlinge hat die Stadtverwaltung Radolfzell nun Plätze für eine Anschlussunterbringung organisieren können. Jeweils 28 Geflüchtete mit Bleiberecht ziehen nach und nach in das ehemalige Hotel Sternen nach Böhringen und in das ehemalige Gasthaus Kutscherstuben nach Markelfingen. Bis zum Jahresende sollen die beiden Unterkünfte gefüllt sein. "Wir sind weiterhin intensiv auf der Suche nach Möglichkeiten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen", sagt Bürgermeisterin Monika Laule. Bezahlbarer Wohnraum sei nicht nur für die anerkannten Flüchtlinge wichtig, sondern im Grunde für alle Bürger. Dennoch gebe es bei der Beschaffung von Wohnraum für Geflüchtete einen besonderen Druck.

Der Landkreis Konstanz hat allen Städten und Kommunen eine Quote an Plätzen für Anschlussunterbringungen auferlegt. Radolfzell soll nach dieser Vorgabe in diesem Jahr 561 Plätze zur Verfügung stellen. Mit den beiden neuen Unterkünften und einer Wohnung in der Güttinger Straße, die der Stadt gehört und ebenfalls zu diesem Zweck hergerichtet wurde, verfehlt die Stadt ihr Soll dennoch um rund 150 Plätze. Im kommenden Jahr schreibt die Quote vor, 678 Plätze zu organisieren. Nach heutigem Stand fehlen rund 270 Plätze. Laut Monika Laule prüfe man, ob städtische Grundstücke für eine Wohnungsbebauung in Frage kommen könnten. Diese wolle die Stadt dann Baugenossenschaften anbieten. Auf diesen Flächen müssten nach den baupolitischen Grundsätzen der Stadt bei einem Neubau 30 Prozent der Wohnungen im geförderten Segment gebaut werden, So wolle man bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Ein eigenes Wohnhaus nur für anerkannte Flüchtlinge käme für Radolfzell nicht in Frage. Ziel sei es günstigen Wohnraum zu schaffen, der allen sozial Schwachen zugänglich ist, so Laule. Auch versucht die Stadtverwaltung als Zwischenhändler zwischen Vermietern und Flüchtlingen aufzutreten. Für ein Jahr würde die Stadt den Mietvertrag abschließen mit dem Ziel, dass nach dem Jahr der Geflüchtete als Mieter auftritt.

Im ehemaligen Hotel Sternen in Böhringen finden Flüchtlings-Familien und Frauen ein neues Zuhause.
Im ehemaligen Hotel Sternen in Böhringen finden Flüchtlings-Familien und Frauen ein neues Zuhause.

Die beiden ehemaligen Gasthäuser in Markelfingen und Böhringen sind laut Monika Laule keine hochwertigen Zimmer. Für die Bevölkerung wird es die Möglichkeit geben, sich die Unterkunft einmal selbst anzuschauen und auch die neuen Nachbarn kennen zu lernen. In Markelfingen findet der Tag der offenen Tür am Samstag, 4. November, von 15 bis 18 Uhr statt. In Böhringen am Sonntag, 5. November, ebenfalls von 15 bis 18 Uhr. Da bereits schon Menschen dort wohnen werden, werde nicht jedes Zimmer zugänglich sein. "Aber es ist wichtig, dass sich die Anwohner ein eigenes Bild von der Unterkunft machen können", sagt Monika Laule.

Das sieht auch Lorenz Thum, Ortsvorsteher von Markelfingen, so. Im ehemaligen Gasthaus Kutscherstuben haben bis vor einiger Zeit noch unbegleitete, minderjährige Ausländer gewohnt. "Das hat super geklappt mit den Jugendlichen, sie wurden gut in die Dorfgemeinschaft aufgenommen", sagt Thum. In Markelfingen werden laut Monika Laule hauptsächlich junge, alleinstehende Männer untergebracht, die bereits Sprachkurse hatten und sogar Arbeit gefunden haben. So wie die Flüchtlinge im Fußballverein Anschluss gefunden haben, könnte sich Lorenz Thum vorstellen, dass auch die Integration der jungen Männer durch den Sport erleichtert wird.

Im ehemaligen Hotel Sternen in Böhringen sind bereits zwei Appartements belegt. Auf 45 Quadratmeter wohnen dort zwei Familien mit jeweils drei Kindern. Auch die weiteren Appartements und Zimmer sollen mit Familien und Frauen belegt werden. "Das Hotel Sternen liegt mitten im Ort, die Anbindungen sind gut und wir haben eine super Infrastruktur", sagt Ortsvorsteher Bernhard Diehl. Dort Geflüchtete unterzubringen, mache also Sinn. "Integration beginnt mitten in der Gesellschaft", sagt er.

"Als Ortsvorsteher und Ratsmitglied kenne ich die Herausforderung der Verwaltungsarbeit von beiden Seiten des Ratstisches", sagt Bernhard Diehl.
"Als Ortsvorsteher und Ratsmitglied kenne ich die Herausforderung der Verwaltungsarbeit von beiden Seiten des Ratstisches", sagt Bernhard Diehl. | Bild: Tol

Da die anerkannten Flüchtlinge nicht mehr in der Betreuungsverantwortung der Stadtverwaltung und der Flüchtlingsbeauftragten Susanne Schaffart fallen, hat die Landesregieruung Gelder freigegeben, um so genannte Integrations-Manager einzustellen. Diese sollen den Flüchtlingen mit Bleibeerlaubnis unter die Arme greifen und sie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützen. Noch gibt es jedoch keinen einzigen Integrations-Manager im Kreis Konstanz. Das Landratsamt habe die Stellen ausgeschrieben, laut Monika Laule werde es jedoch noch Monate dauern, bis diese Positionen besetzt würden. Betreut werden die Bewohner in Markelfingen und Böhringen von der Asylberatung des DRK.


Zu den Gebäuden

Das ehemalige Gasthaus Kutscherstuben in Markelfingen ist seit längerer Zeit geschlossen. Nachdem die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die vom Pestalozzi Kinderdorf in Wahlwies betreut wurden, ausgezogen waren, überlegte der Besitzer, das Gebäude abzureißen. In Böhringen sind die Appartements bis vor Kurzem noch vermietet gewesen. (ans)

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