Eigentlich hätte am 31. Dezember Schluss sein sollen, doch nun kann es für ein Jahr weitergehen: Das Bundesprojekt Museum 4.0 des Kulturstaatsministeriums geht in die Verlängerung. Diese gehört laut einer Mitteilung der Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Thorsten Frei (beide CDU) zum Konjunkturprogramm Neustart Kultur. Mit dabei ist das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein bei Orsingen-Nenzingen, das gemeinsam mit dem Narrenschopf in Bad Dürrheim eine Million Euro im Jahr 2021 zur Verfügung hat. Beide Einrichtungen teilen sich die Mittel hälftig, um weitere digitale Konzepte für Museen zu entwickeln.

Und in Langenstein gibt es auch schon eine Menge Ideen, was mit dem Geld passieren soll. Entsprechend glücklich äußert sich Michael Fuchs, Präsident des Trägervereins des Museums, über die neuen Mittel: „Wir sind sehr zufrieden und glücklich über die Verlängerung. Was schon gemacht wurde, kann man dann abrunden.“ Fuchs berichtet von vier Elementen, die nun noch in die digital verankerte Ausstellung eingearbeitet werden sollen.

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So soll es eine lebendige Ausstellung – auf Neudeutsch „lively exhibition“ genannt – geben. Darunter ist zu verstehen, dass die Besucher selbst Bildmaterial ins Computersystem hochladen können, das dann überprüft und auf einer Leinwand ausgespielt wird. Die erste Idee für diesen Teil der Ausstellung: Alle, die mit einem Dach-Foto die derzeitige Spendenkampagne für den Neubau (siehe Text unten) unterstützen, werden dort abgebildet. Auf diesem Weg könnte man aber auch die Kupferstiche, die zur Sammlung des Museums gehören, ansprechend präsentieren.

Auch Künstliche Intelligenz ist im Spiel

Als zweiten Baustein nennt Fuchs eine Gesichts- und Maskenerkennung, die auf künstlicher Intelligenz (KI) beruht. Das soll konkret so aussehen, dass sich der Besucher vor einen Spiegel stellt und die KI errechnet, welche Fasnachtsmaske zu dem Gesicht passen könnte. Das Spiegelbild des Besuchers bekommt die Maske dann virtuell aufgesetzt, diese wandert dreidimensional mit und erzählt ihre Geschichte. „Das ist eine interaktive und spielerische Wissensvermittlung“, sagt Fuchs.

„Wir sind sehr zufrieden und glücklich über die Verlängerung. Was schon gemacht wurde, kann man dann abrunden.“ Michael Fuchs, Vorsitzender des Trägervereins des Fasnachtsmuseums
„Wir sind sehr zufrieden und glücklich über die Verlängerung. Was schon gemacht wurde, kann man dann abrunden.“ Michael Fuchs, Vorsitzender des Trägervereins des Fasnachtsmuseums | Bild: Freißmann, Stephan

Zudem soll eine Anwendung mit erweiterter Realität (augmented reality, AR) weiterentwickelt werden, mit der man Fasnachtsmasken aus aller Welt dreidimensional anschauen kann. Wie das mit überschaubarem Reinigungsaufwand der AR-Masken fürs Personal gehen kann, werde dabei erarbeitet. Und schließlich soll es eine dreidimensional animierte Tischinszenierung geben, bei der der Besucher in die Essensszene eingebunden wird. „Damit wollen wir das Thema vermitteln, dass zur Fasnacht die Lebensmittel aufgebraucht werden, weil danach die Fastenzeit kommt“, erklärt Fuchs.

Für ihn ist damit auch verbunden, ein wesentlich größeres Team zur Verfügung zu haben. Denn die meisten dieser Arbeiten werden nicht im Radolfzeller Projektbüro erledigt. Für die ersten beiden Elemente, die nun noch hinzukommen sollen, werden jeweils Teams aus Berlin aktiv werden, die anderen beiden Elemente werden von Gruppen aus Leipzig erstellt. Und all das wird durch ein Team von Programmierern in Kreuzlingen in das große Programm integriert, das das gesamte Museum steuern soll, erklärt Fuchs.

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Die neuen Bundesmittel sind indes ausdrücklich nur für die Arbeit an der digitalen Wissensvermittlung gedacht, nicht für den Neubau des Fasnachtsmuseums. Dieser wird unter anderem deswegen geplant, weil die bisherigen historischen Räume im Schloss Langenstein für ein Museum sehr unpraktisch sind. Der Neubau soll dann maßgeschneidert für das neue digitale Ausstellungskonzept entstehen, auf einem Grundstück, das die Eigentümerfamilie, das gräfliche Haus Douglas, in der Nähe des Golf-Clubhauses zur Verfügung stellt.

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Und abgesehen von der Einbettung der Ausstellung bietet das neue Gebäude noch weitere Annehmlichkeiten eines modernen Museumsbaus, etwa barrierefreie Zugänglichkeit und moderne Energiestandards. In den früheren Räumen im Schloss musste das Museum im Winter auch deswegen schließen, weil die historischen Mauern zu kalt waren. Und die Freiwilligen, die das Museum betreuten, waren im Winter mit der Fasnacht beschäftigt. Im Neubau soll hingegen ein ganzjähriger Betrieb stattfinden können.

Mit Fotos wie diesen wirbt das Museum um Spenden für den geplanten Neubau (von links oben nach rechts unten): Wiechser Hexe, Emma Feucht, Anika Feucht, Blätzlezunft Homberg, Carla Schöttke, Willy Fritschi, Tobias Franz, Wahlwieser Stier, Karle Amann, Gitte Ott, Schlehenbeißer Liptingen. Der QR-Code unten rechts führt direkt zur Spendenplattform.
Mit Fotos wie diesen wirbt das Museum um Spenden für den geplanten Neubau (von links oben nach rechts unten): Wiechser Hexe, Emma Feucht, Anika Feucht, Blätzlezunft Homberg, Carla Schöttke, Willy Fritschi, Tobias Franz, Wahlwieser Stier, Karle Amann, Gitte Ott, Schlehenbeißer Liptingen. Der QR-Code unten rechts führt direkt zur Spendenplattform. | Bild: Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein

Bundesprojekt, Fasnacht und Spendenkampagne

  • Museum 4.0: Das bundesweite Projekt ist bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters angesiedelt und soll dazu dienen, neue digitale Wege der Wissensvermittlung in Museen zu erschließen. Das Projekt wurde nun bis Ende 2021 verlängert. Zehn Einrichtungen, die bislang assoziierte Partner waren, werden zudem in den Verbund integriert. Ein Teilprojekt von Museum 4.0 heißt „Kulturgut Fasnacht digital“, an dem das Langensteiner Fasnachtsmuseum und der Narrenschopf in Bad Dürrheim beteiligt sind.
  • Narrenschopf: Auch nach Bad Dürrheim gehen im nächsten Jahr 500.000 Euro. Mit dem Geld werde eine gestengesteuerte Beamer-Präsentation zum Ambraser Teller, einer Darstellung einer Narrenmutter von 1528, entwickelt und das bereits geförderte virtuelle Fasnachtsmuseum inhaltlich erweitert, heißt es in einer Pressemeldung der Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Thorsten Frei (beide CDU). Bislang wurde unter anderem virtuelle Realität für das Erleben der Fasnacht eingesetzt.
  • Spendenkampagne: Das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein plant einen Neubau, für den die Bundesmittel aus dem Programm Museum 4.0 nicht verwendet werden dürfen. Daher werben die Narren unter dem Motto „Wir brauchen ein Dach über dem Kopf“ um Spenden für das Projekt. Informationen gibt es unter http://www.fasnachtsmuseum.de oder http://volksbank-ueberlingen.viele-schaffen-mehr.de/dach-21. Spenden können auf das Konto DE 26 6906 1800 0046 8254 11 überwiesen werden.