Mit einem umfassenden Geständnis startete der Prozess gegen einen jungen Flüchtling vor dem Landgericht in Konstanz. Der gebürtige Pakistani soll im Mai einen 57-Jährigen in Mühlhausen-Ehingen brutal erschlagen haben. Anfangs verdächtigten die Ermittler einen Familienangehörigen des Opfers und die Staatsanwaltschaft ordnete Untersuchungshaft gegen den Sohn des Getöteten an. Erst im Zuge weiterer Ermittlungen fiel der Verdacht auf den nun Angeklagten, der versuchte sich nach Spanien abzusetzen. Dort konnte er Wochen nach der Tat von den Behörden geschnappt werden.

Den Tatvorwurf der Anklage mochte man dem Beschuldigten, der in sich zusammen gesunken mit gesenktem Blick zwischen Verteidiger und Dolmetscher auf der Anklagebank Platz genommen hat, kaum zutrauen: Äußerst brutal soll er seinen Arbeitgeber nach einem Streit erschlagen haben. Die Obduktion listete allein am Kopf über 40 Schläge mit einem Hackmesser, weitere Verletzungen wurden am gesamten Oberkörper festgestellt. Zudem sollen dem Opfer bei der Attacke mehrere Finger abgetrennt worden sein. Eine Sachverständige der Rechtsmedizin in Freiburg erklärte, dass sein Opfer versucht habe, sich mit den Händen vor dem Angriff zu schützen.

Streit um die richtige Religion

Entzündet habe sich der Konflikt, wie der Staatsanwalt in der Anklageverlesung erläuterte, an Glaubensfragen. Das Opfer, das dem Sikh-Glauben angehört habe, soll seinen damaligen Mitarbeiter als gläubigen Moslem provoziert haben. Der Koran sei bloß Lüge und Muslime Tierquäler, zitierte der Staatsanwalt aus der Anklageschrift. Dass der vorherige Alkoholkonsum zur Reaktion des Beschuldigten geführt habe, verneinte dieser auf Nachfrage vor Gericht. Dennoch sei er im Streit in die Küche der Ein-Zimmer-Wohnung in Mühlhausen-Ehingen gegangen, habe sich das Hackmesser gegriffen und auf den 57-Jährigen eingeschlagen, bis er sich nicht mehr rührte. Anschließend soll er sich zunächst im Nebenraum übegeben haben, bevor er sich gewaschen und frisch angezogen habe. Dann habe er die Wohnung verlassen. Für die Flucht soll er den Geldbeutel und das Handy seines Opfers eingesteckt haben, weshalb die Anklage auf Totschlag und Diebstahl lautet.

Zeugen beschrieben den getöteten 57-Jährigen als besonnenen Mann. „Mir gegenüber ist er nie aggressiv geworden“, erklärte seine Vermieterin auf Nachfrage von Richter Christoph Hettenbach. Sie verbinde eine langjährige Bekanntschaft mit dem Mann, der seit zwei Jahren auch ihr Mieter war. „Ich war so etwas wie eine Halbschwester für ihn“, beschreibt sie. Immer wieder wenn er Probleme gehabt habe, sei er zu ihr gekommen. Probleme habe es aus finanziellen Gründen gelegentlich mit seinen Kindern gegeben. Dabei sei er schon auch mal laut geworden. Seinen Lebensunterhalt habe er auf Jahrmärkten verdient, wo er mit Bundeswehrkleidung handelte. Kontakt zu dem Beklagten habe er aufgenommen, weil er wegen Herzproblemen einen Helfer für sein Geschäft suchte.

Angeklagter legt Geständnis ab

Am Tatabend seien der Beschuldigte und das Opfer gemeinsam in der Mühlhauser Wohnung gewesen. Nach dem Abendessen habe man den Fernseher eingeschaltet und bei etwas Wein TV geschaut. Dabei sei es, wie der Beklagte bei seiner Vernehmung durch die Polizei einräumte, zum Streit mit tödlichem Ausgang gekommen.

Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem Beklagten volle Schuldfähigkeit und emotionale Kälte. Reue habe er nicht erkennen können, erklärte der Chefarzt der forensischen Abteilung an der Fachklinik Weissenau in seinem Gutachten als Sachverständiger.

Strafmildernd könnte einzig das schnelle Geständnis bewertet werden, dass der Beschuldigte gleich nach seiner Festnahme abgelegt hat. Nach Zeugenanhörung und Sachverständigenrat am Montag wird der Prozess in einer Woche fortgesetzt. Dann könne, so Richter Hettenbach, auch mit einem Urteil gerechnet werden.

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