Camping-Urlaube lagen ohnehin bereits im Trend, erfuhren aber im Corona-Jahr 2020 einen Boom. Aufgrund des Lockdowns konnten die Campingplätze erst Mitte Mai öffnen, doch dann ging es rund. „Juli bis September, das waren die besten Monate seit Langem“, sagt Eric Thiel, Geschäftsführer der Marketing und Tourismus Konstanz GmbH (MTK), die Betreiberin des Campingplatzes Klausenhorn in Dingelsdorf ist.

Eric Thiel blickt auf die gesamte Region

In seiner Funktion als Geschäftsführer des Vereins Regio Konstanz-Bodensee-Hegau sagt er: „Ähnlich war es in der gesamten Region.“ Und wovon geht er für die Saison 2021 aus? „Es gibt viele Frühbucher. Besonders fordern wird uns in diesem Jahr aber voraussichtlich der spontane Inlandstourismus, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr gute Zahlen bringen wird“, so Thiel.

Camping-Urlaub erfährt erst recht aufgrund von Corona eine große Nachfrage. Eric Thiel, Geschäftsführer des Vereins Regio Konstanz-Bodensee-Hegau, berichtet von sehr vielen Frühbuchern und rechnet mit vielen Spontanurlaubern aus dem Inland. Bild: Aurelia Scherrer
Camping-Urlaub erfährt erst recht aufgrund von Corona eine große Nachfrage. Eric Thiel, Geschäftsführer des Vereins Regio Konstanz-Bodensee-Hegau, berichtet von sehr vielen Frühbuchern und rechnet mit vielen Spontanurlaubern aus dem Inland. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia

Viele Menschen seien verunsichert, sagt Thiel

Die Reiselust wird die Menschen packen, ist Eric Thiel überzeugt. „Reisen ist ein Grundbedürfnis. Die Menschen mussten in den vergangenen Monaten auf vieles verzichten und fühlen sich eingesperrt“, schildert er. „Sie sind aber auch verunsichert.“ Er geht davon aus, dass Fernreisen weniger gefragt sein werden, denn die Deutschen bevorzugten in der aktuellen Situation das „vertraute, verlässliche deutsche Gesundheitssystem“.

Camping-Urlaub gilt als sicher

Camping-Urlaube erfahren eine große Nachfrage, da wegen der Anreise mit dem eigenen Auto und des Freiraums im eigenen Campingwagen oder Wohnmobil jeder für sich sei – das steigere das Gefühl von Sicherheit. Thiel ist davon überzeugt, dass die Region als Gewinner hervorgehen werde: „Wir haben ein Riesenglück, weil der Bodensee eine der attraktivsten Destinationen in Deutschland ist. Das hier ist wie ein Hobbit-Land: klein, fein, geborgen und gut aufgestellt.“

Betreiber richten ihre Plätze her

Auch wenn noch nicht feststeht, wann die Corona-Verordnung die Öffnung der Campingplätze gestattet, machen sich die meisten Campingplatzbetreiber für den 1. April und damit für Ostern startklar. Das Außergewöhnliche in diesem Jahr: Viele Urlaubswillige buchen schon zu einem frühen Zeitpunkt, wie Britta Frischmuth vom Campingplatz Klausenhorn in Dingelsdorf bestätigt.

Auf dem Campingplatz Konstanz-Litzelstetten wird künftig der Fokus auf naturnahe Erholung gelegt. Der teilweise verbaute Uferbereich wurde renaturiert und ein neues Sanitärgebäude ist im Bau. Er soll im April an den Start gehen.
Auf dem Campingplatz Konstanz-Litzelstetten wird künftig der Fokus auf naturnahe Erholung gelegt. Der teilweise verbaute Uferbereich wurde renaturiert und ein neues Sanitärgebäude ist im Bau. Er soll im April an den Start gehen. | Bild: Scherrer, Aurelia

„Viele haben im vergangenen Jahr festgestellt, dass im Sommer das Angebot erschöpft war“, sagt sie. „Pfingsten und viele Wochenenden sind bereits sehr gut gebucht und die ersten vier Wochen der Sommerferien sind zu 75 Prozent ausgebucht.“ Sie ist froh, dass zu Saisonbeginn auch der Campingplatz im Nachbarort Litzelstetten wiedereröffnet werden kann, der ebenfalls von der MTK betrieben wird. Der Platz wird naturnah umgestaltet und ein neues Sanitärgebäude ist kurz vor der Fertigstellung.

Dadurch kann Britta Frischmuth flexibler agieren und hat auf dem neu gestalteten Campingplatz in Litzelstetten Platz für Radler und Wanderer.Auch der Campingplatz Horn sei zu einem sehr frühen Zeitpunkt besser gebucht als sonst, berichtet Petra Krieg. Für die ersten drei Sommerferienwochen spricht sie von einer Auslastung von 90 Prozent. Trotz der Ungewissheit, wann die Saison beginnen könne, hätten auch schon einige Interessenten für Ostern gebucht. Und was, wenn der Lockdown nicht zu Ostern aufgehoben wird? „Kostenfreie Stornierung“, sagt Petra Krieg. „Wir planen jedenfalls mit dem 1. April“, schließlich müsste der Platz vorbereitet sein.

Buchungen liegen schon für die Sommermonate vor

Man müsse in dieser Zeit eben noch flexibler sein als sonst. Auch sie geht von einer steigenden Nachfrage aus, da „Camping eine der sichersten Urlaubsformen“ sei. Doch nicht nur Destinationen direkt am See sind gefragt, auch das Hinterland wird von den Urlaubern entdeckt. „Wir haben bereits Buchungen für Juni und Juli. Das ist ungewöhnlich, denn es ist eher selten, dass die Leute so weit vorausplanen“, berichtet Dilan Aktas vom Campingplatz Sonnental in Engen. Auch wenn aufgrund der Pandemie der Unsicherheitsfaktor groß ist, wann die Plätze öffnen: Die Sehnsucht der Leute, zu verreisen und etwas anderes zu sehen, sei groß: „Sie planen träumerisch; allein das Planen tut der Seele gut.“

Auch Campingplatz Engen war 2020 ausgebucht

Auch wenn Engen nicht am See liegt, so sei der Hegau bei Wanderern und Radfahrern sehr beliebt, sodass der Campingplatz Sonnental 90 Plätze für Dauercamper und 80 Plätze für Touristen anbieten kann. 2020 sei ein staunenswertes Jahr gewesen. „Die Leute sind vom See zu uns geflüchtet“, erzählt Dilan Aktas und berichtet von Gästen aus Friedrichshafen, die vor den Touristen quasi weggelaufen seien.

Urlauber sollen sich in der Region verteilen

Auch von den Maßnahmen der Regio, die darauf ausgerichtet ist, die Urlauber in der Region zu verteilen, profitiert nicht zuletzt der Hegau. Wegen der gemeinsamen Vermarktung und des Netzwerks würden nicht nur die regionalen Kreisläufe gestärkt, auch die Leistungsträger seien auf Qualitätssteigerung bedacht, so Eric Thiel. Es gebe Campingplätze fernab des Sees, die Schwimm- und Hallenbäder gebaut hätten.

Auch auf die steigende Zahl der Wohnmobilisten reagiert die Regio. „Wir kooperieren mit dem Pilotprojekt My Cabin“, sagt Eric Thiel. Ein junges Start-up-Unternehmen habe eruiert, wo es bei landwirtschaftlichen Betrieben möglich sei, Kapazitäten zu schaffen. „Auf einer App kann man sehen, wo Stellplätze verfügbar sind“, beschreibt Thiel und fügt an: „Diese App implementieren wir auf unserer Homepage.“