An manchen Tagen schlitterte das Team der Schuldnerberatung der Caritas Konstanz von einem Drama ins andere: In der Küche einer Familie mit zwei kleinen Kindern stand ein elektrischer Herd, der Funken schlug. Wenig später stellte eine Geschiedene fest, dass sie keinen Cent mehr besaß, weil der frühere Ehemann das Konto leer geräumt hatte.

Das Team der Schuldnerberatung sorgte dafür, dass die Familie einen Herd bekam, an dem niemand ein Stromschlag droht, und sie griff der Frau unter die Arme, bis sie ihr Leben ohne Ehemann neu aufgestellt hatte. Ohne einen Notgroschen wären solche Unterstützungsleistungen nicht möglich. Die Schuldnerberatung bittet um Spenden, um den Notfalltopf wieder auffüllen zu können.

Gegen alle Erwartungen sei die große Welle der Schuldner trotz Corona-Pandemie bisher ausgeblieben, sagt Joachim Trautner, der als studierter Sozialarbeiter und ausgebildeter Kaufmann bei der Beratungsstelle der Caritas arbeitet. Inzwischen häuften sich allerdings die Anfragen von Soloselbständigen, die in einem finanziellen Engpass steckten, weil ihnen Aufträge weggefallen seien.

Auch die Menschen in Kurzarbeit würden langsam in finanzielle Probleme geraten. Während die Hilfen des Jobcenters im Frühjahr noch sehr schnell kamen, gebe es im Herbst nun oftmals Verzögerungen. „Es hat in letzter Zeit länger gedauert“, sagt Trautner. Auch in solchen Fällen leiste die Schuldnerberatung Hilfe zur Überbrückung.

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Das Team arbeite viel am Telefon und über Video, berichtet Trautner. In der Regel hätten die Klienten vorher die Unterlagen in den Caritas-Briefkasten geworfen oder sie hätten sie einem Mitarbeiter der Schuldnerberatung persönlich übergeben. Diese Momente, in denen sich der Hilfesuchende und der Beratende gegenüber stehen, seien wichtig, um sich ein Bild vom anderen zu machen.

Der schwere Gang zur Schuldnerberatung

Trautner weiß, dass der Gang zur Schuldnerberatung noch schwerer falle, wenn dies in Anonymität geschehe. Dabei sei es wichtig, dass der Hilfesuchende Vertrauen fasse zum Berater: „Wenn man nicht alles offen legt, hat es keinen Sinn.“ Es müssten zwingend alle nicht beglichenen Beträge und laufenden Kosten auf den Tisch. „Sonst wird das irgendwann zum Bumerang.“

Draufhauen und den letzten Cent aus dem Sparschwein holen? Melanie Pister, die bei der Schuldnerberatung der Caritas Konstanz arbeitet, rät dazu, stattdessen bei ihr oder ihren Kollegen Hilfe zu holen.
Draufhauen und den letzten Cent aus dem Sparschwein holen? Melanie Pister, die bei der Schuldnerberatung der Caritas Konstanz arbeitet, rät dazu, stattdessen bei ihr oder ihren Kollegen Hilfe zu holen. | Bild: Claudia Rindt

Die Beratungsstelle versuche in der Regel eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen, ohne ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Die getroffene Vereinbarung müsse dann aber auch eingehalten werden. Trautner bedauert, dass die meisten Menschen erst dann den Weg zur Schuldnerberatung finden, wenn sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. „Ideal wäre, wenn die Leute vorher kämen. Solange sie noch zahlungsfähig sind, findet sich immer eine Lösung mit den Gläubigern.

Schuldenberge von mehr als 100.000 Euro

Das Maß der Verschuldung habe eine riesige Spanne, sie reiche von weniger als 5000 Euro bis mehr als 100.000 Euro. Von den 287 Klienten im laufenden Jahr seien aber nur 13 mit mehr als 100.000 Euro verschuldet. In der Regel kämen Menschen, die über wenig Geld verfügen, weil sie trotz Vollzeitjob wenig verdienen, oder weil sie Leistungen vom Staat beziehen. Immer wieder kämen Menschen, die in Konstanz wohnen, aber in der Schweiz arbeiten.

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Für deutsche Verhältnisse würden sie zwar gut verdienen, sie versäumten es aber, die Steuern, die sie in Deutschland zahlen müssen, beiseite zu legen. So liefen manchmal hohe Schulden beim Finanzamt auf. In anderen Fällen könne der Rundfunkbeitrag zu Rückständen führen. Den Leuten bereite die Abbuchung pro Quartal Probleme. Nie hätten sie genügend Geld beiseite gelegt, um die Summe zu begleichen. Trautner macht darauf aufmerksam, dass Zahlungen pro Monat auch dann möglich seien, wenn der Anbieter einer Leistung das Gegenteil behaupte. „Wir raten das immer.“ Wer hartnäckig bleibe, setze die Monatszahlung durch.

Diese Tipps sparen bares Geld

Trautner hat einige Tipps, wie Bürger mit schmalem Geldbeutel den Überblick behalten, wie viel Geld sie noch ausgeben können. Er empfiehlt, mit einem Zettel einkaufen zu gehen, auf dem notiert ist, was wirklich gebraucht wird. „Es geht darum, nicht den Verlockungen nachzugeben.“ Ein Einkaufender sollte zudem nie hungrig einen Laden aufsuchen.

Trautner rät zu einer genauen Aufstellung über die Ausgaben und die Einnahmen. Dieses Haushaltsbuch lasse manchen Familien die Augen übergehen: „Die haben oft ganz falsche Vorstellungen über die festen Ausgaben.“ Die Summe, die nun tatsächlich für Einkäufe übrig bleibe, sollte auf vier Umschläge verteilt werden, jeder stehe für eine Woche im Monat. Er rät, immer nur Bargeld auszugeben, und niemals mit Karte zu bezahlen. So habe man immer den Überblick darüber, wie viel man im wahrsten Sinn des Wortes noch in der Tasche hat.

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