Das Thema polarisiert seit einigen Jahren. Was zumeist an den theatralischen Inszenierungen des Christoph Nix lag. Wenn der ehemalige Intendant des Stadttheaters vom baulichen Zustand seines Arbeitsplatzes sprach, vermittelte er gerne den Eindruck, in einer maroden Bruchbude sein täglich Brot verdienen zu müssen.

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„Das älteste bespielte Theatergebäude Europas zerfällt, weil politischer Wille fehlt. Die Stadtpolitik will ihr kulturpolitisches Juwel nicht pflegen“, polterte er vor ziemlich genau zwei Jahren. „Das ist unzumutbar und beschämend.“ Aus jeder Silbe quoll die Antipathie gegen Kulturbürgermeister Andreas Osner. So weit, so schlecht.

Ein Bild aus 2018: Holger Bueb steht in dem Schacht, in den er fast gefallen wäre.
Ein Bild aus 2018: Holger Bueb steht in dem Schacht, in den er fast gefallen wäre. | Bild: Oliver Hanser

Christoph Nix ist Vergangenheit in Konstanz. Der streitbare und zweifelsohne mit einer gehörigen Portion Genialität ausgestattete Theatermensch ist seit dem Sommer im Ruhestand, beerbt wurde er von Karin Becker.

Altes Thema, neue Tonlage

Die gebürtige Stuttgarterin, die mit 18 Jahren ihre erste Dramaturgie-Assistenz an der Landesbühne Esslingen absolvierte und zuletzt viele Jahre als künstlerische Betriebsdirektorin am Schauspiel Hannover und am Thalia Theater Hamburg arbeitet, hat die Diskussion nun wieder mit Leben gefüllt. Altes Thema – aber neue Tonlage. Worte wie „miteinander“ oder „gemeinsam“ gewinnen pltözlich an Bedeutung.

Theaterintendantin Karin Becker
Theaterintendantin Karin Becker | Bild: Theater Konstanz / Ilja Mess

Die 52-Jährige gibt ihren Worten zwar eine scharfe Würze – doch gleichzeitig verlässt sie die Ebene der Sachlichkeit nicht. „Ich kann von sicherheitsrelevanten Punkten berichten. Es geht um Brand- und Mitarbeiterschutz“, sagte sie bei ihrem Vortrag im Kulturausschuss. „Die festgestellten Mängel sind das Ergebnis der letzten Jahrzehnte.“

Den Damen und Herren Räte schwante schon Schlimmes. Die eine oder der andere rutschte schon verlegen ein Stück weit unter den Tisch in der Erwartung der nun folgenden Auseinandersetzung – zu frisch sind die Erinnerungen an Beckers Vorgänger.

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Doch siehe da: Die Diskussion blieb auf einem annehmbaren Niveau. Die Intendantin zählte die Schwachpunkte der Gebäude zwar deutlich auf (Lagerraum, Treppenbereich, Lastenaufzug, Nottreppe, Feuerlöschsystem) – doch sie verzichtete dabei auf Polemik und Frontalangriffe. „Es gibt viel zu tun“, sagte sie. „Also packen wir es gemeinsam an. Ich hoffe, beim nächsten Ausschuss über Kultur reden zu können.“

Ein Bild aus 2018: notdürftig verklebte Kabel im Zuschauerraum.
Ein Bild aus 2018: notdürftig verklebte Kabel im Zuschauerraum. | Bild: Oliver Hanser

Die Räte sicherten Karin Becker ihre Unterstützung zu. Peter Müller-Neff von der Freien Grünen Liste behauptete, in den vergangenen 20 Jahren habe sich nichts verändert am Zustand des Hauses, die Arbeitsbedingungen seien von gestern und die vergangenen Jahre habe sich das Haus lediglich durchgemogelt.

„Wir müssen das Theater wieder in den baulichen Zustand setzen, dass es eine Freude bereitet, dort zu arbeiten“, sagte er. Wolfgang Müller-Fehrenbach von der CDU fordert „Sicherheit für Besucher und Mitarbeiter“. Jetzt komme es knüppeldick für die Stadt. „Warum hat sich nicht schon etwas in der Ära Nix geändert“, fragte er laut. Andreas Osner hatte so eine Vermutung: „Heute gehen alle aufeinander zu. Vielleicht war das früher nicht so.“

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Zahide Zarikas von der SPD hofft schlichtweg auf „bessere Zeiten. Vielen war das Thema bekannt, aber nicht in den Details. Es handelt sich hier ja nicht um Schönheitsreparaturen, sondern um sicherheitsrelevante Dinge“. Es werde Zeit, das Haus von Grund auf zu sanieren „und nicht mehr hier und dort herum zu basteln“. Ewald Weisschedel von den Freien Wählern fehlten an dem Bericht, den er als wichtig und richtig bezeichnete, Zahlen für den Haushalt: „Wir benötigen eine Prioritätenliste und eine Absegnung des Hochbauamtes.“

Bild: Oliver Hanser

Das Hochbauamt war auch zugegen – in Person des Leiters Thomas Stegmann. Der sah sich nun in der Pflicht, verbal einzugreifen. „Hier entsteht ja der Eindruck, als müssten wir das Theater gleich schließen“, sagt er. „Das Gebäude wird ständig begutachtet und wir haben schon viel daran gearbeitet.“

„Nehmen es nicht auf die leichte Schulter“

Der Denkmalschutz verlange immer Sonderlösungen und Kompromisse, um die Spielbarkeit zu gewährleisten. „Wir nehmen die Sache nicht auf die leichte Schulter“, stellte er klar. „Und die Anforderungen für den Brandschutz steigen täglich.“ Er forderte, die Kirche im Dorf zu lassen, „denn bisher war es brandschutzrechtlich erlaubt zu spielen“. Alle Beteiligten müssten nun konstruktiv nach Lösungen suchen, die Probleme angehen. „Für diesen Weg sind Zeit und Wille nötig. Und ich sehe eine Chance, dass das jetzt passiert.“

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Und Karin Becker? Die war sichtlich erfreut über die Diskussion im Kulturausschuss und blickte nach vorne: „Da die Begehung mit der Feuerwehr aufgrund der Pandemie derzeit nicht möglich ist und das mit Video nicht geht, müssen wie den aktuellen Brandschutzbericht noch abwarten. Danach werden wir gemeinsam eine Prioritätenliste aufstellen.“