Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung am Donnerstag geschlossen hinter Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) gestellt und gefordert, dass im Bodenseeforum ein Corona-Impfzentrum entstehen soll. Burchardt wurde beauftragt, noch vor Weihnachten an Landesregierung und Landrat zu schreiben.

Entscheidung ist allerdings bereits gefallen

Nur: Die Entscheidung über die Kreisimpfzentren wurde in Stuttgart bereits getroffen. Gegen Konstanz und für Singen. Uli Burchardt hofft, hier nachjustieren zu können. Doch es sind noch viele Fragen offen. Nicht zuletzt, ob überhaupt genug Personal vorhanden wäre. Das wurde während der Diskussion im Gemeinderat offenbar.

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Warum will Konstanz ein Impfzentrum?

Burchardt nennt dafür die „besondere geografische Lage“ der Stadt als Hauptgrund. Es ist die größte Stadt des Kreises, und sie liegt am Rand. Würde das Bodenseeforum zum zweiten Impfzentrum des Landkreises ernannt, hätte das für die Stadt Konstanz gleich zwei Vorteile.

Wird das Bodenseeforum doch noch zum zweiten Corona-Impfzentrum im Landkreis neben Singen? Der Gemeinderat hat sich dafür ausgesprochen, aber er kann es nicht bestimmen. Bild: Oliver Hanser
Wird das Bodenseeforum doch noch zum zweiten Corona-Impfzentrum im Landkreis neben Singen? Der Gemeinderat hat sich dafür ausgesprochen, aber er kann es nicht bestimmen. Bild: Oliver Hanser

Zehntausende Konstanzer müssten für die Immunisierung gegen Covid-19 nicht die etwa 30 Kilometer Anreise in die Stadthalle Singen in Angriff nehmen, wo das bisher vom Land bestätigte einzige Impfzentrum des Kreises eingerichtet werden soll.

Und einige Euros in die Kasse des Bofos

Außerdem würde das finanziell gebeutelte Bodenseeforum einige Euro in die Kasse bekommen. Denn die Landesregierung zahlt den Betreibern der Gebäude, in denen die Bürger ab voraussichtlich 15. Januar ihre Spritzen erhalten, einen Obolus. Uli Burchardt sagte: „Das Kreisimpfzentrum Singen ist gut da, wo es liegt – und für zwei Drittel des Landkreises gut erreichbar.“

Für Konstanz allerdings nicht. Der Oberbürgermeister betonte, dass „die Sache mit dem Geld“ zweitranging sei. Hauptmotivation sei die Sicherheit der Konstanzer, vor allem der Älteren, und der Wunsch nach einer schnellen Verteilung des Impfstoffs.

Braucht es rein rechnerisch ein zweites Impfzentrum?

Burchardt rechnete dem Gremium vor: „Wenn das Zentrum Singen von 7 bis 21 Uhr sieben Tage die Woche impft und pro Minute eine Person geimpft werden kann, sind wir von Mitte Januar bis Ende Juni bei 140.000 Impfungen.“ Der Kreis hat rund 286.000 Einwohner. Jeder muss zweimal geimpft werden, also könnten 70.000 Personen das Vakzin erhalten. Außerdem brauche man eventuell auch Zeit für Beratung.

Bild: Lukas Ondreka

Zudem sei der kurz vor der Zulassung stehende Impfstoff der Mainzer Firma Biontech schlecht zu transportieren und könne nach dem Auftauen aus juristischen Gründen nur eine Stunde lang verabreicht werden. All das mache es komplizierter, dezentral zu impfen, etwa in Arztpraxen. Deshalb sei man, bis es unkompliziertere Impfstoffe gebe, auf die Zentren angewiesen. Jan Welsch von der SPD warf ein: „Aus unserer Sicht darf es nicht darum gehen, einen Konkurrenzkampf zwischen Ober- und Mittelzentrum um die Vorherrschaft im Kreis zu führen.“ Das Zentrum in Konstanz dürfe nur aufgemacht werden, wenn damit die Infektionsgefahr für Risikopatienten drastisch reduziert, Impfungen insgesamt beschleunigt und keine Überkapazitäten produziert würden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Bodenseeforum zur Außenstelle wird?

Anke Schwede (Linke) fragte: „Es gab doch die Entscheidung des Sozialministeriums Baden-Württemberg, nur sechs Standorte mit zwei Zentren zu schaffen. Ich habe es so verstanden, dass es eine Entscheidung ist, die feststeht.“ Ob Burchardt Informationen habe, dass hier nachjustiert werden könnte? Burchardt: „Grund zur Annahme, dass wir eine solche Sonderlösung kriegen, habe ich nicht, aber die Hoffnung.“ Und es gibt ein zweites, vielleicht noch größeres Problem.

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Gabriele Weiner vom Jungen Forum fragte: „Haben wir überhaupt so viel Personal? Da werden ja unheimlich viele Leute benötigt. Reicht das für Konstanz und Singen?“ Daraufhin berichtete Burchardt aus den Gesprächen in der Expertenrunde mit zuständigen Ämtern und Landrat: „Es wird noch mit Hochdruck gesucht. Zwischen 50 und 70 Personen Mindestbesetzung müssten im Impfzentrum immer vor Ort sein.“ Ein Argument für Konstanz sei ja auch, dass es einfacher sein dürfte, Konstanzer Personal für ein Impfzentrum in Konstanz als für eines in Singen zu gewinnen. Schließlich dauere die Anreise dorthin eine knappe halbe Stunde – ohne Stau. „Wir hören von großer Bereitschaft unter Ärzten und weiterem Personal, sich in den Impfzentren zu engagieren“, so Burchardt.

Was sagt der Landrat?

Auf Anfrage des SÜDKURIER bekräftigte Zeno Danner: „Da ein Großteil der Kreisbevölkerung in Konstanz wohnt, bemühen wir uns, hier eine Außenstelle einzurichten.“ Aber: „Dies ist mit enormen zusätzlichen logistischen und personellen Herausforderungen verbunden, die zur Einrichtung des Kreisimpfzentrums in Singen hinzukommen.“

Zeno Danner, Landrat des Landkreises Konstanz.
Zeno Danner, Landrat des Landkreises Konstanz. | Bild: Scherrer, Aurelia

Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Beschaffenheit des Impfstoffes und wie schnell der Impfstoff nach dem Auftauen zu verbrauchen sei. „Insgesamt möchte ich den Zugang zum Impfstoff für unsere Bürgerinnen und Bürger so einfach gestalten, wie uns dies möglich ist.“