Zeichen der Entwarnung sieht Landrat Zeno Danner keine. „Wir haben ähnliche Zahlen, allerdings mit einer leicht steigenden Tendenz“, sagt er in der wöchentlichen Corona-Konferenz. Das mache ihm Sorgen, insbesondere der Umstand, dass es ein großes Aufkommen an Infektionen in Pflegeheimen gebe.

„Je mehr Fälle, desto größer das Risiko für die verwundbare Gruppe“

Die Schlussfolgerung ist einfach: „Je mehr Fälle es in der Bevölkerung gibt, desto größer ist das Risiko für die verwundbare Gruppe“, sagt Danner. Das Landratsamt habe überprüft, wie das Virus in die Pflegeheime gekommen sei. Die Infektionsquellen reichten vom Personal über Besucher, Bewohner bis hin zu Reinigungskräften. Er sei daher geneigt, im Kreis weitere Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings sind diese bundesweit erst ab einer Inzidenz von 200 vorgesehen. Im Kreis Konstanz liegt die Sieben-Tages-Inzidenz bei 100, der Rechtfertigungsdruck wäre also groß.

Zur Lage in den Kliniken im Kreis

Man habe die Lage noch im Griff, „aber sie ist sehr ernst“, resümiert Marcus Schuchmann, ärztlicher Direktor am Klinikum Konstanz. Es gebe 19 gesicherte und vier Verdachtsfälle, vier Personen lägen auf der Intensivstation. Der Regelbetrieb könne im Moment noch aufrecht erhalten werden. Günstig sei, dass manche Patienten von sich aus geplante Operationen absagten. An den Kliniken Singen und Radolfzell sei die Lage vergleichbar, erläutert Frank Hinder, ärztlicher Direktor des Klinikums Singen. Insgesamt seien 30 Patienten in Isolation, 20 in Singen, zehn in Radolfzell. Bei 14 Personen in Singen handele es sich um eine nachgewiesene Covid-19-Infektion. Fünf Patienten befänden sich auf der Intensivstation und würden beatmet. In Radolfzell sei ein Patient auf der Intensivstation. In Singen seien die meisten Patienten zwischen 65 und 75 Jahren, viele litten an Vorerkrankungen.

Die Pläne für das kreisweite Impfzentrum

Kreisweit wird es ein Impfzentrum geben, das in der Stadthalle in Singen eingerichtet wird. Das Land werde für das Zentrum einen Tiefkühlschrank, Software für die Anmeldung und Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Für alles Weitere, Personal und Organisation, sei der Kreis zuständig. Zeno Danner will sich aber für eine Außenstelle in Konstanz einsetzen. „Dafür gibt es keine Kostenzusage vom Land“, sagt Danner, bleibt aber optimistisch, dass sich ein Weg finden werde.

Die Appelle von Landrat und Ärzten

Der Landrat und beide ärztliche Direktoren appellieren an die Bevölkerung, ihre privaten Kontakte weitgehend einzuschränken. „Ich kann verstehen, dass man an Weihnachten zusammen kommen will“, sagt Frank Hinder, er fürchte jedoch schlimme Folgen für die Intensivstationen nach dem Fest. Das amerikanische Thanksgiving-Fest, das am 26. November stattfand, sollte als Warnung dienen. Danach sei die Zahl der Covid-19-Infektionen in den USA drastisch angestiegen, viele Ältere seien gestorben. Danner ergänzt: „Wir müssen uns höchste Mühe geben, uns bei Kontakten einzuschränken, auch an Weihnachten selbst.“