Vinzenz und Wotan sind 13 und elf Jahre alt. Dennoch machen sie Eindruck auf die Menschen zwischen Herosé-Areal und Bodenseeforum. Kaum jemand, der bei ihrem Anblick nicht das Smartphone für ein Foto zückt. Kein Wunder.

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„Hier waren wir noch nie“

Die beiden sind eine echte Neuheit für die meisten Konstanzer: Vinzenz und Wotan sind die Pferde von Polizeiobermeisterin Julia Krieger und Polizeioberkommissar Walter Horländer. Seit Donnerstagnachmittag sind sie im Einsatz in Konstanz.

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„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals berittene Polizei in der Stadt hatten“, erklärt Tatjana Deggelmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Walter Horländer bestätigt hoch zu Ross: „Nein, hier waren wir noch nie, Einsätze am See kannten wir bisher nur in Friedrichshafen.“

Walter Horländer, Polizeioberkommissar der Reiterstaffel in Stuttgart.
Walter Horländer, Polizeioberkommissar der Reiterstaffel in Stuttgart. | Bild: Brumm, Benjamin

Seine Kollegin Julia Krieger sagt: „Es ist toll hier, fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an.“

Julia Krieger, Polizeiobermeisterin der Reiterstaffel in Stuttgart.
Julia Krieger, Polizeiobermeisterin der Reiterstaffel in Stuttgart. | Bild: Brumm, Benjamin

Ernsthafter Hintergrund: Unterstützung von Kontrollen der Corona-Verordnung

Ist es aber nicht. Dass in der Stadt nun auch vom Rücken der Pferde Streifen stattfinden, hat einen ernsten Hintergrund: Die Beamten der Polizeireiterstaffel aus Stuttgart unterstützen die Kollegen zu Fuß und im Auto bei Kontrollen von Personen, die sich nicht an die Vorgaben der Corona-Verordnung halten.

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„Der Vorteil liegt darin“, sagt Horländer und zeigt vom Herosé-Park in Richtung Bodenseeforum, „dass wir vom Sattel aus einen größeren Überblick haben.“ Im Vergleich zur Fußstreife seien die Reiter zudem schneller und gegenüber Streifenwagen auch für Einsätze in schwer zugänglichem Gelände bereit.

Schwerpunkt in den kommenden Tagen: Beliebte Freizeitorte rund um den See

So liege der Schwerpunkt laut Polizeisprecherin Deggelmann vor allem auf beliebten Freizeitorten: Herosé, Seestraße oder Hörnle. Durch die frühsommerlichen Wetteraussichten, beginnend ab dem Wochenende, rechnet die Polizei mit einer steigenden Anzahl von Menschen, die sich draußen aufhalten.

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„Bisher halten sich die Bürger weitgehend an die Einschränkungen“, erklärt Deggelmann, „dass das so bleibt, ist aber nicht garantiert.“ Die Polizei Konstanz sei daher dankbar für die Unterstützung der tierischen und menschlichen Kollegen aus Stuttgart.

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„Das wirkt wie aus der Zeit gefallen“

Steffi King, die gerade an der etwas anderen Streife vorbei radelt, sagt: „Man kennt das nicht, es wirkt wie aus der Zeit gefallen. Aber es hat etwas Erhabenes und ich kann mir vorstellen, dass sich die Leute davon stärker beeindrucken lassen, als von Polizisten zu Fuß.“

Zählt das? Polizeioberkommissar Walter Horländer an der Zählstelle für Radfahrer nahe der Fahrradbrücke
Zählt das? Polizeioberkommissar Walter Horländer an der Zählstelle für Radfahrer nahe der Fahrradbrücke | Bild: Brumm, Benjamin

King hält die vorerst bis nach den Osterferien geltenden Maßnahmen für „richtig und gut“. Sie fürchte als Mitinhaberin einer Goldschmiede in der Altstadt wegen der Geschäftsschließung vor allem wirtschaftliche Folgen der Krise. „Aber ich ärgere mich, dass es immer noch Leute gibt, die rücksichtslos gegenüber ihrem Umfeld die Regeln missachten, weil sie meinen, sie seien durch Covid-19 nicht gefährdet.“

Diese auf die bis auf Weiteres herrschenden Verbote hinzuweisen, wird nun auch Aufgabe von Wotan und Vinzenz sein. Am heutigen Freitag und am Sonntag werden sie von anderen Polizeipferden abgelöst – auch tierische Polizisten brauchen eben einmal Pause.

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