Viele Passanten, die durch den Stadtteil Paradies laufen, stutzen unwillkürlich. Auf den Gehwegen sind Sprechblasen Mundartsprüche gesprüht worden. „Könnsch mer emol?“ und „Solle mer zamme?“ steht geschrieben.

Neben Verwunderung bewirken diese Kurzfragen aber auch eines: Sie regen zum Nachdenken an, beispielsweise mit wem man gerne mal gemeinsam was auch immer machen möchte. Vor allem aber erinnern diese Schriften an die Postkartenaktion, welche die Abteilung Altenhilfe der Stadt Konstanz vor einigen Monaten initiiert hatte, um für frischen Schwung in Sachen Pflege der Nachbarschaft zu sorgen.

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Jetzt steht der Höhepunkt der zweiten Aktion mit dem Nachbarschaftsfest am Freitag, 23. Juli, von 14 bis 18 Uhr bei der Streuobstwiese in der Gottlieber Straße gegenüber dem Lebensmittelmarkt bevor. Eine kleine Ausstellung mit Nachbarschaftsgeschichten soll zum Nachahmen anregen.

„Gucken, schauen, staunen, sich unterhalten“, gibt Petra Böhrer von der Abteilung Altenhilfe die Losung für das kleine Nachbarschaftsfest im Paradies aus. Studierende der Universität Konstanz, darunter Kristin Delloch (21), haben sich im Rahmen des Seminars „Erzählen.Machen.Nachbarschaftsgeschichte“ unter Leitung von Albert Kümmel-Schnur dem vielschichtigen Thema Nachbarschaft angenähert.

Mit Mundart-Sprechblasen wollen Studentin Kristin Delloch (links) und Maike Schäberle von der Abteilung Altenhilfe der Stadt Konstanz (rechts) auf das Nachbarschaftsfest im Paradies am Freitag von 14 bis 18 Uhr hinweisen.
Mit Mundart-Sprechblasen wollen Studentin Kristin Delloch (links) und Maike Schäberle von der Abteilung Altenhilfe der Stadt Konstanz (rechts) auf das Nachbarschaftsfest im Paradies am Freitag von 14 bis 18 Uhr hinweisen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Kontakt zu Nachbarn zu bekommen, ist nicht immer ganz so einfach, weiß Kristin Delloch aus Erfahrung. Sie stammt aus der Nähe von Bonn und kam zum Studium nach Konstanz. „Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus mit vielen Ein-Zimmer-Wohnungen. Ich kenne keinen einzigen meiner Nachbarn“, stellt sie fest. Sie, die etwas zurückhaltend ist, wartet noch auf Freund Zufall: Eine Begegnung am Briefkasten oder dem ersten Hallo im Treppenhaus.

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Umso spannender fand sie, dass sie – wie alle anderen Seminarteilnehmer – im Paradies lebende Bürger zum Thema Nachbarschaft befragen konnten. Das erste Interview hat Kristin Delloch bereits mit einem über 50-Jährigen geführt und resümiert: „Es war richtig cool, sehr tiefgründig und wir haben lange beim Kaffee gequatscht.“

Was sie an ihrem Gesprächspartner bemerkenswert fand, war seine weit gefasste Definition von Nachbarschaft: „Für ihn ist Nachbarschaft etwas, was die ganze Stadt betrifft und die Kreuzlinger Nachbarn einschließt“, erzählt sie.

Im Paradies wird aber mancherorts die kleinräumige Nachbarschaft intensiv gepflegt. In einigen Mehrfamilienhäuser haben die Bewohner WhatsApp-Gruppen gebildet, die dem Austausch wichtiger Informationen, der Anfrage bezüglich Hilfeleistung oder der Einladung zum Bewohner-Kaffee dienen.

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