Erinnern Sie sich an Rezo? Den blauhaarigen Youtuber, der mit einem Video namens „Die Zerstörung der CDU“ zwar nicht die CDU überflüssig, dafür aber seinen Namen groß gemacht hat – vor allem unter Jugendlichen? Bis heute hat das Video ungefähr 18 Millionen Klicks gesammelt. Nun hat auch Konstanz seinen Rezo. Genau genommen zwei. Ihr Werk „Wieso Uli Burchardt die letzten acht Jahre vermasselt hat“ sorgt für ein kleines Beben in der medialen Prä-OB-Wahl-Blase.

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Und er antwortet prompt

Ob auf Youtube, Instagram, Facebook oder Twitter – Konstanz diskutiert den Beitrag der jungen Männer zum politischen Geschehen und gegen den Amtsinhaber. Der hat bereits geantwortet – auch per Video. Was sagen die Kontrahenten? Wie findet der OB den Angriff auf ihn? Wer hat Recht? Wir haben die Antworten.

Moritz Högemann.
Moritz Högemann. | Bild: Moritz Högemann

Im Video zu sehen sind die beiden 18-jährigen Moritz Högemann und Leo Rüland. Einige ihrer zentralen Aussagen sind: „Hier in Konstanz legst du fürs Wohnen in ganz Deutschland am meisten hin“.

„Mit Uli Burchardt wird lustig weiter spekuliert“

Oder, der Verkauf von Vincentius- und Bückle-Areal an Investoren sei ein Fehler gewesen. Für Jugendliche gebe es zu wenig Platz und fürs Klima tue Burchardt auch nichts.

Leo Rüland.
Leo Rüland. | Bild: Moritz Högemann

Auf Facebook mit die größte Empörung löste jedoch aus, dass die beiden Hobbyfotografen beim Stadtnamen auf das alemannisch weiche „Konschdanz“ verzichteten. Sie kommen aus Konstanz und haben dieses Jahr ihr Abitur gemacht.

Das ist ihre Motivation

Moritz Högemann schildert gegenüber dem SÜDKURIER seine Motivation: „Wir haben einen sehr konservativen Oberbürgermeister. Es braucht mal wieder frischen Wind, insbesondere beim Klima und beim Wohnen.“

Ihm mache der Klimawandel Angst, gegen die globale Erwärmung würde zu wenig unternommen. Er selbst will sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Außerdem findet er, dass sich Jugendliche mehr beteiligen und auch selbst wählen gehen sollten. Auch dazu wolle er mit diesem Video animieren.

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Högemann berichtet von der Kritik und der Zustimmung in den sozialen Medien.

Doch einer stimmt so ganz und gar nicht zu.

Der amtierende OB Uli Burchardt, der schnell mit einer Antwort im Videoformat konterte. Ein Beleg dafür, dass dem OB die Dynamik, die solch eine Anklage nehmen kann, wohl bewusst ist.

Sein Video erschien nur Stunden nach jenem der beiden jungen Männer. „Die Fakten hatte ich ja im Kopf“, erklärt Burchardt gegenüber dem SÜDKURIER.

Dann sei er mit seinem Handy losgezogen, an das Vincentius-Areal, vor das Bodensee-Forum, an das Herosé, zwei Stunden insgesamt habe alles gedauert.

Burchardt mit Handy und Gimble einen Tag später beim Treffen mit dem SÜDKURIER. Er nimmt seine Videos selbst auf. Hier ist auch ein Teil des Konter-Videos an Högemann-Rüland entstanden.
Burchardt mit Handy und Gimble einen Tag später beim Treffen mit dem SÜDKURIER. Er nimmt seine Videos selbst auf. Hier ist auch ein Teil des Konter-Videos an Högemann-Rüland entstanden. | Bild: Eva Marie Stegmann

„Hallo, ich hab euer Video angeschaut“, beginnt er freundlich, im Hintergrund sein Dienstzimmer, „da stimmt so manches nicht, ich bin sicher, ihr wollt wissen, wies genau ist.“

Ist Konstanz die teuerste Stadt?

Punkt eins, die Mieten. Laut dem aktuellen Mietspiegelindex von F + P liegt Konstanz auf Platz 19, sagt Burchardt. Nicht die teuerste Stadt, aber bedenklich, wie er einwendet. Das ist fast richtig. Konstanz liegt in besagter Studie auf Platz 18.

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Hat die Stadt das Vincentius-Areal verhökert, wie das Duo Högemann-Rüland wettert? Burchardt erklärt, dass das Areal nur zu einem Viertel der Stadt gehört habe. Dass es verkauft wurde, für über zehn Millionen, um den Neubau des Klinikums zu finanzieren. „Gut für die Konstanzer und gut für die Stadt.“

Würde er es wieder tun? „Natürlich ist es ein tolles Grundstück und natürlich hätte ich es gerne behalten. Aber im Alltag ist die Frage: Wie krieg ich es finanziert?“, sagt er gestern im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Hat die Stadt das Bückle-Areal verhökert?

Im Video nimmt er auch zum Bückle-Areal Stellung. Der Großteil sei Gewerbe. „Das kam für uns nie in Frage, das ernsthaft zu kaufen.“ Im hinteren Teil jedoch ist Wohnbau möglich. Bisher ohne Baurecht.

Bild: Eva Marie Stegmann

Weil das Grundstück acht Millionen zu teuer gewesen sei, habe die Stadt zugunsten von Kitas und Schulen verzichtet. „Wir suchen lieber einen Investor, der unsere Ziele verfolgt“, so der amtierende OB. Also geförderter Wohnbau, Freiflächenentwicklung. „Erst dann vergeben wir Baurecht.“

„Gleichzeitig kritisieren wir, dass Sie sich in Ihrem Wahlkampf als nachhaltig geben, dabei aber am Status quo festhalten und weiter eine Verkehrspolitik für Autos statt für Menschen betreiben. Das ist absolut nicht nachhaltig.“

Politik auch für Autofahrer

Burchardt betonte in seiner Erwiderung: „Ihr sagt: Es werde Politik für fette Mercedesse gemacht. Nein, das ist nicht der Fall, aber es wird auch Politik für Autofahrer gemacht.“ Dass es mehr Platz für Jugendliche brauche, da stimmte Burchardt den beiden zu. Zum Thema Klima gab er jedoch kein Statement ab.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht am Ende

Die beiden jungen Männer legten am Donnerstag nach. In Schriftform. Zum Thema teuerste Stadt zitieren Högemann und Rüland eine Studie von 2016, in der es explizit um Mittelstädte geht.

Beim Thema Vincentius kritisieren sie: Wer argumentiere, nur durch Privatisierung Geld für ein Krankenhaus auftreiben zu können, der zeige, dass er entweder keine Gelder einplane oder dieses Krankenhaus nicht zu den städtischen Prioritäten gehöre.

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Burchardt findet es gut, sagt er, dass sich die Jugendlichen einbringen. „Ich weiß nicht, wer hinter ihnen steht. Aber sie haben es wohl nicht alleine recherchiert“, vermutet er.

Er hat recht

Er hat recht: Laut Högemann ist eine „Gruppe“ verantwortlich für die Inhalte des Videos. Leo Rüland und er seien nur die Gesichter der viel größeren Bewegung.

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Fakt ist: Das Video des Duos ist nicht perfekt recherchiert. Dass sie sich äußern und auf ihre Probleme aufmerksam machen, bringt aber offensichtlich Schwung in die Debatte. Ebenfalls die prompte Reaktion des OB. Auch wenn er, wie die Jugendlichen bemängeln, das Thema Klima „völlig übergeht“.

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