Als der Sprachassistent Alexa von Amazon auf den Markt kam, war Mark Collmann „schwer begeistert“, sagt er. „Das war genau meine Schiene.“ Der heute 33-Jährige hat schon als Kind gern gebastelt. „Aus Legotechnik habe ich meinen Eltern eine Kaffeeumrührmaschine gebaut.“

Und nach seiner Ausbildung zum Elektroniker, noch bevor es die heutigen Tablets und Handys in der Form gab, baute er sich ein Touch Panel, ein Bedienfeld, das auf Fingerberührung reagiert. Damit ließen sich zum Beispiel die Beleuchtung und Heizung ansteuern und die Jalousien hoch- oder runterfahren.

Begeisterung für die neue Technik weicht der Skepsis

Dann also wurde dieses Amazon-Gerät entwickelt, mit dem man die ganze Wohnung automatisieren und das man alles fragen konnte. Das einem sogar einen Witz erzählen konnte: Alexa. „Ich habe mir das natürlich sofort gekauft, damit rumgespielt und eine Menge Spaß gehabt.“ Aber irgendwann beschlich Collmann ein ungutes Gefühl, das nicht mehr weichen wollte.

Denn: Man hörte von Skandalen. Davon, dass die nicht anonymisierten Sprachnachrichten von Mitarbeitern des Konzerns abgehört und ausgewertet wurden. Dass in Amerika einmal Dutzende Puppenhäuser bestellt wurden, weil ein Nachrichtensprecher im Fernsehen den Satz sagte: „Ich liebe das kleine Mädchen, wie es sagt: ,Alexa hat mir ein Puppenhaus bestellt.‘“

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Die Geräte in vielen Haushalten fassten dies als Aufforderung auf, eines zu kaufen. Und auch wenn die Ware nicht ausgeliefert wurde, weil der Bestätigungsklick fehlte, so wurde doch klar: Das Gerät hört bei jedem zu Hause mit. Und schickt das Private hinaus in eine digitale Cloud, von der man nicht weiß, wer sie wie zu seinen Zwecken benutzt. Das will Collmann ändern.

Die Idee zu „priVeta Home“ war geboren. Der Sprachassistent sollte eins auf den Deckel bekommen, besser gesagt: Es sollte ihm ein Deckel aufgesetzt werden, der dafür sorgt, dass nichts mehr rausgeht, was nicht raus soll. In diesem Fall eben Daten von zu Hause. Collmann entwickelte etwas von der Größe und dem Aussehen eines Brandschutzmelders, das aber nicht an der Zimmerdecke, sondern auf Alexa sitzt.

Wie soll das zu mehr Privatsphäre beitragen?

Mit einem Aktivierungswort kommt es in Gang und stellt die Verbindung zum unendlichen Wissen dahinter her. Solange man spricht, sind die Mikrofone von Alexa offen. Sobald man aber nichts mehr sagt, legen sich für den Menschen nicht hörbare Störgeräusche, die zwei Minilautsprecher aussenden, über die neugierigen Mikrofone des Geräts.

Klar, Alexa hat auch einen Knopf, mit dem man seine Mikrofone ausschalten kann. Aber hingehen, ausschalten, danach wieder einschalten, das dauert seine Zeit und wird gern vergessen. Collmanns Produkt hingegen soll dafür sorgen, dass man immer unmittelbar und bedenkenlos zugreifen kann. „Ein Smart Speaker Add on“ (computergesteuerter Lautsprecher-Zusatz) „für mehr Privatsphäre“ heißt es auf der Homepage.

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Florence Wenzler (30), die Lebenspartnerin des Technikers, hat in Konstanz Betriebswirtschaftslehre studiert und unterstützt ihren Freund bei dessen Start-up, das es seit Februar 2021 gibt. Im April soll eine Crowdfunding-Kampagne starten, damit Startkapital zusammenkommt. Ende des Jahres soll das Gerät in Produktion gehen.

Die beiden stehen ganz am Anfang. Das Treffen mit ihnen fand in der Farm, dem Gründungszentrum der Stadt Konstanz, statt, denn eigene Räume haben sie noch nicht. Aber eine Vision. Mit der man Alexa – und vielleicht in Zukunft allen anderen Geräten dieser Art – eins auf den Deckel geben kann.