Vor Jahren und äußerst hartnäckig hatten einzelne Mitglieder des Gemeinderats das Verkehrsmittel für Konstanz eingefordert – der Betriebsbeginn hat sich dann aber um Jahre verzögert. Im Frühjahr 2018 ging der Wasserbus, der den Steg am Bodenseeforum mit dem Konstanzer Hafen verbindet an den Start – und kann beachtliche Erfolge vorweisen: 9665 Fahrgäste haben den Wasserbus an 17 Betriebstagen genutzt, das sind im Schnitt 568 Passagiere an einem Betriebstag.

Anstelle der MS Reichenau fährt künftig die Seeperle

Auf diesen Erfolg will die Stadtverwaltung aufbauen – und gleichzeitig Änderungen einführen, um den Betrieb zu verbessern. Die wichtigste: Die MS Reichenau, die den Betrieb bisher sicherstellte, soll ersetzt werden durch ein kleineres Schiff, wie Verkehrsplaner Stephan Fischer im Technischen und Umweltausschuss erläuterte: "Die MS Reichenau ist zu groß, eine Kapazität von etwa 60 Passagieren ist im Moment ausreichend", sagte er. Zudem habe ein kleineres Schiff weniger Schwierigkeiten mit Wendemanövern. Voraussichtlich werde man künftig die Seeperle der Personenschifffahrt Gieß nutzen können.

Warum sich ein kleineres Schiff für den Betrieb besser eignet

Ewald Gieß, Inhaber der Personenschifffahrt Gieß, erläutert, warum ein kleineres Schiff auf der Strecke Vorteile hat: "Die MS Reichenau hat zwei feststehende Propeller, das macht ihr Schwierigkeiten, vom Steg im Hafen schnell wegzukommen." Die Seeperle hingegen verfüge über zwei Schottel-Ruderpropeller, die um 360 Grad drehen könnten. Damit könne das Schiff die Anlegestelle schnell verlassen. Als Gieß im Sommer 2018 einmal mit der Seeperle eingesprungen sei, habe er festgestellt, dass er den Fahrplan einhalten konnte – das gelang der MS Reichenau meist nicht. Nun ist geplant, dass Ewald Gieß als Kapitän mit der Seeperle die Samstagsfahrten übernimmt. Die BSB tritt dabei als Auftraggeber auf, über den Preis verhandele man noch.

Wird das Springen von der Fahrradbrücke verboten?

Darüber hinaus soll die Sicherheit verbessert werden, worüber Stephan Fischer im Ausschuss informierte. Gefährdet seien Schwimmer und vor allem Springer, die von der Radbrücke ins Wasser springen. Um Rücksicht zu nehmen, müsse der Wasserbus an dieser Stelle stets langsam fahren, aber auch wegen der vielen Motorboote auf dem Rhein. Die Verwaltung will nun das Springen von der Rheinbrücke verbieten. Gisela Kusche (FGL) wandte ein, dass ein Teilverbot vermutlich wirksamer sein werde: "Ein generelles Verbot wird nicht fruchten, aber der Sprung in die Fahrrinne ist tatsächlich gefährlich. Das sollte verboten werden".

Wann könnte der Wasserbus kostendeckend fahren?

Wirtschaftlich ist der Probebetrieb des Wasserbusses noch nicht. Die Einnahmen für 2018 liegen bei 13.381 Euro, dem gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 26.322 Euro für die 595 Linienfahrten, die die BSB leisteten, plus 714 Euro für Werbung und Service am Automaten.

Gegenfinanziert werden die Ausgaben für den Wasserbus aus der Bewirtschaftung des Parkplatzes am Bodenseeeforum. Diese lagen 2018 bei 72.497 Euro, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilt. Diese Form der Finanzierung gelte für die Zeit des Probebetriebs, mindestens bis 2020. Sollte man dann entscheiden, den Regelbetrieb auf möglichst viele Wochentage auszuweiten, rechnet die Verwaltung damit, dass die Auslastung sich deutlich verbessert.

Ein Ziel wäre ein Kostendeckungsgrad von 70 bis 80 Prozent, schreibt Pressesprecher Walter Rügert in einer E-Mail.

Die Auswirkungen des Betriebs auf die Natur sind noch nicht abschließend geklärt

Bei einem Regelbetrieb müsste sich auch die Taktung ändern: angestrebt ist ein 15-Minuten- anstelle des jetzigen 30-Minuten-Takts. Dies sei jedoch nur bei Nutzung zweier Schiffe denkbar, schreibt Rügert, und werde frühestens 2020 möglich. Zudem sind Naturschutzgutachten erstellt worden (zu Vogelschutz und dem Zustand der Wasseralgen), um die Auswirkungen des Wasserbusses abschätzen zu können, berichtete Stadtplaner Martin Wichmann im Ausschuss. Bei einer Algenart hätten sich Veränderungen ergeben, die genauen Ursachen seien aber noch nicht geklärt.