Ruhig ist es um eine Bevölkerungsgruppe geworden, die 2015 im Zentrum der Aufmerksamkeit stand und deren Anwesenheit für erbitterte Debatten sorgte: die Flüchtlinge. Viele, die im Lauf des Jahres 2015 kamen und deren Asylstatus anerkannt wurde, haben sich ins gesellschaftliche Leben integriert und Arbeit gefunden.

Es fehlt nach wie vor an Wohnungen für Flüchtlinge

Ein großes Problem stellt aber nach wie vor die Wohnsituation dar. 1456 Personen mit Asylstatus müsste die Stadt in einer Anschlussunterkunft unterbringen, sie kann aber nur 1290 Plätze zur Verfügung stellen.

Davon leben 332 Flüchtlinge als „Fehlbeleger“ weiterhin in den Gemeinschaftsunterkünften. Monika Brumm, Leiterin des Amts für Integration und Migration beim Landratsamt, schätzt das Zusammenleben rund um die Flüchtlingsunterkünfte als inzwischen entspannter ein.

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Hin und wieder gebe es Beschwerden seitens der Anwohner wegen der Lautstärke, vor allem im Sommer. „Die meisten Anwohner haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass dort Menschen leben und sie kennen auch die Ansprechpartner vom Landratsamt“, sagt Brumm.

Leicht ist das Leben in der Unterkunft auf Dauer nicht

Allerdings belaste viele Flüchtlinge, dass sie seit sehr langer Zeit in den Unterkünften lebten. „Viele sind dort unglücklich – das macht das Zusammenleben nicht einfacher“, so Brumm. Gelegentlich entlade sich die angestaute Unzufriedenheit auch in Form von körperlicher Gewalt.

Weniger Straftaten als im Jahr 2016

Allerdings ist die Zahl der Straftaten, die in der Nähe von Asylbewerberunterkünften begangen wurden, seit 2016 deutlich gesunken. Im Stadtgebiet wurden im Jahr 2016 in der Nähe von Aufnahmeeinrichtungen 86 Delikte begangen, 2017 waren es nur noch 36, 2018 zählte die Polizei 48 Straftaten, wie Oliver Weißflog, Sprecher des Polizeipräsidiums, berichtet.

In der Stromeyersdorfstraße habe es 2018 acht Straftaten im Drogenhandel oder -besitz gegeben. In der Luisenstraße gab es zwölf Polizeieinsätze, davon aber nur vier Straftaten, die von Drogenbesitz bis Körperverletzung reichten.

Viele junge Flüchtlinge haben Ausbildungen begonnen – die ersten schließen sie bereits ab

Innerhalb der vergangenen drei bis vier Jahre ist es vielen Flüchtlingen gelungen, Arbeit zu finden. Jan Vollmer, Flüchtlingsbeauftragter bei der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee, ist der Meinung, dass der Kreis Konstanz eine Vorreiterfunktion eingenommen habe bei der Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung: „Die Koordination funktioniert sehr gut“, sagt er.

Im Ausbildungsbereich sei die Sprache nach wie vor ein Hauptproblem. Damit ein jugendlicher Flüchtling eine Ausbildung absolvieren könne, sei das Sprachniveau B2 Voraussetzung. Als zweiten Faktor nennt er die individuelle Beratung.

Zu Beginn sei man häufig „zu optimistisch“ vorgegangen und habe Flüchtlinge in eine Ausbildung gesteckt, die letztlich nicht zur Person passte.

Wichtig sei daher, dass der Auszubildende eine klare Vorstellung von der Lehre habe, um die hohen Anforderungen dann auch durchhalten zu können. Beliebt seien Berufe in der IT-Branche, viele Flüchtlinge wählten aber auch den Gastronomie-Bereich oder eine Ausbildung in der Industrie.