Obwohl sich die Vereine untereinander zum Teil gegenseitig unterstützen, bangen manche gerade um ihre Existenz. Wir Stellen drei besondere Härtefälle vor, die es vielleicht so bald nicht mehr gibt und die händeringend neue Räumlichkeiten suchen.

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Athletikclub

„Wir hätten großes Potenzial zu wachsen und auch Trainer, haben aber keine Räumlichkeiten", sagt Cosima Cornelius, die Vorsitzende des Athletikclub Konstanz.
„Wir hätten großes Potenzial zu wachsen und auch Trainer, haben aber keine Räumlichkeiten", sagt Cosima Cornelius, die Vorsitzende des Athletikclub Konstanz. | Bild: Peter Pisa

Seit 2015 gibt es für die Konstanzer Gewichtheber den Athletikclub, den die damals 24-jährige Cosima Cornelius aus der Taufe gehoben hat. In diesen drei Jahren haben die inzwischen 17 Mitglieder nicht nur gelernt, wie man schwere Eisenstangen hebt und reißt, sondern auch, wie schwierig es ist, einen geeigneten Raum für ihre Sportart zu finden.

Das große Problem der Schwerathleten: Sie brauchen einen Betonboden, den es in normalen städtischen Hallen nicht gibt, und – was kaum jemand ahnt – sie benötigen viel Platz.

Hilfe bekommen die Gewichtheber vom Judo-Club

„Das olympische Gewichtheben ist sehr dynamisch“, sagt die Vorsitzende Cornelius in dem kleinen Nebenraum der Schänzlehalle, den sich ihr Verein derzeit mit dem Judo-Club teilt. So können auf den etwa 25 Quadratmetern Anfängerkurse mit maximal sechs Leuten durchgeführt werden. Wettkampfambitionierte Heber können nur zu zweit trainieren.

Diese Lage „hat dazu geführt, dass uns Mitglieder verlassen haben und wir keine neuen mehr aufnehmen können“, erklärt die 27-jährige Sportstudentin. „Wir hätten großes Potenzial zu wachsen und auch Trainer, haben aber keine Räumlichkeiten. Daher gibt es nun eine Warteliste“, sagt Cornelius.

Auch der Nachwuchs leidet unter dem Raumproblem. „Wir würden gerne Kinder und Jugendliche trainieren, können das aber nicht bei uns“, sagt Cornelius, „daher kooperieren wir mit der Wallgutschule und geben Unterricht in der Paradieshalle.“

Alles begann in einem eiskalten Bäckereilager

Angefangen hat alles übrigens im Lager der Bäckerei von Cornelius‘ der Eltern und der Garage ihres Opas. „Das hatte schon seinen Reiz und einen gewissen Undergroundcharakter“, erinnert sich die gelernte Bäckermeisterin, „aber im Winter hatten wir minus zehn Grad im Raum und keine Umkleiden oder Duschen.“ Also nahmen die Athleten das Angebot des Judo-Club an, sich das Räumchen zu teilen.

Trotz aller Probleme, haben Cornelius & Co. ein großes Ziel. „Unsere Vision ist es, ein Athletikzentrum zu werden, auch für andere Sportarten“, sagt die A-Lizenz-Trainerin im olympischen Gewichtheben, die gerade die C-Lizenz als Vereinsmanagerin beim Badischen Sportbund macht, „schließlich braucht jeder Sport gutes Krafttraining“.

Curlingclub

„Die Lage in den letzten Jahren war existenzgefährdend“, sagt Oliver Trevisiol, Präsident des Curlingclub Konstanz (Bildmitte).
„Die Lage in den letzten Jahren war existenzgefährdend“, sagt Oliver Trevisiol, Präsident des Curlingclub Konstanz (Bildmitte). | Bild: Oliver Geißinger

Wie alle Eissportler in Konstanz leiden auch die Curler unter einem akuten Platzproblem. „Die Bodenseearena wurde bis einschließlich letzten Winter vom Schweizer Fernsehen als Studio genutzt“, sagt Oliver Trevisiol. „So stand von zwei Eisflächen nur die im Freien zur Verfügung und da waren plötzlich, die Eishockeyspieler, die sonst drinnen trainiert hatten“, fährt der Präsident des Curlingclub Konstanz fort.

Für ihn und seine Mitstreiter hatte das zur Konsequenz, „dass unsere Trainingszeiten überwiegend auf 22 Uhr bis 24 Uhr geschoben wurden. Da muss man schon ein großer Liebhaber der Sportart sein, um das mitzumachen“, sagt der 46-Jährige.

Trainingstermine waren lange nur Notlösungen

Einige andere Trainingstermine der Aktiven waren am Sonntag von 18.30 Uhr bis 20 Uhr. Auch das nur eine Notlösung, da diese Zeit , so Trevisiol, „extrem ungünstig“ ist für einen Sport, der seine Turniere meist an genau diesem Tag und nicht in Konstanz austrägt.

„Im Breitensport orientieren wir uns an der Schweiz, dort sind Zürich, Sankt Gallen oder Basel die Hauptzielorte. Im Jugendbereich finden in Deutschland viele Wettkämpfe in Schwenningen, im Allgäu oder bei Baden-Baden statt“, erklärt der studierte Historiker, der seit knapp 30 Jahren Curler ist. „Da schaffen wir es meist nicht, rechtzeitig daheim zu sein.“

Der Nachwuchs fährt zum Üben bis nach Weinfelden

Momentan hat der in den 1970-er Jahren gegründete Verein eine Mannschaft im Jugendbereich und bei den Erwachsenen eine Hobbygruppe mit zehn bis 20 Personen, die an Turnieren teilnehmen, „in Alter, Niveau, Geschlecht gemischt, vom Studenten bis zum Rentner“, sagt Trevisiol.

Um ein einigermaßen sinnvolles Training zu bieten, fährt der Nachwuchs in die Curlinghalle im 20 Kilometer entfernten Weinfelden in die Schweiz, darunter auch die beiden Kinder des Präsidenten, der als Referent für den Bereich Geschichte in der Uni-Bibliothek arbeitet.

Jugendarbeit bleibt extrem schwierig

„Die Lage in den letzten Jahren war existenzgefährdend“, sagt Oliver Trevisiol, „doch momentan geht’s irgendwie gerade so, auch wenn unsere Lage weit weg ist vom Optimum.“ Das Fernsehen hat die Bodenseearena wieder verlassen, doch der Platz reiche immer noch nicht für alle Vereine.

„Wir haben jetzt einen Termin für die Erwachsenen um 20 Uhr, das ist okay“, fährt der Vereinspräsident fort, „die Nachwuchsarbeit ist aber immer noch extrem schwierig. Optimal wären für uns zwei Trainings die Woche, einmal für die Erwachsenen und einmal für den Nachwuchs bis 18 Jahre.“

SG Konstanz (Kegeln)

„Es wäre jammerschade, wenn es nach 70 Jahren keinen Kegelsport in Konstanz mehr geben würde“, sagt Karl-Heinz Bertram, Kegel-Abteilungsleiter beim Post-Telekom Sportverein Konstanz.
„Es wäre jammerschade, wenn es nach 70 Jahren keinen Kegelsport in Konstanz mehr geben würde“, sagt Karl-Heinz Bertram, Kegel-Abteilungsleiter beim Post-Telekom Sportverein Konstanz. | Bild: Feiertag, Ingo

Die großen Tage des Konstanzer Kegelns sind längst Geschichte. „Früher hatten wir vier Vereine mit knapp 150 Mitgliedern, darunter 10 bis 15 Jugendliche“, erinnert sich Karl-Heinz Bertram, Kegel-Abteilungsleiter beim Post-Telekom Sportverein. Bei Stadtmeisterschaften kegelten 200 bis 300 Teilnehmer um den Sieg, darunter viele Anfänger, die so zu diesem Sport gefunden haben.

„Und wir hatten in der Spellmann-Halle im Industriegebiet eine der schönsten und beliebtesten Kegelanlagen in Südbaden mit acht Bahnen“, fährt Bertram fort, „dort haben wir nicht nur Bezirks- und Landesmeisterschaften ausgetragen, sondern auch zweimal die Deutschen Meisterschaften der Behinderten.“

Seit 2002 sind die Kegler heimatlos

Heute gibt es noch 25 aktive Sportkegler in zwei Vereinen, die sich zur SG Konstanz zusammengeschlossen haben. An der Stelle der Spellmann-Halle steht eine moderne Bowlinganlage und das traditionelle Kegeln in Konstanz vor dem Aus. Vor 16 Jahren mussten die Vereine ihre Heimat verlassen.

Die SKG Alle Neune, einer der beiden verbliebenen Klubs, der im kommenden Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, ist zunächst im Hotel Balm in Wollmatingen untergekommen. Nachdem auch das 2012 abgerissen wurde, folgte die SKG dem Post-Telekom Sportverein, der 2002 nach Hilzingen-Twielfeld umziehen musste und dort zweimal die Woche trainierte.

2019 droht nach 70 Jahren das Aus

Auch das war jedoch nur eine Übergangslösung, denn nach dieser Saison ist auch im Hegau für die Pendler Schluss, wenn auch die Anlage am Fuße des Hohentwiels ihre Pforten für die Kegler schließt. „Das tut uns unheimlich weh“, sagt Karl-Heinz Bertram, der selbst seit mehr als 40 Jahren Jagd macht auf die neun Kegel.

Nun ist die SG Konstanz also bald wieder heimatlos und deshalb händeringend auf der Suche nach einem neuen Zuhause. „Wir haben uns immer wieder Objekte angeschaut, aber alle waren preislich nicht möglich“, erklärt der 62-Jährige. Dabei sind nicht einmal die sportlichen Voraussetzungen das größte Problem.

Kegler hoffen auf einen bezahlbaren Raum

„Eine Vierer-Anlage, die das Minimum für Wettkämpfe ist, würde 84.000 Euro kosten und wäre also gar nicht so teuer, aber es fehlt das Gebäude“, sagt Bertram, der auch an den Nachwuchs denkt. „Früher hatten wir eine super Jugend. Wir haben an Schulen Kegeln angeboten und haben Europameister und Bundesligaspieler rausgebracht“, ergänzt er. Heute existiert quasi überhaupt kein Nachwuchs mehr.

Daher wären Karl-Heinz Bertram und seine Mitstreiter froh, „wenn wir einen bezahlbaren Raum finden, wo wir eine Bahn bauen könnten. Das könnte auch eine Halle sein, die wir mit anderen Vereinen, wie den Gewichthebern, zusammen nutzen könnten.“ Denn: „Es wäre jammerschade, wenn es nach 70 Jahren keinen Kegelsport in Konstanz mehr geben würde.“

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