Svetlana Henig kühlt an einem dieser heißen Tage ihre Füße im Wasser an der Seestraße. Dazu muss sie viele Stufen nach unten steigen, das flache Wasser schwappt gerade mal an die vorletzte Stufe. In weniger trockenen Jahren ist der Pegelstand des Bodensees im August deutlich höher.

Svetlana Henig sitzt auf einer der untersten Stufen, die an der Seestraße zum See führen. Zu erkennen ist das sehr flache Wasser am Seeufer.
Svetlana Henig sitzt auf einer der untersten Stufen, die an der Seestraße zum See führen. Zu erkennen ist das sehr flache Wasser am Seeufer. | Bild: Wagner, Claudia

Beim Blick über den See fallen die vielen Stellen auf, an denen an der Oberfläche Seegras zu erkennen ist. Vermutlich wird man sich an beides künftig gewöhnen müssen. Ein Blick auf kurz- und langfristige Folgen der Trockenheit.

Wie niedrig ist der Pegel des Bodensees im Moment? Gemäß der Bodensee-Wasserstandsinformation der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg steht der Pegel des Obersees bei 3,22 Meter (Konstanz), der Pegel des Untersees bei 2,75 Metern (Radolfzell). Der Wert des Obersee-Pegels ist damit noch weit entfernt von einem historischen Niedrigstand. Das allerdings sei auf die Jahreszeit zurückzuführen, berichtet Manfred Bremicker, Leiter der Hochwasservorhersagezentrale der LUBW.

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Traditionell falle der niedrigste Wasserstand in die Wintermonate Februar/ März. Das liege an der Quelle: "Das meiste Wasser kommt über den Alpenrhein. Im Winter ist das Wasser als Schnee in den Alpen gebunden, daher ist dann der Pegel niedrig." Der Pegel, der in Radolfzell gemessen wird, sei allerdings für den Monat August ein Rekordwert. Normalerweise liege der Pegel um rund 80 Zentimeter höher, am Obersee sei der Normalwert um 60 Zentimeter höher. Der Unterschied zwischen Ober und Untersee erklärt sich durch die Wasserpflanzen, die sich an Obersee und Seerhein angesiedelt haben: "Sie haben aufstauende Wirkung und halten mehr Wasser im Obersee", erläutert Bremicker.

Ist eine Veränderung in nächster Zeit zu erwarten? Eher nicht. Es seien lokale Gewitter angekündigt, aber keine großflächigen Niederschläge, sagt Bremicker. Der gesamte Schnee aus dem Alpenraum sei abgeschmolzen. Ein Ansteigen des Seepegels ist deshalb nicht zu erwarten.

Welche ökologischen Folgen sind aufgrund des Niedrigwassers zu erwarten? Das Institut für Seenforschung gibt Entwarnung: Gravierende ökologische Auswirkungen des Niedrigwassers seien für das Ökosystem Bodensee nicht zu erwarten, schreibt Institutsleiter Harald Hetzenauer in einer Mail. Die trockenen Bereiche der Uferzone seien üblicherweise auch im Winter trocken und werden erst mit steigendem Wasserstand besiedelt. Die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten seien an Schwankungen der Pegelstände angepasst. Als Folge des Niedrigwassers entstehen in den Flachwasserbereichen Wasserpflanzenfelder. Diese dienen vielen Fischarten als Laichplatz, Jungfische nutzen sie als Verstecke. Die Pflanzenbildung zeige, dass in den Flachwasserzonen des Bodensees genügend Nährstoffe für ein intensives Pflanzenwachstum vorhanden seien.

Sind langfristige ökologische Folgen zu vermuten? Eine Häufung von Niedrigwasserjahren werde Auswirkungen auf die ufernahen Riedgebiete haben. Die dort lebenden Pflanzen und Tiere seien an periodische Überschwemmungen angepasst; blieben sie aus, siedelten sich dort andere Arten an, schreibt Harald Hetzenauer.

Kann die Schifffahrt am Obersee und am Untersee ohne Unterbrechung weiter betrieben werden? Für die Bodensee Schiffsbetriebe gibt es wenig Einschränkungen, teilen die Stadtwerke Konstanz mit. Allerdings wird die Landestelle Bad Schachen derzeit nicht angefahren und an der Insel Mainau kommt es zu Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg. Zu weiteren Einschränkungen käme es erst ab einem Pegelstand unter drei Metern, schreibt Pressereferent Christopher Pape. Auch am Untersee läuft die Schifffahrt weiter, die Höri-Fähre könne problemlos in Gaienhofen, Steckborn und Berlingen anlegen, wie Harald Lang, Kapitän der Höri-Fähre, berichtet. Probleme gebe es aber bei sinkendem Pegel in Horn, seit vier Wochen könne man dort nicht mehr anlegen. Auch die Schifffahrt auf Schweizer Seite ist betroffen: Die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein sei wegen Niedrigwassers eingestellt, berichtet Remo Rey, Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee. Der Fahrplan zwischen Stein am Rhein und Konstanz/Kreuzlingen könne aber eingehalten werden.

Trockenheit und Fischsterben

  • Pegelstand im Jahresgang: Die Aufzeichnungen der LUBW zeigen einen ungewöhnlichen Verlauf des Pegelstands 2018. So hatten Bodensee und Seerhein kurzfristig im Januar einen Höchststand, der über den Maximalwerten zwischen 1880 und 2010 lag. Schon ab Februar fiel der Pegel, um im Juni rasant abzusinken.
  • Wasserstandsinformation: Die Bodensee-Wasserstandsinformationen werden von drei Behörden zusammen getragen, der LUBW, dem Schweizerischen Bundesamt für Umwelt und der Abteilung Wasserwirtschaft Vorarlberg. Jedes Land berechne die Zuflüsse des eigenen Einzugsgebiets, den Gesamtbericht fasse die LUBW zusammen, berichtet Manfred Bremicker von der LUBW. Unkompliziert ist dies nicht, da die Staaten unterschiedliche Bezugshorizonte haben: Die Schweiz rechnet Geländehöhen in Meter über Marseille, Deutschland in Meter über Amsterdam.
  • Fischsterben: Heftiger als den See hat die Hitze in ökologischer Hinsicht den Rhein getroffen: Wie die Schaffhauser Nachrichten berichten, zeigte die Wassertemperatur am Freitag 26,9 Grad bei Schaffhausen. Im Kanton Schaffhausen seien 2,1 Tonnen toter Fische aus dem Rhein geholt worden. Verendet seien Äschen und Forellen. Schweizer Fischer haben in einer spontanen Aktion mehrere Hundert Fische evakuiert und in Kaltwasserbecken gebracht.