Die Autos müssen langsamer und leiser werden, die Bahnstrecke braucht Mini-Lärmschutzwände und Konstanz muss sich weiter anstrengen, dass mehr Menschen auf Bus oder Fahrrad umsteigen: Das sind die Eckpunkte im Lärmaktionsplan, den die Stadtverwaltung nach fast zehn Jahren Vorlauf jetzt in die politische und öffentliche Debatte bringt.

Unter anderem sieht das am Dienstag vorgestellte Papier, für das formaler Beschluss des Gemeinderats nötig ist, ganztägig Tempo 30 auf mehreren Straßenabschnitten sowie nachts Tempo 30 auf der Reichenau- und Spanierstraße vor. Nur so könnten die Anwohner vor Gesundheitsschäden durch Lärm geschützt werden, heißt es in einem Fachgutachten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Tempo 30 in Konstanz

  • Welche Veränderungen kommen auf die Autofahrer zu?
    Der Lärmaktionsplan sieht Tempo 30 ganztägig auf der Laube und Bodanstraße (Teil des Altstadtrings), in Wollmatingen auf der Radolfzeller Straße zwischen Riedstraße und Dettinger Straße und in Allmannsdorf auf der Mainaustraße zwischen Staader Straße/Bettengasse und Egger Straße/Zur Allmannshöhe vor.
    In Petershausen soll Tempo 30 auf der Reichenaustraße und Spanierstraße zwischen Bodenseeforum und Sternenplatz gelten, dort allerdings nur nachts von 22 bis 6 Uhr. Wo Bundesstraßen betroffen sind (Petershausen, Allmannsdorf), hat das Regierungspräsidium Freiburg mitzureden.
  • Wie werden die geplanten Tempolimits durchgesetzt?
    Auf der Reichenaustraße sowie auf der Laube werden ohnehin stationäre Blitzer aufgebaut, die auch so programmiert werden können, dass sie je nach Uhrzeit bei einer anderen Geschwindigkeit auslösen. Ob auch in Allmannsdorf und Wollmatingen Blitzer errichtet werden, ist noch offen. Sollten Messungen zeigen, dass sich viele Autofahrer über die Tempolimits hinwegsetzen, ist ein solcher Schritt denkbar.
  • Sind weitere Tempo-30-Bereiche vorgesehen?
    Lärmschutz ist nur ein Grund, warum die Stadt für bestimmte Straßen Tempo 30 erlassen kann. Auch wenn Strecken aus dem Vorrangnetz genommen werden (die Untersuchungen dazu werden schon seit Jahren angekündigt) oder vor Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern sind Limits möglich. Für den Lärmaktionsplan hat die Stadt gemäß der gesetzlichen Grundlage nur Bundes- und Landesstraßen untersuchen lassen. Viel befahrene kommunale Straßen wie Eichhornstraße oder Max-Stromeyer-Straße sind gar nicht betrachtet worden.
  • Wäre nicht Tempo 40 ohnehin sinnvoller, weil dann alle niedertourig im dritten Gang fahren?
    Unter Experten ist umstritten, ob 40 für Anwohner und Umwelt vielleicht besser ist als Tempo 30. Denn viele Autofahrer sind relativ hochtourig (also laut) im zweiten Gang unterwegs, wenn sie nur 30 Stundenkilometer fahren dürfen. Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn machte bei einer Pressekonferenz am Dienstag deutlich, dass er dieses Fass nicht aufmachen will. Für Tempo 30 spreche auch, dass Radler und Fußgänger besser am Verkehr teilnehmen könnten. Außerdem, so Langensteiner-Schönborn, falle der Zeitvorteil des Autos als Anreiz geringer aus. Es geht also durchaus auch darum, den Menschen das Autofahren zu vergällen.
  • Welche Verbesserungen können sich Anwohner von Bahnlinien erhoffen?
    Ein großes Lärmproblem stellt auch die Bahnlinie dar – vor allem im extrem dicht bewohnten Bereich Bahnhof Petershausen, an der Kurve zur Rheinbrücke und dann weiter bis zum Bahnhof. Der Lärmaktionsplan schlägt dafür Mini-Lärmschutzwände direkt an den Gleisen vor, an der Kurve soll es überdies eine automatische Schmier-Anlage geben, damit die Züge weniger quietschen. Die Stadt, obwohl zuständig für den Lärmschutz, kann dies aber bei der Deutschen Bahn nicht durchsetzen, sagt Martin Wichmann, der stellvertretende Leiter des Amts für Stadtplanung und Umwelt.
  • Wann treten die neuen Regelungen in Kraft?
    Zunächst wird der Entwurf des Lämaktionsplans breit diskutiert. Den Auftakt macht der Technische und Umweltausschuss am Donnerstag, 21. September, ab 16 Uhr (Untere Laube 24). Am Donnerstag, 5. Oktober, gibt es um 19 Uhr im Treffpunkt Petershausen (Georg-Elser-Platz 1) eine Bürgerinformation, bei der auch weitere Anregungen erwünscht sind. Im Januar könnte der Gemeinderat dann final entscheiden, die neuen Tempolimits könnten ab März gelten. Auch Programme für den Einbau von Schallschutzfenstern oder der Einbau von Flüster-Asphalt auf bestimmten Strecken im Zuge sowieso anstehender Bauarbeiten könnten dann greifen.
  • Warum stellt die Stadt Konstanz erst jetzt einen Lärmaktionsplan auf?
    Grundlage ist die inzwischen 15 Jahre alte EU-Umgebungslärmrichtlinie, die 2002 erlassen wurde. Am 5. Mai 2008 beschloss der Gemeinderat, dass Konstanz den Vorgaben nachkommt und einen Lärmaktionsplan aufstellt. In den neuneinhalb Jahren seither hätten sich unter anderem durch den Bau der Westtangente die Voraussetzungen geändert. Zudem habe die Stadt Konstanz zunächst gerichtsfest verwendbare Zahlen gebraucht, so die Begründung für die Verzögerung aus dem Rathaus. Und schließlich sei gerade der Bau der Westtangente auch ein Beitrag zum Lärmschutz gewesen.
  • Hat Konstanz die Aufgabe verschleppt?
    Das weisen die Verantwortlichen von sich und setzen Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Tatsache ist, dass viele andere Kommunen auch in der Region deutlich schneller waren. So gründen teils schon vor Jahren eingeführte Tempo-30-Bereiche in Friedrichshafen, Hagnau oder Markdorf auf den gleichen EU-Richtlinien. Dies wurde also in anderen Kommunen sehr viel flotter umgesetzt. Langensteiner-Schönborn erklärt dies auch damit, dass dort das Problem noch deutlich größer sei als in Konstanz.