Wer heute mit dem Seehas an dem ehemaligen Siemensareal in Petershausen vorbeifährt, kann sich kaum vorstellen, dass es hier einmal ein belebtes und attraktives Quartier geben soll. Eines mit 600 Wohnungen, Geschäften, Büros für junge Unternehmen, neuen Fahrrad- und Fußgängerwegen, öffentlichen Parks und einer weiteren Unterführung an den Bahngleisen.

Genau so aber stellen sich das Maria Wechsel und Andreas Deuring vor. Sie sind die Projektentwickler der i+R Wohnbau Lindau GmbH, die das neue Wohn- und Gewerbegebiet in vier Abschnitten geplant haben.

Bild: Google Earth / i+R / Maxi Stach

A. Kina, Kita und 72 Parkplätze

Bild: i+R Wohnbau Lindau GmbH / Stach, Maxi

Die denkmalgeschützte Shedhalle (1) soll einen Anbau bekommen und zum Konstanzer Innovationszentrum KINA werden, in dem junge Unternehmen Räume und Büros anmieten können. Vor der Halle sind 72 Parkplätze (2) vorgesehen und an allen Gebäuden Fahrradabstellanlagen (3). Im KINA soll es auch Geschäfte, Kulturveranstaltungen und Gastronomie geben. Zudem ist eine zweistöckige Kindertagesstätte (4) geplant. Die Energieversorgung (5) soll über ein Blockheizkraftwerk in der Energiezentrale neben der Kita erfolgen. Zudem soll es eine weitere Gleis-Unterführung geben (6).

B. Mehr Grünfläche, mehr Stockwerke

Bild: i+R Wohnbau Lindau GmbH / Stach, Maxi

Im zweiten Bauabschnitt entstehen die ersten von rund 600 geplanten Wohnungen. Die unteren Wohnungen in dem neuen Quartier sollen Holz-Terrassen (7) haben und in den Innenhöfen gibt es ein paar Bäume (8). In den Innenhöfen oder auf der Seite zur Bahnlinie sieht der Entwurf kleine Spielplätze (9) vor.

"Es ist genau durchdacht, welches Gebäude wie hoch ist", erklärt Projektentwickler Andreas Deuring. Die Gebäude haben in dem Entwurf zwischen vier und 13 Stockwerken und sind laut Deuring so angeordnet, dass die Wohnungen die "bestmöglichen Lichtverhältnisse" haben. Von Anwohnern der Bücklestraße hat es bereits Kritik an den Entwürfen gegeben, dass die Gebäude zu hoch seien und ihre Wohnungen verschattet würden.

Insgesamt rund 26.000 Quadratmeter öffentliche Grün- und Freifläche inklusive Erschließung sowie Geh- und Fahrradwegen sieht der komplette Entwurf für das Siemensareal laut Projektentwicklerin Maria Wechsel vor. Das sind rund 37 Prozent der Gesamtfläche.

Aber dafür mussten die anderen Gebäude auf dem gesamten Areal höher werden. Schließlich ist die Rechnung immer dieselbe: Mehr Grünfläche bedeutet weniger Baufläche – aber es muss sich für einen Investor letztlich auch wirtschaftlich rechnen.

C. Tiefgarage und Sozialwohnungen

Bild: i+R Wohnbau Lindau GmbH / Stach, Maxi

Zwischen den beiden Wohnkomplexen liegt die Einfahrt zur Tiefgarage (10). Besucher sollen oberirdisch auf ein paar Plätzen parken können (11). Auch hier sind wieder kleine Spielplätze vorgesehen (12). Rund 180 aller Wohnungen auf dem Areal sollen geförderte Wohnungen sein.

Hier kommt die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobak ins Spiel – sie soll die 180 Wohnungen von i+R erhalten und vermieten. Gespräche mit der Wobak habe es bereits gegeben, sagt Alexander Stuchly. Allerdings ist noch längst nicht klar, wie viel die Wohnungen kosten – und, ob sich i+R und die Wobak beim Preis einig werden.

Auch bei der Frage nach den Gesamtkosten für das neue Wohn- und Gewerbequartier in Petershausen hält sich Stuchly erwartungsgemäß bedeckt. Von einem dreistelligen Millionenbetrag, sagt er, dürfe man aber ausgehen. Der neue Entwurf hat im Gestaltungsbeirat, ein städtisches Gremium bestehend aus Architekten, Stadtplanern und Stadträten, Zuspruch bekommen.

D. Ein Gebäude für eine Baugruppe

Bild: i+R Wohnbau Lindau GmbH / Stach, Maxi

Im vierten Abschnitt stehen die Gebäude etwas dichter zusammen und sind am höchsten: zwischen sechs und 13 Stockwerke (13) sieht der Entwurf vor. Vorher war dort noch ein fünftes Gebäude vorgesehen, das die Planer gestrichen haben. Damit gibt es zwar mehr öffentliche Grünfläche und einen kleinen Park (14) neben der Chérisy.

Geschäftsführer Alexander Stuchly verweist allerdings auch auf einen weiteren Aspekt, warum die Bebauung in diesem Bereich dichter und höher geplant ist: Die Verkehrsanbindung. Der Bahnhof Fürstenberg liegt in diesem Bereich, "und wir möchten, wenn möglich, viel Verkehr über die Oberlohnstraße führen, nicht über die Bücklestraße", so Stuchly.

Eines der vier Wohngebäude (15) ist für eine Baugruppe reserviert – also für Privatleute, die gemeinsam ein Mehrfamilienhaus realisieren und bewohnen wollen. Dafür gibt es unterschiedliche Modelle: Nur ein Grundstück kaufen und als Bauträger selbst bauen beispielsweise. Oder einen Rohbau abkaufen und nach den eigenen Vorstellungen fertig bauen.

Alexander Stuchly kann sich eher die zweite Variante vorstellen. "Qualität steht bei uns ganz weit oben. Und am Ende muss das Gebäude zu unserem Bebauungskonzept passen."

Wie geht es weiter?

Der jetzige Entwurf ist erst der Anfang eines langen Prozesses. Der nächste wichtige Schritt: Das sogenannte Bebauungsplanverfahren. Dabei muss am Ende der Gemeinderat über den Bauplan und die Entwürfe entscheiden. Davon ist abhängig, wann i+R die Baugenehmigung bekommt.

Geplant war einst, im Jahr 2021 mit dem Bau zu beginnen. Noch sind die Projektentwickler auch noch optimistisch, dass das klappt. Aber schon jetzt liegt i+R wegen der zweifachen Überarbeitung der Entwürfe nicht mehr im Zeitplan.

Und selbst dann wird es laut Deuring noch mindestens drei Jahre dauern, bis die ersten Wohnungen in dem neuen Petershauser Quartier beziehbar sind. Sechs bis sieben Jahre dauere der Gesamtbau. Dann wird sich zeigen, wie der Entwurf vom April 2019 auch mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Update: Die Stadt gab am 15. April zu dem Thema folgende Stellungnahme ab: "Die Verwaltung macht darauf aufmerksam, dass im Wettbewerb maximal 10 Geschosse vorgegeben waren. Dies wurde im letzten Gestaltungsbeirat als maximal zulässig bestätigt. Die Verwaltung sieht in Wohnhochhäusern keine sinnvolle Lösung für den Wohnungsmarkt. Hohe Bürogebäude mit Wohnanteil können an vereinzelten Standorten, wie dem Brückenkopf Nord, neben der neuen Rheinbrücke, mit maximal 50 m Höhe, seeabgewendet denkbar sein. Es ist jedoch klar, dass die Verwaltung keine Hochhäuser für die Altstadt in Betracht zieht."