Es gibt sie noch, die Geschichten über ehrliche, aufrichtige und uneigennützige Menschen. Wer am Schmutzigen Dunschtig im Trubel der Konstanzer Altstadt eine edle Tasche mit Bargeld, Autoschlüssel, Kredit- und Bankkarten findet und diese zu später Stunde mit komplettem Inhalt der Polizei übergibt, ohne dabei seinen eigenen Namen zu hinterlegen, der gehört zweifelsfrei in die beschriebene Kategorie von Menschen.

"Das ist doch der Wahnsinn. Einfach unvorstellbar", sagt Ursula Wiedemann aus Hamburg. Ihr passierte das Missgeschick mit der Handtasche. Doch der Reihe nach.

Ein gebürtiger Allensbacher auf Heimatbesuch am See

Seit vielen Jahren wohnt der gebürtige Allensbacher Joachim Wiedemann mit seiner Frau in Hamburg. Die längst erwachsenen Kinder sind ebenfalls im hohen Norden beheimatet.

"Ich habe am Humboldt Gymnasium das Abitur gemacht und bin danach zum Studium und wegen der Arbeit nach Mainz, Frankfurt und schließlich Hamburg gezogen", erzählt der 74-Jährige. Regelmäßig kommt er mit seiner Frau an den Bodensee, wohnt im Haus seiner verstorbenen Eltern und genießt die Zeit in der Region, in der er aufgewachsen ist.

Eine verlorene Tasche im Gedränge der Altstadt

"Wir wollten einfach mal wieder Fasnacht feiern", sagt Ursula Wiedemann. "Ich war früher öfter mit den Kindern zu dieser Jahreszeit hier. Das gefällt uns sehr."

Am Nachmittag des Schmutzigen also warf sich das Ehepaar mit einer Freundin ins bunte Treiben der Altstadt, sie reisten mit dem Seehas an.

"Wir kamen am Abend dann vom Stephansplatz und gingen die Salmannsweilergasse hinab", erinnert sich Ursula Wiedemann. "Ich habe in der Menschenmenge nach dem Arm meines Mannes gegriffen und dann merkte ich, dass meine Handtasche weg war." Die sofortige Suche war nicht erfolgreich, "also dachten wir, dass sie geklaut wurde".

Die Polizei macht dem Ehepaar wenig Hoffnung

Sie sprachen eine Gruppe von Polizisten auf dem Stephansplatz an, die ihnen rieten, die Karten sofort sperren zu lassen. Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der Tasche? Gleich Null.

Der sofort benachrichtigte Sohn veranlasste die Sperrung der Karten gegen 21.30 Uhr. "Unsere Feierstimmung war natürlich weg", erzählt Joachim Wiedemann. "Wir sind also mit dem Seehas zurück nach Allensbach gefahren."

Die frohe Botschaft kurz vor Mitternacht

Kurz vor Mitternacht rief der Sohn dann überraschend wieder an – und überbrachte die frohe Botschaft: Eine unbekannte Person gab den Polizisten auf dem Stephansplatz die Tasche – und mit ihr Geld, Karten und Schlüssel.

"Die Beamten haben unsere Visitenkarte in der Tasche gefunden und gleich bei uns daheim in Hamburg angerufen", so Ursula Wiedemann. "Dafür gebührt auch den Polizisten höchstes Lob, denn sie hätten die Tasche ja auch einfach beim Fundbüro abgeben können."

Ursula und Joachim Wiedemann würden sich gerne persönlich bedanken bei dem oder den Menschen, die die Tasche der Polizei übergaben.

Joachim Wiedemann: "Das ist ja wahrlich nicht selbstverständlich und ausgesprochen ehrlich. Wir möchten den Findern gerne eine Belohnung zukommen lassen." Das Ehepaar bittet den oder die Finder oder Personen, die darüber etwas wissen, sich beim SÜDKURIER zu melden: andreas.schuler@suedkurier.de