Wenn man ihm vor einem Jahr erzählt hätte, dass er es mit einem Rap bis in die Fasnachts-Livesendung des Südwestrundfunks bringen würde, hätte Yasin Amin einem den Vogel gezeigt. Das sagt er wenige Stunden, bevor die Kameras auf ihn gerichtet sein werden. Zur Fasnacht 2016 stand Yasin auf der Bühne der Spiegelhalle und lieferte einen Diss-Track ab, er es in sich hatte. Rappend beklagte er sich über betrunkene Jugendliche auf der Marktstätte, das war ziemlich weit weg von dem, was als überlieferte Fasnacht gilt. Und ziemlich weit weg davon, dass deren Akteure sich selbst und ihre Vorstellungen gern feieren. Yasin, er sich auch bei den Münsterhexen engagiert, zeigte ein anderes Gesicht der Fasnacht. Kritisch, aber doch mit viel Liebe zum und viel Sorge um das unbeschwerte Feiern.

Doch im Foyer der Spiegelhalle stand Heinz Maser im Publikum, früherer Präsident der Narrengesellschaft Niederburg und jemand, dem man nicht unrecht tut, wenn man ihn der traditionellen Fasnacht zurechnet. Heinz Maser erlebte Yasin, den Rapper, und war begeistert. Und sorgte dafür, dass er zusammen mit Michael Kaltenbach eine ganze neue Version von "Konstanzer Fasnacht" auf die Bühne bringen kann. "So cool kann Fasnacht sein", lacht Simon Schafheitle. Und ist stolz, dass die vor einem Jahr als skeptisch beäugtes Experiment gestartete Hall of Fame so ein Ergebnis hat.

Hall of Fame, erklärt Celine Brauch vom Jungen Theater Konstanz, das ist ein Format mit offener Bühne. Wer kreativ etwas auf die Beine gestellt hat und es mit anderen teilen will, kann sich bei dem Angebot des Theaters auf der Bühne erproben. Vor einem "super respektvollen Publikum", wie Lea Bosch vom Konstanzer Schülerparlament betont. Wer in die Spiegelhalle kommt, ist offen für Neues und lässt sich gerne überraschen. Das ist auch die Leitlinie für kommenden Montag. Am 20. Februar um 19 Uhr gibt es zum zweiten Mal die Fasnachts-Edition der Hall of Fame.

Das Programm ist nicht fix, und das ist so gewollt, betont Celine Brauch. Ein paar Akteure haben sich bereits angemeldet – unter ihnen Christian Eismann, im vergangenen Jahr noch spontan auf die Bühne gegangen war. Christoph Fischer tritt mit seiner Band No Beat auf, Miriam Birrenbach setzt sich ans Klavier, Shayan Hekman will Stand-up-Poetry machen. Der Bezug zur Fasnacht ist mehr oder weniger direkt, die Hall of Fame soll keine zu engen Grenzen ziehen, sagen die Organisatoren. Wichtig ist vor allem: die Lust am Experiment.

Wer spontan noch eine Nummer aufführen will, meldet sich am Montagabend direkt beim Hall of Fame-Team, am Ende wird das Programm etwa eine oder eineinhalb Stunden lang sein. Und bunt, versprechen Simon Schafheitle und Celina Bosch. "Wir wollen das ganze Thema Saalfasnacht ein bisschen abstauben", erklärt Schafheitle und hofft auf einen "schleichenden Prozess", der sich im Laufe der kommenden Jahre in die Bunten Abende überall fortsetzt. Denn der Generationenwechsel sei eine Herausforderung, der sich alle Narrenvereinigungen stellen müssten.

Wer einen Blick in diese Zukunft werfen will, macht sich in der Spiegelhalle am Montag am besten selbst ein Bild. "Das Publikum war letztes Jahr bunt gemischt", sagt Simon Schafheitle. Mitschüler waren da, Studenten, Eltern und Leute, die einfach neugierig darauf waren, was sich hinter dem Motto "Schunkeln war gestern – heute zeigt Ihr uns, wie Fasnacht geht!" verbirgt. Erlaubt ist "alles, was nicht gegen das Grundgesetz verstößt", sagen die Organisatoren. Schafheitle hat nur zwei Sätze verboten, die so oft zu hören sind, wenn ein Programm für einen Bunten Abend aufgestellt wird. Der eine lautet: Das ist nicht lustig. Und der andere: Das kann man so nicht auf die Bühne bringen.

Hall of Fame

Die Hall of Fame ist eine Veranstaltungsreihe des Jungen Theaters, bei der junge Talente auf der Bühne auftreten können. Am Montag, 20. Februar, gibt es ein Fasnachts-Spezial für Akteure zwischen 14 und 25. Beginn ist um 19 Uhr im Foyer der Spiegelhalle, Einlass ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene fünf Euro. Nach dem Programm steigt noch eine Party. (rau)