Konstanz SÜDKURIER-Leser bei den Proben zu Wilhelm Tell: "Die hat ja alles im Griff hier"

Regisseurin Johanna Wehner beeindruckt im Schatten des Konstanzer Münsters alle. Am Freitag beginnt das Spektakel auf dem Münsterplatz.

Johanna Wehner bezeichnet das, was jetzt gleich kommen sollte, ein organisiertes Chaos. "Heute werden Sie Zeugen der letzten noch ungeprobten Szenen", erzählt die Regisseurin den 16 Gewinnern des SÜDKURIER-Gewinnspiels, die am vergangenen Freitagabend im Schatten des Münsters die Proben zwei der bekanntesten Sequenzen des Freilichtspektakels Wilhelm Tell miterleben durften. Rund 40 Komparsen und die an diesem Abend benötigen Schauspieler, rund 20 an der Zahl, waren ebenfalls anwesend. Johanna Wehner spricht von der "Hohlen-Gasse-Szene" sowie der "Apfel-Szene". Ab Montag laufen die Schlussproben, da müssen alle Profis und alle Amateure jeden Abend da sein, bevor es am Freitag ernst wird.

Die Regisseurin kennt jeden einzelnen mit Vornamen. Das gehört zu ihrem Job. Es muss schnell und klar kommuniziert werden. Sie ist die Chefin im Ring. Jeder tanzt nach ihrer Pfeife. Auch, weil sie ihre Ideen, Forderungen oder Ratschläge schlüssig und verständlich erklärt. Sie hat aber auch direkte, kecke Sprüche drauf. "Keine Angst vor Ralf, der beißt nur selten", ruft sie einer Gruppe von Laienschauspielerinnen zu, die nur allzu schüchtern Ralf Beckord alias Landvogt Gessler antanzen wollen. "Denkt an Pyranhas. Die jagen doch auch immer im Schwarm und gehen voll drauf." Das Drehbuch sieht eine deutlich intimere Annährung vor. Beim zweiten Versuch klappt es deutlich besser. Zwei-, dreimal scheint ihr ein wenig der Kragen zu platzen, als der eine oder andere Schauspieler seinen Einsatz verpasst, um nicht zu sagen: verpennt. "Zu spät, zu spät", ruft sie laut. "Von vorne. Ich brauche Halstabletten. Und das jetzt schon."

Die SÜDKURIER-Gewinner sitzen auf der Tribüne und verfolgen gebannt das Geschehen. Die vier Stunden vergehen wie im Flug. "Das ist wirklich sehr, sehr interessant", sagt Rita von zur Mühlen. "Ich hätte mir das anders vorgestellt und gedacht, dass so eine Szene schneller geprobt wird. Toll finde ich, dass man so viele Schauspieler kennt." Christine Plischke ist ebenfalls zum ersten Mal bei einer solchen Probe, obwohl ihr Mann schon seit zehn Jahren als Laie beim Konstanzer Stadttheater spielt. "Die vielen Wiederholungen der Szenen und die große Disziplin der Schauspieler – das ist sehr beeindruckend." Ihr Mann Jochen Plischke spricht Regisseurin Johanna Wehner seine Hochachtung aus: "Ihre Intuition und ihre Inspiration während der Proben überraschen mich immer wieder. Sie ist fantastisch, ein absoluter Profi." Die Komparsen erhalten für die rund dreimonatigen Proben 200 Euro, für einen Spielabend gibt's den Mindestlohn, also rund 22 Euro für die zweineinhalb Stunden. "Unsere Laien haben im Gegensatz zu uns ja auch noch ein anderes Leben", sagt Johanna Wehner lachend.

 
 

Susanne Heuer kam mit ihrem Sohn zu den Proben. Sie sagt: "Die Regisseurin ist ja Feuer und Flamme, die hat alles im Griff hier. Es war spannend zu beobachten, wie Theater hinter den Kulissen abläuft." Anja Uhl war ebenfalls mit ihrem Sohn da. "Faszinierend, wie die Szenen zusammengebaut werden und hinerher ein Ganzes dabei herauskommt. Toll, dass man so etwas als SÜDKURIER-Leser miterleben durfte." Am Freitag beginnt das rund einmonatige Spektakel auf dem Münsterplatz. Vor nichts fürchten sich die Macher mehr als vor Starkregen und Unwetter.

Dramaturg Thomas Regensburger, was für ein passender Name, erklärt, was im Falle eines Falles passiert: "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als dann abzubrechen. Bei unserer Größe haben wir gar keine andere Möglichkeit." Johanna Wehner: "Wenn es beispielsweise so herunterlässt wie am vergangenen Donnerstag, dann folgt der Abbruch." Regen kann selbst sie nicht verhindern.
 

Wilhelm Tell

Am Freitag ist die erste Aufführung von Wilhelm Tell auf dem Münsterplatz, letztmals ist das Stück am 27. Juli zu sehen. Die Zuschauertribüne ist nicht überdacht. Die Zuschauer werden gebeten, angemessene Kleidung mitzubringen. Es wird bei fast jedem Wetter gespielt, kurzfristige wetterbedingte Absagen sind möglich.

 

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