"Wir sind mit nahezu jeder Einrichtung in Konstanz im täglichen Austausch", erklärt Helmut Eckert, Leiter des Amtes. Zudem registriert er eine rasche Ausbreitung der echten Grippe. In der zweiten Januarwoche nimmt die Anzahl der Fälle im Vergleich zu Vorjahren einen Spitzenplatz ein.

Jährlicher Anstieg

Es ist wie fast jedes Jahr im Januar: Die Zahl der Menschen, die sich mit Viren ansteckt und die dann auch verbreitet, steigt stetig. Spätestens zur Fasnacht erreicht sie ihren Höhepunkt. "Wir hier unten im Süden feiern Fasnacht im Gegensatz zu den Menschen im Norden näher zusammen. Man trifft sich, man ist eng beieinander", sagt Gesundheitsamtsleiter Helmut Eckert, "dadurch verbreiten sich die Viren gerade zu dieser Zeit sehr schnell."

81 gemeldete Fälle

Doch nicht erst im Februar haben Noro- und Grippe-Virus Hochkonjunktur in und um Konstanz. Bereits jetzt ist eine Verbreitung zu beobachten. In Konstanz besteht aktuell die Problematik des Norovirus', mit Brechdurchfall als Folge – ohne, dass die Fachleute von einer sich anbahnenden Epidemie sprechen würden. 43 Fälle sind kreisweit in Pflegeheimen bekannt, 38 in Einrichtungen des Betreuten Wohnens – die überwiegende Teil der Registrierungen betreffe Konstanz. "Wobei wir sagen müssen, dass das nur die Spitze des Eisberges ist. In den meisten Fällen handelt es sich um klinische Befunde, nicht um Labornachweise.

" Entweder sei das Gesundheitsamt telefonisch oder aber mit Besuchen vor Ort. In einem Heim für Senioren, der Rosenau, sind derzeit mehrere Bewohner unter Quarantäne gestellt – das ist als Vorsichtsmaßnahme nicht außergewöhnlich. Die Mitarbeiter und Bewohner gehen damit gelassen um. "Das ist natürlich gut und schön", sagt Helmut Eckert. "Schöner wäre es natürlich, und das ist auch unser Ziel, dass solche Maßnahmen gar nicht erst ergriffen werden müssen." Der Direktor der Rosenau, Herbert Schlecht, sagte gegenüber dem SÜDKURIER: "Wenn wir einen Fall von Norovirus haben, dann sollen die betroffenen Personen ihre Zimmer für 48 Stunden nicht verlassen." Die Anzahl der Fälle sei bereits zurückgegangen. Als weitere Vorbeugung seien Veranstaltungen mit viel Publikum abgesagt worden, etwa der Neujahrsempfang.

Nicht alle Heime sind betroffen

An Konstanzer Kindertagesstätten grassierte der Norovirus vor Weihnachten. Die Lage sei derzeit ruhig, erklärt der städtische Pressesprecher Walter Rügert. Die Bewohner der Caritas-Pflegeheime sind verschont geblieben. "Aufgrund sehr guter Präventionsarbeit im Bereich der Hygiene haben wir derzeit keine entsprechenden Fälle im St. Marienhaus und im Haus Don Bosco. Selbstverständlich ist kein Haus davor gefeit, jederzeit vom Norovirus oder Grippefällen betroffen zu sein", erklärt Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der Caritas-Altenhilfe für die Region Konstanz. Wo viel Publikumsverkehr ist und wo Bewohner von Wohnanlagen diese auch verlassen, besteht größere Gefahr einer Ansteckung. Um es nochmals festzuhalten: Wie das Gesundheitsamt mitteilte, hat der Brechdurchfall in Seniorenwohneinrichtungen zwar um sich gegriffen, es sind aber längst nicht alle Häuser in Konstanz davon betroffen. Dazu zählen auch Heime der Spitalstiftung sowie das Haus ChrisTina, die sich als frei von der Viruserkrankung bezeichnen. 

Vergleiche zu Vorjahren

Bezüglich Grippe würden die Bewohner jedes Jahr an die entsprechende Impfung erinnert, sagt Rosenau-Direktor Herbert Schlecht, und: "Aber wir können ja niemanden zwingen. Doch wir können bisher sagen, dass wir davon verschont geblieben sind". Helmut Eckert hat für die zweite Januarwoche bereits 13 gemeldete Grippefälle in seiner Statistik stehen, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 17 – in den fünf Jahren zuvor allerdings lediglich zwischen keiner und fünf Erkrankungen. Die echte Grippe breite sich aber erst aus, ist Helmut Eckert überzeugt. "Im Landkreis Konstanz haben in den vergangenen Wochen die Grippefälle deutlich zugenommen. Dies entspricht dem landesweiten Trend. Seit Jahresbeginn wurden dem Amt für Gesundheit und Versorgung 17 Fälle gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 32 Fälle. Gemeldet werden dem Gesundheitsamt jedoch nur die Fälle, die durch eine Laboruntersuchung bestätigt wurden. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten ist also wesentlich höher", bestätigt Benedikt Graf, Sprecher des Landratsamtes.

Gesundheitsamt spricht Warnung aus

Das Gesundheitsamt warnt: "Die Monate Januar und Februar sind erfahrungsgemäß besonders betroffen. Grippewellen kursieren in der Regel über etwa acht bis zehn Wochen. Die für Grippe typische Beschwerdesymptomatik beginnt plötzlich, zumeist mit Fieber, trockenem Reizhusten, Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Weitere Symptome können allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche, aber auch Übelkeit/Erbrechen und Durchfall sein. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen, kann aber in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren auch deutlich länger sein." Personen mit Vorerkrankungen sollten zeitnah zum Arzt.
 

Schutz vor Ansteckung

Die beste Vorbeugung vor dem Norovirus ist, sich gründlich die Hände zu waschen. Viren werden über Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden und sind hoch ansteckend. Zu den Personen, denen die Ständige Impfkommission dringlich eine Grippe-Impfung empfiehlt, gehören Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit schwachem Immunsystem. Ansonsten gilt: In Armbeugen niesen und husten, und auch hier gilt für Gesunde: häufig Hände waschen.