1. Der Verkehr fließt besser, wurde aber nicht weniger

Nach Angaben des städtischen Verkehrsamts sind die Staus auf dem Altstadtring in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die Stadt führt das unter anderem auf die Arbeit der Verkehrskadetten zurück, die den Verkehr lenken und Autos nur dosiert in die Innenstadt einfahren lassen.

So kommt zwar weniger Verkehr in der Altstadt an – dennoch wollen nicht weniger in die Stadt: "Die ins Stadtgebiet einfahrenden Ströme sind nicht weniger geworden", so der städtische Pressesprecher Walter Rügert. Im Gegenteil: Der Spitzentag 2017 lag mit 22.200 Autos, die die drei Grenzübergänge passierten, über dem von 2015 (21.700 Autos).

Beide Spitzentage aus den Vergleichsjahren lagen in der Adventszeit. Die Stadt ergänzt aber: An Normaltagen war der Zustrom aus der Schweiz geringer als in den Vorjahren.

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Während es 2016 nach Angaben der Stadt den totalen Stillstand auf dem Altstadtring noch an circa sechs Tagen gab, waren es im Jahr 2017 nur noch drei Tage und dieses Jahr bislang nur ein Tag.

Die städtische Projektgruppe "Verkehrsmanagement an Spitzentagen" legt im Jahr 20 bis 22 Spitzentage fest, an denen die Verkehrskadetten eingesetzt werden. "Wetterbedingt kann es aber vorkommen, dass es weitere Spitzentage gibt, an denen kein Einsatz von Verkehrskadetten vorgesehen ist und es dann zu Problemen kommen kann", so Rügert.

2. Es werden weniger Ausfuhrscheine abgestempelt

Im Jahr 2017 wurden an den Konstanzer Zolldienststellen rund 15 Prozent weniger Ausfuhrscheine abgestempelt als im Rekordjahr 2015. Da ist aber weiter ein hohes Niveau. Zum Vergleich: 2011 gab es 2,66 Millionen abgestempelte Ausfuhrscheine in Konstanz. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Zum einen bricht sich irgendwann jede Welle. Zum anderen war mit dieser Entwicklung aufgrund des Wechselkurses und der sinkenden Preise in der Schweiz zu rechnen, erklärt Christian Wulf, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee.

Wird der Euro für die Schweizer teurer, lohnt sich der Einkauf in Konstanz teils weniger. Wirtschaftswissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass dieser Effekt erst ab einem Wechselkurs zwischen 1,30 und 1,40 Franken für einen Euro spürbar zum Tragen kommt. Aktuell steht der Euro-Franken-Kurs bei etwa 1,13.

3. Der Handel meldet Umsatzrückgänge

"Die Lage ist gut, aber die Erwartungen sinken." Mit dieser Aussage fasste die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee zuletzt die Ergebnisse der jüngsten Konjunktur­umfrage unter den IHK-Mitgliedsunternehmen zusammen.

42 Prozent der befragten Händler berichten von gegenüber dem Vorjahresquartal gesunkenen Umsätzen. Auch Treffpunkt-Vorstand Christian Ulmer berichtet, dass kleinere Geschäfte die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren mussten. Die Personalkosten seien in Konstanz hoch, "denn die Mitarbeiter müssen sich das Leben hier auch leisten können", so Ulmer.

Eine Sorge der Händler sei die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt, die zunehmend Kunden aus der Schweiz abschrecke. "Wenn wir das Thema Erreichbarkeit nicht in den Griff bekommen, wird uns der Bau des ECE in Singen schwächen", so Ulmer.

Auf die aktuelle Situation angesprochen, beklagen sich zwar viele Geschäftsinhaber in der Innenstadt, dass es weniger Schweizer Kunden gebe – mit ihrem Namen oder dem ihres Geschäfts wollen sie aber nicht in der Zeitung stehen. Auch dort ist der Tenor: Die alternativen Verkehrsangebote wie der Wasserbus seien noch zu schlecht, der Park and Ride-Platz am Bodenseeforum zu unattraktiv.

Aber auch die großen Häuser wie Karstadt scheinen Probleme zu haben – zumindest sehen die Verkaufsräume etwa bei Karstadt deutlich leerer aus als in den vergangenen Jahren. Filialgeschäftsführer Thomas Adams antwortet auf die Anfrage, ob weniger Kunden aus der Schweiz kommen und die städtischen ÖPNV-Angebote gut genug sind, nur knapp: "Ich kann Ihnen zu den Fragen leider keine Auskunft geben."

Das Lago-Einkaufszentrum bleibt dagegen offenbar auf Erfolgskurs. 2017 gab es mit 10,2 Millionen Besuchern sogar mehr Einkäufer als 2016 (10,1 Millionen). Nach wie vor sind nach Angaben des Managements 40 Prozent Schweizer unter den Lago-Besuchern. 100 neue Arbeitsplätze in den Geschäften, im Management und im Hausdienst sind außerdem vergangenes Jahr dazugekommen.

4. Eine "Grüne-Zettel-App" soll es im Jahr 2020 geben

Allein im Hauptzollamt Singen wurden im Jahr 2017 39 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die grünen Ausfuhrscheine von Schweizer Kunden abzustempeln und Staus an der Grenze zu verkürzen. Ab 2020 soll dieser Vorgang elektrisch und damit zeitsparender erfolgen.

Hierfür seien die Vorbereitungen getroffen, teilte die IHK Hochrhein-Bodensee kürzlich mit. Mit einer App soll die Abfertigung der Grünen Zettel so moderner und anwenderfreundlicher erfolgen. „Die Einführung im Jahr 2020 scheint möglich“, informiert die IHK. Sollte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Freigabe erteilen, könnte die App-Anwendung im kommenden Jahr in einer Pilotphase starten.