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Doch gerade in Städten wie Konstanz gibt es ein Problem auf den letzten Metern: Die Transporter der großen Lieferdienste kommen schlecht durch enge Straßen und Gassen, beim Wenden wird es für Fußgänger gefährlich und die Umweltbelastung steigt.

Und auch für die Lieferdienste gilt der letzte Abschnitt bis zur Paketübergabe an den Kunden als besonders zeitintensiv und teuer. „Auf der letzten Meile entstehen 50 Prozent der Kosten bei der Paketlieferung“, sagt Logistik-Experte Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences.

Die Lösung dieses Problems klingt zunächst einfach.

Die Lieferungen müssten so gut es geht gebündelt und auf der letzten Meile nachhaltig ausgeliefert werden. Sprich: Es braucht eine Zwischenstation, wo sich die Pakete zunächst sammeln und anschließend mit dem Lasten-Fahrrad oder zu Fuß ausliefern lassen.

Der Konstanzer Fahrradkurier Fakt beispielsweise hat seit mehreren Monaten einen Auftrag des Lieferdienstes UPS, dessen Pakete im Paradies und in Petershausen-West zuzustellen. Etwa 100 Pakete täglich liefert Fakt für UPS aus, wie hier der Fahrradkurier Adrian Backes.

Unterdessen hat auch der Lieferdienst DPD bereits bei der Stadt angefragt, einen Paket-Container auf den Wohnmobilparkplätzen am Döbele aufzustellen, um die Lieferungen von dort weiter zu verteilen.

Der Paketdienst GLS hat eigene Elektro-Lastenräder für die Verteilung. Ein Transporter aus Donaueschingen bringt jeden Morgen einen Anhänger nach Konstanz. Er dient als Mikro-Depot, über den die Fahrradbox wiederholt beladen werden kann. Dadurch lassen sich täglich circa 120 Empfänger mit dem Rad beliefern – und so eine komplette Zustelltour mit einem dieselbetriebenen Fahrzeug ersetzen.

Diese Beispiele zeigen, wo das Problem komplexer wird.

Die einzelnen Lieferdienste versuchen also, jeweils eigene Lösungen für die letzte Meile zu finden. Wirklich effizient wäre das Konzept jedoch, wenn es von allen Kleinpaket-Dienstleistern gemeinsam genutzt werden könnte. Doch die geben die endgültige Zustellung nur ungern aus der Hand – schließlich haften sie auch für das Versprechen, beispielsweise innerhalb von 24 Stunden zu liefern.

Auch die DKZDL, ein Logistik-Tochterunternehmen des SÜDKURIER, bringt sich als übergreifender Anbieter für die letzte Meile ins Gespräch. Der Standort des Medienhauses am Stadteingang könnte als Verteilpunkt dienen. Bereits heute hat die DKZDL vier Lasten-E-Bikes im Einsatz, die jeweils 100 Kilogramm transportieren können, in Kürze sollen zwei weitere dazukommen.

Bild: DKZDL

Das Unternehmen habe sich im Februar bereits an die Stadt Konstanz gewandt, um die Einsatzmöglichkeiten seiner Radkuriere auch über das Verteilen von Paketen hinaus zu diskutieren, sagt DKZDL-Geschäftsführer Thomas Kluzik.

Doch Großanbieter wie DHL, die ebenfalls eigene Fahrradkuriere hat, sind zögerlich, was die Vergabe an fremde Kuriere angeht.

Bild: Lichtgut/Achim Zweygarth

Grundsätzlich sei die Zustellung der Sendungen durch einen Radkurier denkbar, solange gewährleistet sei, dass die Zustellung zuverlässig und regelmäßig erfolgt und zu einem akzeptablen Preis, erklärt Hugo Gimber, Pressesprecher der Deutschen Post und DHL Group.

Hinzu kommen technische Herausforderungen, wie Matthias Stocker von der DKZDL erklärt – denn Paketdienste bieten ihren Kunden beispielsweise die digitale Nachverfolgung ihrer Sendungen in Echtzeit an; diese Informationskette müsste der Radkurier zwischen Verteilzentrum und Auslieferung beim Kunden weiterführen, die Dritt-Anbieter also entsprechend nachrüsten.

Könnte die Stadt als Paketzusteller einspringen? Die SPD ist dafür, die Verwaltung ist skeptisch

Die SPD Konstanz hat dazu eine Idee: Ein Logistik-Konzept in kommunaler Trägerschaft. Demnach könnte die Stadt als neutraler Akteur mit unterschiedlichen Dienstleistern Verträge schließen und auf öffentlichen Plätzen Mikrodepots aufstellen.

Die Stadtverwaltung sieht diese Idee allerdings kritisch. "Worauf soll das hinauslaufen? Dass die Kommunen die letzte Meile finanzieren und zum Beispiel Elektro-Scooter zur Verfügung stellen?", entgegnete der städtische Verkehrsplaner Stephan Fischer in der jüngsten Sitzung des Technischen und Umweltausschusses.

Zudem sei es eine rechtliche Frage, ob es eine kommunale Trägerschaft zulässig ist. Sprich: Darf die Stadt überhaupt als Paketzulieferer auftreten? Zudem könne kein Paketdienstleister verpflichtet werden, einen Vertrag mit der Stadt abzuschließen. "Die Privatisierung der Post ist gewollt gewesen, deshalb gibt es jetzt so viele Auslieferer", ergänzte Fischer noch.

Ein mögliches Konzept will die Stadt nun dennoch prüfen und dem Gemeinderat vorlegen. Vor der Kommunalwahl am 26. Mai wird das aber nichts mehr, versicherte Fischer. Das Paket-Problem könnte also eine der ersten Aufgaben der neuen Stadträte sein.