Ende November 2018 wurden auf einer umzäunten Weide bei Berg im Thurgau, zwischen Weinfelden und Münsterlingen, acht gerissene und verletzte Schafe aufgefunden. Der Bauer verständigte daraufhin das zuständige Forstrevier Mittelthurgau.

"Es war relativ schnell klar, dass es nicht der Fuchs gewesen sein konnte", sagt Förster Hansruedi Gubler, der für die Geimeinden Kemmental, Berg, Weinfelden und Märstetten zuständig ist. Die Analyse der Rissbilder deutete auf ein größeres Raubtier hin und legte die Vermutung nahe, dass es sich um einen Wolf handeln könnte. Die Resultate von genetischen Untersuchungen bestätigen nun, dass definitiv ein Wolf die Schafe gerissen hat. "Eventuell waren es sogar zwei", so Hansruedi Gubler.

DNA-Proben lassen keinen Zweifel zu: Es war ein Wolf aus Italien

Das Laboratoire de Biologie de la Conservation der Universität Lausanne analysierte Speichelproben, die der Verursacher an den gerissenen Schafen hinterließ. "Die gefundene DNA kann eindeutig einem Wolf italienischer Abstammung zugeordnet werden", sagt Roman Kistler, Amtsleiter der Jagd- und Fischereiverwaltung in Frauenfeld.

Er geht jedoch nicht davon aus, dass der Wolf noch im Thurgau unterwegs ist. "Wenn er noch in der unmittelbaren Region wäre, gäbe es Hinweise in Form von weiteren gerissenen Wildtieren oder Schafen", erklärt er. "Es kann gut sein, dass er nach Bayern oder nach Baden Württemberg weiter gezogen ist."

Konstanz und selbst der Bodanrück sind kein geeignetes Territorium für Wölfe

Roman Kistler geht davon aus, dass betroffene Wolf auf Wanderschaft ist. "Ich denke, dass er auf der Suche nach seinem eigenen Revier ist." Männliche Jungtiere müssen ihr angestammtes Rudel irgendwann verlassen und wandern ab, "und wenn sie ein geeignetes Territorium gefunden haben, gründen sie womöglich ihr eigenes Rudel", so Roman Kistler.

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Der Thurgau, aber auch die Region Bodenrück seien jedoch nicht geeignet dafür, "denn hier ist es zu laut und es existieren keine ausreichend großen Rückzugsmöglichketen". Ganz aktuell werden weitere DNA-Analysen durchgeführt. Deren Ergebnisse sollen zeigen, ob es sich um einen Wolf handelt, der bereits andernorts in der Schweiz nachgewiesen wurde – oder ob es sich um um ein bisher unbekanntes Tier handelt. Im Dezember 2018 wurden in verschiedenen Gebieten im Kanton St. Gallen, unter anderem in Muolen, Schafe von einem Wolf gerissen. Es ist nicht auszuschließen, dass dies der selbe Wolf war.

Was Landwirte, der Nabu und das Landratsamt zum Wolf sagen

Der Wolf ist nach über 200 Jahren Abwesenheit innerhalb von 18 Monaten zum zweiten Mal in sein ehemaliges Verbreitungsgebiet im Kanton Thurgau zurückgekehrt. Dies belegt, dass auch im Kanton Thurgau wieder jederzeit mit dem Auftreten von Wölfen gerechnet werden muss. Dementsprechend müssen Landwirte und Tierbesitzer über Schutzmaßnahmen für Kleintiere, insbesondere für Schafe und Ziegen, nachdenken.