Manchmal ist der Beruf von Raul Depner eine schweißtreibende Angelegenheit. Dann steht er in einem besonders aufgeheizten Operationssaal und hantiert mit haarfeinen Instrumenten.

Der 47-jährige neue Arzt am Konstanzer Klinikum ist spezialisiert auf operative Eingriffe bei Babys, Kleinkindern und Kindern. Je kleiner das Wesen, desto größer seien die Unterschiede bei einer Operation im Vergleich zu einem Erwachsenen, sagt der Kinderchirurg.

Bloß kein Blut und keine Wärme verlieren

Es gelten ganz andere Gesetze, wenn ein Baby oder Kleinkind auf dem OP-Tisch liegt. Ein Baby müsse beispielsweise vor dem Verlust von Wärme besonders geschützt werden, und es dürfe kaum Blut verlieren. Schon der Verlust von einer Tasse Blut könnte einem Baby das Leben kosten.

Auch bei den Narkosen dürften nur bestimmte Mittel in besonderen Dosen eingesetzt werden. Das Konstanzer Klinikum hatte für Eingriffe im Bereich Hals, Nase, Ohren schon drei ausgewiesene Anästhesisten, die auf Kinder spezialisiert waren. Nun kommt der auf Kinder spezialisierte Operateur hinzu.

Wenn ein kleiner Schnitt ein Leben retten kann

Dieser kann sich beispielsweise auch Krankheiten und Fehlbildungen annehmen, die überhaupt nur im Kindesalter vorkommen, etwa der Verengung am Magenausgang durch eine verdickte Muskulatur. Sie verhindert, dass die Nahrung in den Zwölffingerdarm geleitet wird. Das Kind muss das Essen deshalb immer wieder erbrechen. Es bleibt unterernährt und droht auszutrocknen.

Peter Gessler, Chefarzt der Konstanzer Kinderklinik, der neue Kinderchirurg Raul Depner und Jörg Glatzle, Chefarzt der Konstanzer Allgemeinchirurgie (von links).
Peter Gessler, Chefarzt der Konstanzer Kinderklinik, der neue Kinderchirurg Raul Depner und Jörg Glatzle, Chefarzt der Konstanzer Allgemeinchirurgie (von links). | Bild: Andrea Jagode

Ein Entlastungsschnitt kann ihm das Leben retten, wie dies kürzlich erst am Konstanzer Klinikum geschehen sei, wie Jörg Glatzle betont, Leiter der Abteilung für Chirurgie. Ein Neugeborenes aus Zürich habe dieses Problem gehabt, vor Ort sei dies aber nicht erkannt worden, erst am Konstanzer Klinikum.

Wie geht man mit Kindern als Patienten um?

Es sei stets eine große Herausforderung, bei Kindern eine Diagnose zu stellen, sagt Raul Depner. Selbst ein Kind, das schon reden könne, sage nichts, solange es Angst habe. Auch die Eltern seien meist sehr aufgeregt. Es gelte, erst einmal, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Der Ultraschall gehört für den Kinderchirurgen zu den wichtigen Hilfen bei der Untersuchung.

Der kleine Patient werde wegen der Strahlenbelastung in der Regel nicht geröntgt oder zur Computertomografie geschickt. Bei Kindern, die in der Regel noch keine so dicke Fettschicht haben, sei mit Ultraschall viel mehr zu sehen als bei Erwachsenen. Und dann gebe es noch kleine Hilfsmittel, die Untersuchungen an Kindern erleichterten.

Kinderchirurgen behandeln den gesamten Körper – ein Spezialfall

Der 47-Jährige sagt, er habe die Kinderchirurgie wegen ihrer handwerklichen Herausforderungen und Vielfalt liebgewonnen. Es sei die einzige chirurgische Disziplin, die den gesamten Körper abdecke. Im Erwachsenenbereich spezialisieren sich die Chirurgen beispielsweise auf den Brust- oder Bauchraum.

Die Versorgung eines Kindes bei der Operation aber sei, unabhängig davon, an welchem Körperteil operiert wird, ein Spezialfall für sich.

Für die eigene Familie: Von Uganda zurück nach Deutschland

Raul Depner hat schon unter Bedingungen operiert, die keinen europäischen Normen entsprachen. Fünf Jahre lang war er für eine christliche Organisation in einem Krankenhaus in Uganda. Dort habe es maximal sieben Ärzte für 250 Patienten gegeben. „Ich wollte mal dahin, wo wirklich Not am Mann ist.“

In Uganda habe er ein ganz neues Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen entwickelt. „Man kann mit wenigen Mitteln viel Gutes bewegen.“ Seine Frau und seine drei Kinder hatten ihn nach Afrika begleitet. Wegen der Schulbildung der Kinder sei er nach Deutschland zurückgekehrt.

„Ich wollte meinen Traum nicht auf dem Rücken der Kinder leben.“

Das neue Angebot am Klinikum Konstanz

Das Klinikum Konstanz konnte bisher nur einen Teil der Operationen an Kindern abdecken. Eltern mussten für besondere Eingriffe nach Singen, Tübingen oder Ludwigshafen zu spezialisierten Ärzten. Mit dem Allgemein- und Kinderchirurgen Raul Depner erweitert das Konstanzer Haus seine Angebote bei Operationen an Babys, Kleinkindern und Kindern. So biete das Haus Einheimischen kurzen Wege. Für Eltern, die möglicherweise auch noch Geschwisterkinder versorgen müssen, sei dies wichtig, betont Jörg Glatzle, Leiter der Abteilung Chirurgie.