Meilenstein um Meilenstein. Das Stadtbild ist dabei, sich zu verändern. In fünf Jahren könnten die Bauarbeiten am Hafner beginnen. 2500 Wohnungen auf 60 Hektar Fläche, neue Straßen, ein neuer Kindergarten, ein Quartierszentrum, vielleicht sogar eine Schule. Mit zwei weiteren Großbauprojekten hat sich der Gemeinderat in der vergangenen Sitzung beschäftigt. Das Vincentius-Areal ist verkauft, der neue Schottenplatz entworfen, die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans nach Beschluss eingeleitet. 110 neue Wohnung und 165 Parkplätze sind an der Unteren Laube zwischen Paradies und Altstadt geplant.

Ferner haben die Stadträte den Weg für den Verkauf des Siemens-Areals freigemacht. Der Gemeinderat beschloss, die Stadtverwaltung zu ermächtigen, auf das Vorkaufsrecht zu verzichten. Die i+R Dietrich Wohnbau GmbH kauft das Gelände an der Bücklestraße für 28,6 Millionen Euro von der Valad-Gruppe. Mehrere Hundert Wohnungen könnten laut Alexander Stuchly, Geschäftsführer der i+R Dietrich Wohnbau GmbH, auf dem Anwesen entstehen. Die Stadt hatte einst selbst um das Areal mitgeboten, aber wegen der unterschiedlichen Preisvorstellungen zurückgezogen. Die jetzige Verkaufssumme liegt deutlich über dem von Gutachtern errechneten Verkehrswert von 24 Millionen Euro.

"Es ist ein wunderbar großes Areal, das uns die Möglichkeit bietet, die verschiedensten Wohntypen zu realisieren", sagte Anne Mühlhäußer (FGL). Roger Tscheulin (CDU) erklärte, es sei zu früh, um über Einzelheiten zu reden, aber die Zielvorstellungen seien niedergelegt. "Für uns ist klar, dass wir einen ganz besonderen Schwerpunkt auf den Wohnungsbau legen müssen." Stadtrat Jürgen Ruff (SPD) mahnte: "Wir machen die politischen Vorgaben und dabei müssen wir aufpassen, dass Fehler wie sie am Petershauser Bahnhof passiert sind – gerade hinsichtlich der Freiflächen – nicht wieder passieren." Um mehr Tempo bei der Entwicklung das Areals bat Jürgen Faden (FWK): "Bis Ende 2019 haben wir noch nicht einen Stein bewegt." Johannes Kumm (SPD) stimmte zu: "Wir haben heute Wohnungsnot und müssen heute der Wohnungsnot begegnen und alles dransetzen, um die Zeitschiene mindestens um ein Jahr herunterzufahren."

In einem Letter of Intent, einer Absichtserklärung, verpflichtet sich der Käufer, das Areal auf Basis des Handlungsprogramms Wohnen zu entwickeln, obwohl die Fläche noch nicht im Handlungsprogramm verankert ist. Dennoch ist die Sorge um den sozialen Wohnungsbau bei den Stadträten weiterhin groß. 20 Prozent geförderte Wohnungen und zehn Prozent im preisgedämpften Bereich sind vielen nicht genug. Die FGL beantragte, den preisgedämpften Wohnungsbau um zehn Prozent zu erhöhen, ähnlich argumentierte auch die Linke Liste. Bürgermeister Karl Langesteiner-Schönborn sagte, 2014 habe der Gemeinderat diese Ziele mehrheitlich beschlossen, auf dieser Basis arbeite die Verwaltung. "Wir können nicht jedes Mal, wenn wir ein Bauvorhaben haben, einen neuen Beschluss machen." Jan Welsch (SPD) konterte: "Wenn wir noch keine Verhandlungen haben und noch keine Verträge abgeschlossen haben, dann muss es möglich sein, auch über die Segmentierung noch einmal zu reden."

Bereits im Technischen und Umweltausschuss führten die Stadträte die Diskussion im Rahmen der Bebauung des Schottenplatzes. Auch in diesem Fall gelten die beschlossenen Zahlen. "Wir sind im sozialen Wohnungsbau richtig gut, Konstanz ist ganz vorne dabei in Baden-Württemberg", sagte OB Uli Burchardt und versicherte, dass die Stadtverwaltung die Segmentierung in diesem Jahr noch einmal überprüfen lässt. Langensteiner-Schönborn versuchte zu beschwichtigen: "Die Projekte rennen uns nicht davon, die Zeit ist noch, bis der Hafner entwickelt ist." Sicher ist, in den kommenden Jahren sind Tausende Wohnungen geplant, die das Stadtbild maßgeblich verändern. Konstanz ist dabei, sich zu wandeln.


Wie geht es weiter?

  • Schottenplatz: Der Rückbau am Schottenplatz soll 2018 beginnen, dann folgt der Hochbau. Geplant sind 110 Wohnungen: von der 2-Zimmer-Wohnung über die Maisonette bis zur Mehrgenerationenwohnung. Die Bürger sollen demnächst in die Planungen mit einbezogen werden, wie, steht noch nicht fest.
  • Bücklestraße: Wie viele Wohnungen genau auf dem Areal entstehen, kann Alexander Stuchly, Geschäftsführer i+R Dietrich Wohnbau, im Gemeinderat nicht sagen. Er will zunächst mit Politik und Verwaltung klären, was nötig und machbar ist. Es folgt ein städtebaulicher Wettbewerb. Der Spatenstich könnte 2020 sein. Auch Bürgerbeteiligung ist geplant.
  • Hafner: Die rechtlich erforderliche Untersuchung soll etwa ein Jahr dauern, dann wird die Entwicklungsmaßnahme formal beschlossen. In fünf Jahren könnten die Bauarbeiten starten. Fertig ist das neue Quartier keinesfalls vor 2025.