Die Gebäude auf dem ehemaligen Siemens-Areal scheinen verlassen zu sein. Manche Scheiben sind zerbrochen, der Hof wirkt ausgestorben. Wer sich in das vorderste Gebäude wagt und der Treppe bis zum vierten Stockwerk folgt, wird jedoch überrascht sein: Etwa 100 Menschen haben sich hier am Freitagmorgen versammelt. Die Atmosphäre erinnert ein bisschen an ein Festival. Kaum einer kennt sich, aber alle scheinen sich zu verstehen und ein gemeinsames Ziel zu haben.

Rund 100 Teilnehmer beteiligten sich beim Hackathon. Um 12 Uhr ist der Hackathon gestartet.
Rund 100 Teilnehmer beteiligten sich beim Hackathon. Um 12 Uhr ist der Hackathon gestartet. | Bild: Oliver Hanser

Hackathon. Da steckt Hacken und Marathon drin. „Ein Hacker kann auch ein Tüftler sein. Jemand, der etwas anpackt“, erklärt Veranstalter Tobias Fauth. Das Prinzip dahinter ist einfach. Wer eine Idee hat und diese umsetzen möchte, hat beim Hackathon dafür 28 Stunden Zeit.

Eine Idee wird geboren

Begonnen wird die Veranstaltung vom sogenannten „Pitch“ – die Idee und wen oder was man dafür benötigt wird vorgestellt. Den Tüftlern steht dabei ein großes Mentorenteam aus Industrie und Wirtschaft zur Verfügung.

Benjamin Wagner und Leon Fixl legen einen kreative Pause beim Kickern ein.
Benjamin Wagner und Leon Fixl legen einen kreative Pause beim Kickern ein. | Bild: Oliver Hanser

Die Ideen sind an diesem Wochenende vielfältig: Ein intelligentes Gewächshaus, eine App für das WG-Casting oder der Bau eines Planetariums haben sich die Gruppen vorgenommen. Die Gewächshaus-Gruppe findet schnell Verstärkung. „Wir brauchen noch einen Designer!“ Prompt meldet sich jemand aus dem Publikum. Zu siebt zieht sich das neu geformte Team in eines der zur Verfügung gestellten Büros zurück.

Unter anderem Thorsten Rieß, Tatjana Kille, Thomas Görlitz und Martin Liersch von hacKNology e. V. arbeiten an einem Projekt. Aus Besenstilen, einen Fallschirm, einen Beamer und einer Spiegelkuppel wollen sie ein Planetarium erstellen.
Unter anderem Thorsten Rieß, Tatjana Kille, Thomas Görlitz und Martin Liersch von hacKNology e. V. arbeiten an einem Projekt. Aus Besenstilen, einen Fallschirm, einen Beamer und einer Spiegelkuppel wollen sie ein Planetarium erstellen. | Bild: Oliver Hanser
Aus den Besenstilen haben die Mitglieder der hacKNology e. V. eine Kuppel gebaut.
Aus den Besenstilen haben die Mitglieder der hacKNology e. V. eine Kuppel gebaut. | Bild: Oliver Hanser
So sieht es im inneren der Kuppel von dem Verein hacKNology e. V. aus. Nachts gegen 23 Uhr werden mit einem Beamer Farben, Bilder und Sterne über einen Spiegel an die Kuppeldecke projeziert.
So sieht es im inneren der Kuppel von dem Verein hacKNology e. V. aus. Nachts gegen 23 Uhr werden mit einem Beamer Farben, Bilder und Sterne über einen Spiegel an die Kuppeldecke projeziert. | Bild: Oliver Hanser

Hinter der Idee stecken zwei Konstanzer Studenten: Jannik Linke und Maurice Stärk. „Wir kochen gerne und finden, dass frische Kräuter alles besser machen. Damit die im Haushalt höhere Überlebenschancen haben, wollen wir etwas bauen, dass die Feuchtigkeit in der Erde misst, für Licht sorgt und die Pflanze bewässert.“ Dafür haben die Studenten Elektrotechniker, Entwickler und Designer um sich geschart. „Smartgreen“ nennen sie sich.

Erste Probleme treten auf

Doch das Team stößt schnell auf ein erstes Problem: Eine Recherche hat ergeben, dass die Konkurrenz für dieses Produkt groß ist. Es entsteht eine hitzige Diskussion: Kann das Team einen Mehrwert schaffen, den die Konkurrenz nicht hat? Oder sollten sie sich etwas anderes einfallen lassen?

Thomas Görlitz von hacKNology e. V.prüft die Hauptplatine seines Reaktionsspieles.
Thomas Görlitz von hacKNology e. V.prüft die Hauptplatine seines Reaktionsspieles. | Bild: Oliver Hanser

Für Veranstalter Tobias Fauth steht das Lernen im Vordergrund. „Hier kann sich jeder vom Anderen etwas abschauen. Auch die Mentoren“, sagt er. Die Impulse könnten dann im eigenen Leben oder bei der Arbeit einfließen.

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Aber was hat der durchschnittliche Bürger von dieser Veranstaltung, auf der zum größten Teil Techniker und Entwickler sich englische Fachbegriffe zurufen? „Das tolle an diesem Format ist, das jeder mitmachen kann. Wer ein Problem im Alltag hat, kann das hier vorstellen und womöglich schnell ein Team finden, das daran arbeiten möchte.“

Das Organisationskern-Team von links nach rechts: Bobby Ilse, Friedhelm Schaal, Nicole Amann, Ernst Härle, Tobias Fauth, Prof. Dr. Guido H. Baltes, Connie Begic.
Das Organisationskern-Team von links nach rechts: Bobby Ilse, Friedhelm Schaal, Nicole Amann, Ernst Härle, Tobias Fauth, Prof. Dr. Guido H. Baltes, Connie Begic. | Bild: Oliver Hanser

So entstehen Projekte, die nicht nur Sinn stiften, sondern auch regional angesiedelt sind, erklärt Fauth. Aber schaffen die Projekte auch eine Verwirklichung, abseits vom Hackathon? „Das ist der größte Kritikpunkt. Die Gruppen fallen nach der Veranstaltung oft auseinander“, gesteht der Veranstalter. Auch aus diesem Grund seien die 16 Mentoren dabei: Projekte mit Potenzial könnten so aktiv gefördert werden – auch auf langer Sicht.

Schlafsäcke stehen bereit

Zurück zu Greensmart: Das Team hat sich mittlerweile mit mehreren Mentoren und anderen Teilnehmern unterhalten. Die Idee hat sich dabei etwas verändert: „Weg vom privaten Gebrauch. Vielleicht eher etwas für Gewerbe oder die Stadt“, sagt Maurice Stärk. Mittlerweile ist es 20 Uhr. Wie lange sie noch an ihrer Idee arbeiten wollen, wissen sie allerdings noch nicht. Zur Not haben die Veranstalter einen Schlafraum bereit gestellt: Hier liegen schon die ersten Schlafsäcke.