Claudia Diehl hat von ihrer Dachterrasse aus den perfekten Blick auf den Bahnübergang zwischen der Petershauser- und der Jahnstraße. Wenn sich dort, auf der Fahrradstraße, die Schranken heben und der Verkehr losrollt, bekommt die Soziologin stets Gänsehaut.

„Die Straße ist extrem befahren und gefährlich. Die vielen Laster machen mich besonders fertig“, sagt die Mutter, die Angst um ihre Tochter hat, wenn diese auf dem Rad zur Schule oder ins Freibad fährt.

Eine Anwohnerin spricht von „haarsträubenden Szenen“ auf der Fahrradstraße

Seit fünf Jahren wohnt Diehl nun schon in Petershausen, und von Jahr zu Jahr sei es schlimmer geworden. Erst recht, seit am Sternenplatz gebaut und die Spanierstraße gesperrt ist. „Viele mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, waren in den letzten Wochen fassungslos darüber, wie gefährlich die Lage war“, sagt Diehl, die „haarsträubende Szenen“ gesehen haben will.

Der Grund sei, dass immer noch „zu viel Autoverkehr ist. Man kann ja gegen den Ausbau des Radwegnetzes sein, aber wenn die Stadt eine Radstraße schafft, sollte dort auch für Kinder gefahrloses Radeln möglich sein, wie in der Schottenstraße“, sagt sie.

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Immer wieder beobachtet sie, wie im Berufsverkehr unzählige Autos vorbeirollen und die vielen Fahrräder überholen. „Alle reden von der Freiheit der Autofahrer, es wird aber übersehen, dass wir so die Freiheit der Kinder einschränken“, sagt Diehl. „Die Stadt ist sicher, die Kriminalität ist gering, die Kinder könnten sich frei bewegen.“

Video: Claudia Diehl

Damit das künftig auch auf der Fahrradstraße der Fall sein könne, hat Claudia Diehl gemeinsam mit anderen besorgten Eltern bereits mehr als 100 Unterschriften gesammelt, die sie der Stadt vorlegen wollen. „Eigentlich ist die Fahrradstraße eine gute Sache“, sagt sie, „aber nicht so.“ Für sie ist die aktuelle Regelung halbherzig.

Sie fordern daher eine Sperrung der Straße für den motorisierten Durchgangsverkehr. „Alle sollen reinfahren können, aber nur bis zum Bahnübergang“, sagt Claudia Diehl. „Das wären dann für Autos praktisch zwei Sackgassen bis zur Schiene.“

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Dies war in vergangenen Jahren schon einmal angedacht. „Allerdings war die Bahn nicht dafür zu gewinnen“, erklärt das Bürgeramt auf SÜDKURIER-Anfrage, „da das bedeuten würde, dass sie zum Beispiel ihr Schrankensystem umstellen müsste“. Auch aus der Wirtschaft habe es Gegenstimmen gegeben.

„Aktuell wird diese Möglichkeit geprüft“, schreibt das Bürgeramt weiter, „aber auch hinsichtlich der Wechselwirkung, die diese Lösung auf die angrenzenden Straßen und bereits aus- oder überlastete Achsen haben würde.“

Stadtverwaltung will klare Botschaft zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs senden

Mit ihrem offenen Brief an den Oberbürgermeister wollen die Uni-Professorin und ihre Mitstreiterinnen noch bis zum Schulstart warten. Insgeheim hat Claudia Diehl die Hoffnung auf Besserung nicht ganz aufgegeben. „Die Stadt hat ja schon ein Stück weit gehandelt“, sagt sie. Die Einfahrt aus der Allmannsdorferstraße wurde gesperrt, und die Straßen sind seit dem 12. August nur noch für Anlieger frei.

Der Grund dafür ist laut dem Bürgeramt, „dass die Stadtverwaltung einen Appell und eine klarere Botschaft zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs senden will“. Nach erster Einschätzung habe sich die Situation mit der Verkehrsmenge an Autos gebessert.

„Wenn es sich jetzt beruhigt, ist es gut“, sagt auch Claudia Diehl, „ich fürchte allerdings, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend sind.“