Klein Venedig? Konstanz sollte seinen Festplatz direkt an der Schweizer Grenze in Klein München umbenennen!

Denn ab kommenden Freitag ist das Gelände wieder fest in bayerischer Hand – zumindest, was die Bekleidung der rund 100.000 Menschen angeht, die bis zum 3. Oktober auf dem Deutsch-Schweizer Oktoberfest feiern werden. Dirndl, Krachlederne, karierte Hemden, Filzhut und sogar der imposante Gamsbart – das Geschäft mit der passenden Ausstattung floriert längst auch in Konstanz.

"Unsere Gäste sind so vielfältig und unterschiedlich", sagt Festwirt Hans Fetscher. "Im Zelt aber feiern sie zusammen und werden zu einer Festgesellschaft. Die bayerische Kleidung gehört einfach dazu und macht so ein Fest authentisch."

Und so kommt es vor, dass vor allem an den nächsten drei Wochenenden das badische Konstanz einer mittelgroßen bajuwarischen Stadt gleicht. Aus allen Himmelsrichtung pilgern die Menschen in Richtung Oktoberfest – leicht zu erkennen an der alpenländischen Tracht.

Caroline Engstler und Simon Huff, Miss und Mister Oktoberfest 2017.
Caroline Engstler und Simon Huff, Miss und Mister Oktoberfest 2017. | Bild: Andreas Schuler

Das heutige Oktoberfest ist nicht mehr zu vergleichen mit den Anfängen vor 17 Jahren. "Das, was Sie hier sehen, ist das Resultat einer Entwicklung, mit der wir als Veranstalter auf Bedürfnisse und Wünsche unserer Gäste eingehen", sagt Festwirt Hans Fetscher. Damals stand ein Zelt auf Klein Venedig, dazu ein paar Essensstände und ein Karussell. Das war's.

"Es hat sich eine Oktoberfestkultur entwickelt. Das konnten wir so nicht erwarten damals. Da sind wir aber auch sehr stolz drauf", so Fetscher.

Die Ruhe vor dem Sturm: Mitarbeiterinnen des Veranstalters hängen Fahnen in den Festzelten auf, positionieren Bänke und Tische. Am Freitag startet die fast dreiwöchige Sause auf Klein Venedig.
Die Ruhe vor dem Sturm: Mitarbeiterinnen des Veranstalters hängen Fahnen in den Festzelten auf, positionieren Bänke und Tische. Am Freitag startet die fast dreiwöchige Sause auf Klein Venedig. | Bild: Schuler, Andreas

Am Freitag startet der Festumzug um 17 Uhr auf dem Münsterplatz und führt durch die Wessenbergstraße, die Zollernstraße, über den Fischmarkt, am Konzil vorbei durch die Hafenstraße bis zum Festgelände auf Klein Venedig. Auf dem ersten Pferdewagen zeigen sich Miss und Mister Oktoberfest im, wie könnte es anders sein, zünftigen Festoutfit. Verschiedene Trachtengruppen aus Konstanz und rund um den Bodensee, Traktoren, Motiv Wagen, sowie Musikkapellen, Fanfarenzüge und Fahnenschwinger folgen.

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Köche und Servicepersonal laden die Zuschauer an der Strecke anschließend zum Besuch auf das Oktoberfest ein. Nachdem die Zimmermannsgilde Dingelsdorf den Oktoberfestbaum unter musikalischer Begleitung der Gemeinschaft Konstanzer Fanfarenzüge aufgerichtet hat, wird im Paulaner- und im Fürstenberg-Festzelt um 18 Uhr durch Festwirt Hans Fetscher, verschiedene Moderatoren und lokale Politiker mit dem traditionellen Fassbieranstich das 17. Deutsch-Schweizer Oktoberfest offiziell eröffnet. Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger nimmt die Herausforderung von Oberbürgermeister Uli Burchardt an und wird sich beim Anstich duellieren.

Zehn Fahrgeschäfte warten auf die Besucher des Oktoberfestes. Die Konstanzer Firma Gebauer ist dafür verantwortlich.
Zehn Fahrgeschäfte warten auf die Besucher des Oktoberfestes. Die Konstanzer Firma Gebauer ist dafür verantwortlich. | Bild: Schuler, Andreas

Die zwei riesigen Festzelte bieten Platz für rund 5700 Menschen. Während der Konzerte hält es hier (fast) niemanden sitzend auf den Bierbänken. Gemäß der bayerischen Tradition verbringen die Menschen die meiste Zeit klatschend, hüpfend, singend und stehen auf den langen Sitzgelegenheiten.

Zu den musikalischen Highlights gehören in diesem Jahr unter anderem Anita und Alexandra von den Geschwistern Hofmann sowie die Höhner aus Köln. Fünfzehn Veranstaltungstage warten auf die Besucher, das Oktoberfest ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 24 Uhr geöffnet, die Bewirtung im Biergarten am Bodensee und der Betrieb der Fahrgeschäfte beginnt jeweils um 11 Uhr.

Die Hände zum Himmel: Zu später Stunde stehen (fast) alle auf den Sitzbänken.
Die Hände zum Himmel: Zu später Stunde stehen (fast) alle auf den Sitzbänken. | Bild: Hanser, Oliver

Das Deutsch-Schweizer Oktoberfest ist tagsüber ein Volksfest mit Fahrgeschäften und Festzeltbetrieb und abends ab 18 Uhr eine Musikveranstaltung. Zu den Abendveranstaltungen kommen die Gäste nur mit Eintrittskarte ins Zelt. Entweder mit einer garantierten Sitzplatzreservierung durch Reservierung oder auf gut Glück mit einem Fest-PIN von der Abendkasse oder den Vorverkaufsstellen.

"Wir halten aber immer ein Kontingent für die Pin-Besitzer zurück", erklärt Hans Fetscher. Die Pins sind die günstigste Form der Eintrittskarte. Der Pin kostet einmalige fünf Euro und ist für alle Abend in beiden Zelten gültig. Es gibt jedoch keine Eintrittgarantie mit Pin und man kommt nur in die Zelte, wenn noch Rest- und Stehkapazitäten vorhanden sind.

Rund 500 Personen arbeiten auf dem Oktoberfest in den Bereichen Sicherheit, Küche, Ausschank oder Service. Das Organisationsteam besteht aus zwölf Personen. 48 Stromverteiler und 15 Kilometer Kabel werden benötigt. Vier Wochen vor Feststart haben die Aufbauarbeiten begonnen. Der Abbau dauert ebenfalls vier Wochen. 200 000 Liter Bier werden über das ganze Oktoberfest hinweg gezapft. Zwölf WC-Anlagen stehen bereit.