Konstanz Diese Betriebe werden bestreikt: Verdi kündigt umfassende Warnstreiks für Dienstag an

Im Arbeitskampf rüstet die Gewerkschaft erst einmal auf: Die Autofähre zwischen Konstanz und Meersburg wird ganztägig still stehen und auch die Stadtbusse in Konstanz fahren bis auf zwei Linien nicht. An den Krankenhäusern in Singen und Konstanz gehen jeweils drei beziehungsweise drei Pflegestationen in Streik, in Konstanz wird es nur Not-OPs geben.

Der Dienstag könnte knifflig werden: für Eltern von Kleinkindern, Berufspendler, die die Fähre nutzen, für Buspassagiere, für Patienten. Für Mitarbeiter der Stadtwerke, der Verwaltung, für Ärzte und Pflegepersonal wird er anders als gewohnt verlaufen: Verdi hat im Kreis Konstanz umfassende Warnstreiks angekündigt.

Busse und Auto-Fähre fahren nicht

"Zum Streik aufgerufen sind alle im öffentlichen Dienst tätigen Personen", erläutert Silvia Nosko, Gewerkschaftssekretärin für den Bereich Schwarzwald-Bodensee, die Details. Was sie ein wenig stolz macht: Im Transportbereich wird der Streik deutlich spürbar sein. "Busse und Fähre bleiben im Depot."

Die Streiks bei der Auto-Fähre zwischen Konstanz und Meersburg und Bussen werden am Dienstag den ganzen Tag andauern. Verdi stellt klare Forderungen an die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst: Sechs Prozent mehr Lohn müsste es schon sein oder mindestens 200 Euro mehr monatlich für alle Beschäftigten.

Die Fähren der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) zwischen Friedrichshafen und Romanshorn sowie der Katamaran zwischen Konstanz und Friedrichshafen sind vom Streik nicht betroffen. Dasselbe gilt für den Seehas. 

Auch an den Krankenhäusern werden Stationen bestreikt

Einfach wird es für die Arbeitgeber nicht. Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz rechnet damit, dass der Streik an den Krankenhäusern von Montag, 18 Uhr, bis Dienstag, 21 Uhr, dauern wird. Am Konstanzer Klinikum werden zwei Pflegestationen komplett bestreikt, wie der Gesundheitsverbund mitteilt, im Operationssaal wird eine Notfallbereitschaft eingerichtet. Der Gesundheitsverbund hat eine Notdienstvereinbarung mit Verdi abgeschlossen, so dass akute Notfälle operiert werden können.

Alle geplanten Operationen müssten aber verschoben werden, heißt es in der Mitteilung. Am Hegau-Bodensee-Klinikum Singen werden drei Pflegestationen vollständig bestreikt, am Radolfzeller Krankenhaus die Abteilung Anästhesie. Aus dieser Abteilung werden vier Personen in den Ausstand treten, berichtet Gewerkschaftssekretärin Silvia Nosko.

Am Klinikum Konstanz werden zwei Pflegestationen bestreikt, im OP laufen Notoperationen. <em>Bild: Gerhard Plessing</em>
Am Klinikum Konstanz werden zwei Pflegestationen bestreikt, im OP laufen Notoperationen. | Bild: Gerhard Plessing

Bei den Stadtwerken muss die MS Radolfzell für die Fähre einspringen

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Beschäftigten der Stadtwerke. Wie Stadtwerke-Sprecher Josef Siebler berichtet, werden am Dienstag voraussichtlich nur zwei Buslinien verkehren, die Mainaulinie (verkehrt nur "zwischen Insel Mainau und dem Festland der Insel") und die Linie 908 zwischen Konstanz und Kreuzlingen/Landschlacht. Bei der Linie 908 sind Schweizer Busfahrer im Einsatz, die vom Tarifkonflikt in Deutschland nicht betroffen sind.

Der Fährbetrieb zwischen Konstanz und Meersburg werde zwischen 5 und 21 Uhr komplett eingestellt. Autofahrer müssten den Umweg auf der Straße in Kauf nehmen, für Fußgänger und Radfahrer werde zwischen Konstanz und Meersburg die MS Radolfzell eingesetzt, die die Überfahrt gewährleistet. Die Stadtwerke bitten ihre Kunden um Verständnis und darum, am Dienstag Fahrrad, Seehas oder das Auto zu nutzen.

Kitas bleiben geschlossen

Die Stadtverwaltung meldet, welche Kindertagesstätten bestreikt werden: Die Einrichtungen im Paradies, in Litzelstetten, Wallhausen, am Salzberg und die Villa Kunterbunt bleiben geschlossen. Die Einrichtungen Weiherhof, Urisberg, Gustav-Schwab und Am Rhein werden nur zum Teil bestreikt, heißt es in der Mitteilung. Hier würden für die Kinder der jeweiligen Kita Notgruppen mit begrenzten Öffnungszeiten angeboten. Außerdem sei mit Einschränkungen bei der Müllabfuhr zu rechnen.

Viele Kitas bleiben geschlossen, an anderen Einrichtungen gibt es Notfallgruppen. <em>Bild: Oliver Hanser</em>
Viele Kitas bleiben geschlossen, an anderen Einrichtungen gibt es Notfallgruppen. | Bild: Oliver Hanser

Wie die Geschäftsführer reagieren

Das Verständnis der bestreikten Betriebe für einen Warnstreik in dieser Dimension hält sich währenddessen in Grenzen. Peter Fischer, Geschäftsführer des Gesundheitsverbunds Kreis Konstanz, spricht von einem Riesenaufwand. "Unsere Häuser sind proppevoll". Besonders heikel sei, dass ein neuralgischer Punkt wie der OP in Konstanz bestreikt werde. Mit den Verlegungen auf den Pflegestationen sei man vollauf beschäftigt. "Im Moment prüfen wir im ganzen Haus, welche Patienten entlassen werden können", erläutert Fischer, Patienten, die hätten aufgenommen werden sollen, würden abbestellt.

Große Bedenken hätten alle im Haus wegen des guten Wetters am Wochenende, da nach solchen Tagen in der Regel vermehrt Unfallopfer zu behandeln seien. Fischer macht deutlich, dass er für die Inhalte der Verdi-Forderungen zwar großes Verständnis habe: "Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen verbessert werden, es braucht auch mehr Gehalt. Das unterstützen wir gerne." Den Streik halte er aber für unangebracht, er werde auf dem Rücken der Patienten ausgetragen, man gehe ein Risiko hinsichtlich der Sicherheit der Patienten ein.

Das sieht Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz, ähnlich: "Für den Streik zum jetzigen Zeitpunkt habe ich kein Verständnis. Man ist noch mitten in den Tarifverhandlungen." Er habe Verständnis für die Tarifforderungen der Gewerkschaft. Es gehe aber auch um Menschen in der Stadt, die keine Alternative zu Bus oder Fähre hätten. "Die Dimension des Streiks zum jetzigen Zeitpunkt halte ich nicht für erforderlich."

Wie es die Gewerkschaft sieht

Dieser Auffassung widerspricht Gewerkschaftssekretärin Sylvia Nosko deutlich: "Am 15. April ist die letzte Verhandlungsrunde, bis jetzt liegt nicht einmal ein Angebot der Arbeitgeberseite vor. Der Warnstreik ist nötig, damit man uns ernstnimmt." Der Notfall-OP-Betrieb am Konstanzer Krankenhaus werde aufrechterhalten, "und wir bestreiken keine Intensivstation".

Wie viele Personen aus der Pflege in den Streik treten, überlege man als Gewerkschaft gut. "Es wären noch mehr Beschäftigte bereit gewesen, zu streiken." Zufrieden ist die Gewerkschafterin mit der Beteiligung. "Die Streikbereitschaft ist groß, vor allem in der Pflege." An den Krankenhäusern sei sie vermutlich so hoch, weil die Beschäftigten sich in der Vergangenheit stark zurückgehalten hätten. Die meisten Streikbereiten kommen aus Singen, aber auch in Konstanz seien in diesem Jahr viele aktiv.

 

So kommt man weiter

  • Abfahrt der MS Radolfzell: ab Konstanz: 6 Uhr, 7:30 Uhr, 9 Uhr, 10:30 Uhr, 12:30 Uhr, 14 Uhr, 15:45 Uhr, 17:15 Uhr, 19 Uhr. Ab Meersburg: 6:45 Uhr, 8:15 Uhr, 9:45 Uhr, 11:15 Uhr, 13:15 Uhr, 15 Uhr, 16:30 Uhr, 18:15 Uhr, 19:45 Uhr
  • Informationen: Stadtwerke, Hotline unter Telefon (07531)803-0 oder im Internet unter swk.stadtwerke-konstanz.de/streik
  • Forderungen: Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld, mindestens 200 Euro monatlich. Azubis sollen 100 Euro mehr erhalten. In Konstanz sind am Krankenhaus und bei den Stadtwerken am Dienstag Kundgebungen geplant.

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