Eine Wohnung kann zur Last werden für einen unheilbar Kranken. Etwa dann, wenn Stufen und Schwellen die Bewegungsfreiheit des Geschwächten einschränken. Mitten in der Stadt, in einer Etage einer Villa der Spitalstiftung in der Talgartenstraße, hat der Hospizverein drei günstige Appartements geschaffen. Diese sind auf die Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet, die zwar schwer erkrankt sind, aber noch einige Lebenszeit vor sich haben.

Hier gibt es Raum für den gegenseitigen Austausch der Bewohner der Appartements und kurze Wege zu den wichtigsten Einrichtungen der Stadt. Die Praxis habe gezeigt, dass es sinnvoll wäre, an zwei schweren Türen elektrische Öffner anzubringen, sagen Brigitte Brehm, Gabriele Grunwald und Petra Hinderer vom Hospizverein. Sie wollen Spenden für die Nachrüstung dieser Türen einsetzen. Die Kosten liegen nach Angaben des Hospizvereins bei rund 6.000 Euro pro Tür.

Wohnungen sollen Menschen vor Isolation bewahren

Die im Frühsommer eröffneten neuen Appartements stellten eine Wohnalternative für Menschen dar, die unheilbar erkrankt sind. Manchen bleibe dank der Einrichtung der Gang ins Pflegeheim erspart oder die mühsame Suche nach einer behindertengerechten Wohnung auf dem freien Markt oder die Isolation in einer unpassenden Wohnung, sagt Gabriele Grunwald.

Bei einer der ersten Bewohnerinnen habe sich gezeigt, wie bedrückend die Wohnlage für Patienten sein könne. Die Frau habe in einer Wohnung gelebt, die schlecht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen war und eine steile Treppe hatte. So sei die Frau kaum noch unter Leute gekommen. Dies habe sich geändert, als sie ins Appartement des Hospiz‘ mitten in der Stadt gezogen war. Sie sei dann fast jeden Tag in der Altstadt unterwegs gewesen.

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Behindertengerechte Ausstattung

Die Appartements des Hospizvereins mit 42 bis 48 Quadratmetern sind behindertengerecht ausgestattet. Auf der Etage gibt es einen gemeinsamen Aufenthaltsraum, zudem einen gemeinsamen Balkon mit Blick auf den Garten zwischen Seniorenzentrum und Haus Talgarten. In zentraler Lage erreichen sie zudem ohne großen Aufwand und mit besten Anschlüssen ans Verkehrsnetz Ärzte, Therapien, Geschäfte sowie Kultureinrichtungen. Im Haus selbst hat der Hospizverein ein Büro, seine Beratungsstelle ist im Haus gegenüber.

Alle drei Appartements waren schon belegt, zwei sind durch Todesfälle inzwischen wieder frei geworden. In der Praxis habe sich gezeigt, dass zwei Türen zum Problem werden können, sagt das Hospiz-Team. Bewohner, die nach einer Operation wieder nach Hause kamen, oder auf einen Rollator angewiesen waren, hatten Schwierigkeiten gehabt, zwei dieser Türen auf der Etage zu öffnen. Dem wolle man mit dem Einbau eines elektronischen Öffners abhelfen.

Der Hospizverein hatte die Notwendigkeit gesehen, ein Wohnangebot für jüngere Todkranke zu schaffen, die dank moderner Medizin in der Regel über längere Zeit selbstständig leben können. Das können Tumorpatienten sein, aber auch Patienten mit anderen fortschreitenden Krankheiten. Die Appartements kommen auch für Menschen in Frage, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Ein Bewohner zahle 10 Euro für den Quadratmeter seines Appartements, die Kosten für den Gemeinschaftsraum trage der Hospizverein, sagt Petra Hinderer.

Verein bietet Betreuung an

Helfer des Hospiz‘ können Bewohner psychosozial begleiten, wenn diese dies wünschen. Der Hospizverein hat umfangreiche Angebote für Menschen, die mit Tod und Sterben konfrontiert sind. Er steht Erwachsenen und Kindern zur Seite, wenn ein Familienmitglied unheilbar erkrankt ist. Ehrenamtliche Helfer des ambulanten Hospizdienstes kommen bei Bedarf auch über längere Zeit stundenweise in eine Familie. Er steht trauenden Kindern und Erwachsenen bei, er berät über Vorsorgemöglichkeiten und die Regelung der letzten Dinge.

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Einmal im Jahr veranstaltet der Hospizverein Konstanz die Musikreihe Jazz Downtown. Dabei stehen Jazzbands in Konstanzer Lokalen auf den Bühnen. Einnahmen kommen ebenfalls der Arbeit des Hospizvereins zugute.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.

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