Alexander Friemel ist frei von jedem Verdacht, sich selbst gerne in den Vordergrund spielen zu wollen. Das hat er nicht nötig.

Zum einen, weil er gerade erst 95 Jahre alt wurde und eine tiefe Weisheit sein Eigen nennen darf, die auf seine Umwelt beruhigend und fesselnd zugleich wirkt. Ein Mensch wie er, der in Russland an der Front kämpfte und nach eigener Aussage mehrmals nur mit großem Glück den Krieg überlebte, steht wie ein Mammutbaum im Leben und muss niemandem mehr etwas beweisen. Seit 1950 ist er glücklich mit seiner Gisela verheiratet; die beiden haben vier Kinder, sieben Enkel und sechs Urenkel.

Alexander Friemel im Gespräch mit SÜDKURIER-Redakteur Andreas Schuler. | Bild: Oliver Hanser

Auch beruflich ist er über jeden Zweifel erhaben. Als Architekt hat er sich selbst mit zahlreichen Gebäuden in Konstanz ein Denkmal gesetzt. Davon zeugt derzeit eine Ausstellung in der Rosenau.

„Ich wollte meine eigene Neugierde befriedigen und war selbst überrascht, wie viele Gebäude wir mit dem Team zusammen konzipiert und umgesetzt haben.“
Alexander Friemel

Hier hängen im Flur, der vom Foyer zum Speisesaal führt, die schwarz-weißen Bilder als Zeitdokumente Konstanzer Stadtgeschichte.

Diese Konstanzer Gebäude hat Alexander Friemel unter anderem entworfen – und kann Geschichten über einige davon erzählen

Die Ausstellung in der Rosenau ist auch gedacht für seine Nachfahren, damit seine Kinder und Kindeskinder wissen, was er beruflich gemacht hat.

Alexander Friemels Leben: "Es hat mich gereizt, nach dem Krieg Konstanz mit aufzubauen"

Geboren ist Alexander Friemel in Freiburg, aufgewachsen zunächst in Konstanz im Familienanwesen Mainaustraße 36, in jenem denkmalgeschützten Gebäude, was noch heute gerne von Touristen fotografiert wird. Der Urgroßvater war Kaufmann. Er reiste eigens für das Haus ein halbes Jahr nach Italien und sammelte Ideen, um es nach seinen Wünschen und Vorstellungen ausgestalten zu können.

„Es gibt keinen schöneren Beruf als den des Architekten. Auf der grünen Wiese fängst du an, etwas zu erbauen und verfolgst das Wachstum, bis es fertig ist. Dann leben dort später glückliche Menschen. Das ist wunderbar.“
Alexander Friemel

Mit sechs Jahren verließ Alexander Friemel das erste Mal Konstanz, weil der Vater als Offizier dienstlich nach Stuttgart und nach Delmenhorst musste. Mit 17 Jahren, im Jahr 1941, wurde Alexander Friemel selbst Soldat. Zwischen 1942 und 1945 war er als Oberleutnant an der Front in Russland und Italien. "So viele Menschen sind ohne jeden Sinn gestorben."

Nach amerikanischer Gefangenschaft in Verona und Bad Aibling kam er schließlich nach Tuttlingen, von wo er zu Fuß nach Immendingen ging und von dort mit einer Lokomotive nach Konstanz reiste. "Ich bin vom Bahnhof in die Laube gelaufen, wo damals meine Eltern lebten, da die Franzosen unser Haus in der Mainaustraße beschlagnahmt hatten", erzählt er.

Zum Studium der Architektur ging er nach Karlsruhe. "Unsere Hörsäle hatten damals kein Dach", erinnert er sich. "Alles war zerbombt und kaputt." Nach dem Abschluss zog es ihn nach Zürich – allerdings nur für zweieinhalb Jahre. "Oberbürgermeister Knapp hat Hochbauamtsleiter Berthold Schwan nach Zürich geschickt, damit er mich überredet, zurück nach Konstanz zu kommen", erzählt er lächelnd.

Große Überzeugungsarbeit musste Schwan nicht leisten. "Es hat mich gereizt, Konstanz mit aufzubauen", sagt er.

1978 verließ Alexander Friemel mit seiner Frau erneut Konstanz – und wurde Chef der Bauträgergesellschaft der Badischen Bausparkasse. Zu seiner Pensionierung 1994 kam die Familie zurück an den Bodensee.

2014 zogen Gisela und Alexander Friemel in die Rosenau – in jenen Komplex, den der Architekt 1973 selbst erbaute.