Punktuelle Hochhäuser mit viel Freiraum oder dichte, flache Bebauung? Die beiden preisgekrönten Konzepte für das neue Quartier in Petershausen direkt am sogenannten Brückenkopf Nord sind höchst unterschiedlich. In Stein gemeißelt ist noch nichts, denn die prämierten Entwürfe für das neue Eingangstor zur Stadt werden in jedem Fall überarbeitet. Es ist ein wichtiges städtebauliches Projekt, das Konstanz nachhaltig prägen wird. "Deshalb lautet unser Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit", stellt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn fest.

Wie viele Entwürfe wurden eingereicht?

Stundenlang hat die Jury, bestehend aus Fachleuten und Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen, über den sieben eingereichten Entwürfen gebrütet. "Die Aufgabe war schwer", bekennt Architekt Jörg Aldinger, Vorsitzender des Preisgerichts. Es galt, ein urbanes, gut ausgenutztes Quartier zu schaffen, das Gewerbe, Handel, Dienstleistung, Wohnungen, Kultur- und Freizeitnutzungen vereint, und einen Mobilpunkt mit Fernbusbahnhof, P+R Parkplatz, Car- und Bikesharing beinhaltet

Die Thematik ist so komplex, dass selbst das Preisgericht "einen langen Lernprozess gebraucht hat", um "die Geheimnisse des Nutzungsgemenges zu verstehen", wie Aldinger bekennt. Dabei ging es bis ins Detail: Wie funktioniert die verkehrliche Drehscheibe? Wo werden die Tiefgaragen angefahren? Könnte es Rückstaus geben? "Am Ende soll ein ansprechendes Quartier entstehen", sagt Jörg Aldinger. Qualität werde nicht allein durch die Gebäude geprägt, sondern mache sich viel mehr an den Freiräumen fest, so Aldinger.

Wer hat gewonnen?

Einstimmig vergab das Preisgericht zwei erste Plätze. h4a Architekten aus Stuttgart mit dem Freiburger Investor Unmüssig und den Landschaftsarchitekten Glück aus Stuttgart punkteten durch eine lockere Bebauung mit viel Freiraum und zwei schlanken Wohnhochhäusern. "Das fanden wir gut", so Aldinger. Das Konzept könne allerdings so nicht realisiert werden, da nicht genügend Nutzraum generiert würde.

Zwei Wohnhochhäuser sowie rechts daneben Parkhaus mit Hotel kennzeichnen den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros h4a. Bild: Aurelia Scherrer
Zwei Wohnhochhäuser sowie rechts daneben Parkhaus mit Hotel kennzeichnen den Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros h4a. Bild: Aurelia Scherrer

Das weitere Siegerkonzept kommt vom Konstanzer Architekturbüro Schaudt Architekten mit Investor Activ-Immobilien aus Schemmerhofen. Sie haben sich für eine ganz flache Bebauung entschieden mit wenigen Hochpunkten. "Auch hier gibt es entsprechendes Überarbeitungspotenzial", gibt Aldinger die einhellige Meinung der Jury wider.

Ebenfalls mit dem erstein Preis ausgezeichnet wurde das Konzept des Konstanzer Architekturbüros Schaudt Architekten. Bild: Aurelia Scherrer
Ebenfalls mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde das Konzept des Konstanzer Architekturbüros Schaudt Architekten. Bild: Aurelia Scherrer

Der zweite Preis geht an das Architekturbüro Baumschlager Hutter Partner aus Dornbirn mit Investor I+R Wohnbau GmbH aus Lauterach, der auch das Siemens-Areal neu enwickelt. Das Konzept: "Eine Blockstruktur mit einzelnen prägnanten Hochpunkten, die unserer Ansicht nach etwas zu prägnant sind", fasst Jörg Aldinger zusammen.

Interessant ist auch der zweitplatzierte Entwurf der Dornbirner Architekten Baumschlager Hutter Partner. Das Parkhaus nimmt den geschwungenen Bogen der Rheinbrücke auf und dient gleichzeitig als Schallschutz für das neue Quartier. Bild: Aurelia Scherrer
Interessant ist auch der zweitplatzierte Entwurf der Dornbirner Architekten Baumschlager Hutter Partner. Das Parkhaus nimmt den geschwungenen Bogen der Rheinbrücke auf und dient gleichzeitig als Schallschutz für das neue Quartier. Bild: Aurelia Scherrer

Welchen Einfluss hat die Stadt?

"Bei allen drei Siegerentwürfen besteht die Möglichkeit der Entwicklungsfähigkeit", konstatiert Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Die Stadtverwaltung werde nun mit allen drei Siegern in Verhandlungen treten, sowohl was die Überarbeitung der Entwürfe als auch was die wirtschaftliche Seite anbelange. "Es geht nicht darum, wie viel Geld die Stadt bekommt, sondern, dass es ein ausgeklügeltes Projekt wird, das nachhaltig realisiert wird", stellt Jörg Aldinger klar. Das heißt: Die Stadt will verhindern, dass nur halb fertig gebaute Häuser zum Schandfleck werden, wenn Investoren das Geld ausgeht. Der Investorenwettbewerb beinhaltet für die Stadt weitere Vorteile. "Im Dialog mit den Investoren können wir bestimmen, welche Sparten und Branchen, ja sogar welche Firmen dort angesiedelt werden", sagt Karl Langensteiner-Schönborn.

Gibt es schon einen Termin für einen Baustart?

"Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es bleibt spannend, wer zum Schluss die Nase vorn hat", prognostiziert Jörg Aldinger. Ein Dreivierteljahr kalkuliert Karl Langensteiner-Schönborn für die Verhandlungen ein. "Mit dem überarbeiteten Ergebnis gehen wir in den Gestaltungsbeirat, sodass wir voraussichtlich in einem Jahr mit einem Beschluss im Gemeinderat rechnen können." Der Mobilitätspunkt, für den die Stadt Konstanz verantwortlich zeichnet, solle als erstes umgesetzt werden. "In zwei bis drei Jahren sollten wir den Busbahnhof realisiert haben", so Langensteiner-Schönborn. Erst später erfolge die Realisierung des neuen Quartiers.

 

Öffentliche Ausstellung

  • Die Jury: Im Preisgericht vertreten waren unter Vorsitz von Jörg Aldinger die Fachleute Franz Pesch, Stefan Werrer, Uta Stock-Gruber, Claus Anderhalten sowie Oberbürgermeister Uli Burchardt, Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, die Gemeinderäte Heiner Fuchs, Peter Müller-Neff und Alfred Reichle sowie Norbert Reuter von den Stadtwerken Konstanz.
  • Die Ausstellung: Alle sieben eingereichten Wettbewerbsarbeiten sind am Freitag, 23. Februar, noch im Unteren Konzilsaal, Hafenstraße 2, ausgestellt. Ab Montag, 26. Februar sind die drei prämierten Arbeiten im 6. Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes, Untere Laube 24, während der Öffnungszeiten zu sehen.