Autofahrer mit dem Ziel Altstadt müssen in der ersten Juli-Woche den Weg über die Konzilstraße oder die Schänzlebrücke nehmen. Die Stadtverwaltung sperrt den Rheinsteig ab dem 3. Juli für vier Tage komplett, damit dort der Asphalt aus einem Guss gelegt werden kann. Das sagte am Donnerstag auf der Baustelle Michele Lagrutta, der für das Tiefbauamt die derzeit größte Konstanzer Straßenbaustelle leitet.

Der Feinschliff: Die oberste Asphaltschicht ist hart wie glas und soll möglichst eben sein. Dafür kommt eine Walze zum Einsatz, die zugleich rütteln kann. Hier achtet der Fahrer gerade auf einen sauberen Übergang zur bereits fertigen Fläche.
Der Feinschliff: Die oberste Asphaltschicht ist hart wie glas und soll möglichst eben sein. Dafür kommt eine Walze zum Einsatz, die zugleich rütteln kann. Hier achtet der Fahrer gerade auf einen sauberen Übergang zur bereits fertigen Fläche. | Bild: Jörg-Peter Rau

Die Ankündigung kommt überraschend: Eigentlich wollte die Stadt auf eine Vollsperrung verzichten. Die Sicherheit der Arbeiter sei neben einer besseren Qualität des Belags ein Grund für die Beeinträchtigung, sagte Lagrutta: "Das gibt natürlich einen Engpass, für den wir schon jetzt um Verständnis bitten."

Zahlreiche Buslinien fahren direkt zum Bahnhof

Doch nicht nur auf Autofahrer, sondern auch auf die viele der rund 35 000 täglichen Nutzer der Stadtbusse kommen vorübergehend Veränderungen zu. Stadtwerke-Sprecher Josef Siebler bestätigte auf SÜDKURIER-Anfrage, dass die Sperrung des Rheinsteigs auch die Buslinien 1, 2, 3, 9A, 9 B, 12 und 14 betrifft.

Die Planer: Michela Lagrutta (links) und Peter Martin arbeiten beim Tiefbauamt der Stadt und betreuen die Baustelle am Rheinsteig. Dabei haben sie nicht nur Lage-, Zeit- und Kostenpläne im Blick, sondern müssen auch die Sicherheit der Arbeiter gewährleisten – ein Grund für die Vollsperre ab 3. Juli.
Die Planer: Michela Lagrutta (links) und Peter Martin arbeiten beim Tiefbauamt der Stadt und betreuen die Baustelle am Rheinsteig. Dabei haben sie nicht nur Lage-, Zeit- und Kostenpläne im Blick, sondern müssen auch die Sicherheit der Arbeiter gewährleisten – ein Grund für die Vollsperre ab 3. Juli.

Die Busse fahren von Dienstag, 3. Juli, bis voraussichtlich Freitag, 6. Juli alle über die Konzilstraße zum Bahnhof. Sie wenden dann über die Sigismundstraße, die dadurch mit rund 500 Bussen pro Tag belastet sein wird. Anschließend fahren sie wie sonst auch vom Bahnhof wieder zurück.

Zur Laube und ins Paradies fährt vorübergehend ein Pendelbus

Da durch die Baustelle der Altstadtring blockiert und ist und viele Linien nicht durchs Paradies fahren können, sei ein Pendelbus vom Bahnhof über die Laube ins Paradies geplant, so Siebler. Die Stadtwerke haben mit diesem Modell Erfahrung, weil es während des jährlichen Flohmarkts ähnlich gehandhabt wird. Die letzten Details würden derzeit festgelegt, so Siebler. Er verwies auch darauf, dass die Buslinie das Paradies ebenfalls bedient, sie fährt wegen der Baustelle schon seit einem Jahr nicht mehr über den Rheinsteig.

Auch an der Alten Rheinbrücke ist Baustelle angesagt – ein wichtiges Verbindungsteil zwischen der Brücke selbst und dem Festland musste unter schwierigen Bedingungen ausgetauscht werden.
Auch an der Alten Rheinbrücke ist Baustelle angesagt – ein wichtiges Verbindungsteil zwischen der Brücke selbst und dem Festland musste unter schwierigen Bedingungen ausgetauscht werden. | Bild: Jörg-Peter Rau

Fußgänger und Radfahrer haben künftig deutlich mehr Platz

Ab der zweiten Juliwoche wird dann die Baustelle Vergangenheit sein. Schon jetzt ist gut zu sehen, was sich auf dem Rheinsteig verändern wird. So ist die Kurve von der Laube her künftig nur noch ein- statt bisher zweispurig, führt aber nicht mehr ganz so scharf ums Eck. Mehr Platz gibt es für Fußgänger und Radfahrer. Der in beide Richtungen nutzbare Radweg zum Webersteig wird deutlich breiter.

Die Ampel: Nachdem die Einmündung Rheinsteig/Konzilstraße ohnehin teilweise gesperrt ist, nutzt die Stadtverwaltung die Gelegenheit, auch diverse Nebenarbeiten machen zu lassen. Hier tauscht Micha Schmidt gerade mit dem Hubsteiger einige Teile der Ampel aus. Bilder: Jörg-Peter Rau
Die Ampel: Nachdem die Einmündung Rheinsteig/Konzilstraße ohnehin teilweise gesperrt ist, nutzt die Stadtverwaltung die Gelegenheit, auch diverse Nebenarbeiten machen zu lassen. Hier tauscht Micha Schmidt gerade mit dem Hubsteiger einige Teile der Ampel aus. Bilder: Jörg-Peter Rau

Für Autos gibt es jeweils eine Fahrspur in beide Richtungen, aber auch künftig getrennte Abbiegespuren in Richtung Konzilstraße und Alte Rheinbrücke. Die Einmündung hat die Stadtverwaltung im Zuge der Baumaßnahmen gleich mitsanieren lassen. "Dadurch ist die Baustelle größer geworden, aber wir können die Behinderungen zeitlich besser eingrenzen", erklärt dazu Michele Lagrutta.

Straßenschäden: Dieses Bild prägte den Rheinsteig viele Jahre lang.
Straßenschäden: Dieses Bild prägte den Rheinsteig viele Jahre lang. | Bild: Jörg-Peter Rau

Auch auf der Alten Rheinbrücke ist bald freie Fahrt

Auch der Wald aus Absperrungen und Schildern sowie die mehrfach geänderte Verkehrsführung auf der Alten Rheinbrücke ist in wenigen Wochen ebenfalls endlich vorbei. An deren südlichem Ende musste die Schiene ersetzt werden, die die Brücke mit dem Festland verbindet. Sie gehört zu einer Dehnfuge, die benötigt wird, um das Wachsen und Schrumpfen der Brücke je nach Temperatur auszugleichen. Während die östliche Seite, auf der normalerweise stadtauswärts gefahren wird, bereits fertig ist, sind die Arbeiten auf der westlichen Seite fast abgeschlossen. Hier fehlt im Augenblick vor allem noch der Asphalt.

Die Alte Rheinbrücke: Auch hier sind die Bauarbeiten schon bald abgeschlossen. Noch fehlt auf einigen Fahrspuren der Asphalt.
Die Alte Rheinbrücke: Auch hier sind die Bauarbeiten schon bald abgeschlossen. Noch fehlt auf einigen Fahrspuren der Asphalt. | Bild: Micha Schmidt

Bis zur Sanierung war der Rheinsteig eine üble Schlagloch-Piste

Die Asphalt- und Pflasterarbeiten machen auch den Großteil der noch offenen Posten auf dem Rheinsteig selbst aus. Zum Teil können dabei Maschinen eingesetzt werden, doch an vielen Stellen bauen die Arbeiter den 150 bis 180 Grad heißen Belag auch in Handarbeit ein. Obwohl die sanierte Fläche größer ist als zunächst geplant, bleibt das Projekt im Budget, wie Michele Lagrutta betont.

Der Straßenbelag: Straßen werden schon lange nicht mehr mit Teer, sondern mit Asphalt gebaut. Er wird wegen der starken Belastung mehrstufig verwendet. Die Tragschicht (ganz unten) ist 14, die Binderschicht (Mitte) sechs und die glasharte Deckschicht (oben) vier Zentimeter dick.
Der Straßenbelag: Straßen werden schon lange nicht mehr mit Teer, sondern mit Asphalt gebaut. Er wird wegen der starken Belastung mehrstufig verwendet. Die Tragschicht (ganz unten) ist 14, die Binderschicht (Mitte) sechs und die glasharte Deckschicht (oben) vier Zentimeter dick.

Beim Start der Bauarbeiten im Mai 2017 waren die Kosten auf rund 2,75 Millionen Euro beziffert worden. Die Bauzeit sollte ursprünglich 13 Monate und damit bis Juni dauern, neuer Termin ist nun Mitte Juli. Dass es mit der Fertigstellung bis zum Flohmarkt nicht klappen würde, ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Vor der Sanierung war der – über Jahrzehnte auch vom Schwerverkehr stark befahrene – Rheinsteig eine der marodesten Straßen in Konstanz.

Es geht voran: Zum Ende der Bauarbeiten am Rheinsteig lässt sich die Vollsperre laut Stadt nicht vermeiden.
Es geht voran: Zum Ende der Bauarbeiten am Rheinsteig lässt sich die Vollsperre laut Stadt nicht vermeiden. | Bild: Jörg-Peter Rau