Es ist eines der großen Bauvorhaben der kommenden Jahre. Auf dem Döbele-Parkplatz soll ein neues Quartier entstehen. Geplant sind 300 bis 400 Wohnungen. Im Jahr 2013 wurde der Grundsatzbeschluss gefällt, wenig später gab es die erste Bürgerveranstaltung mit einem Blick in die Zukunft: Die Konstanzer sollten auf Postkarten aufschreiben, wie sie sich das Areal im Jahr 2018 vorstellen. Bezahlbare Wohnungen, Mehrgenerationenwohnen, viel Grün, Parkplätze für Anwohner und Besucher, gute Fuß- und Radwege, vielleicht sogar ein Park?

Von den Visionen für die Zukunft im Jahr 2018, ist heute, im Jahr 2018 zu sehen: nichts. Noch sieht das Döbele nahezu gleich aus wie vor fünf Jahren. Nur die Markierungen für die Parkplätze wurden sogar noch nachgezogen. Einen Termin für einen Spatenstich gibt es nicht, dabei steht im städtischen Handlungsprogramm Wohnen unter dem Stichwort Baubeginn: 2018. Jetzt wird langsam klar: So schnell wird es einen Spatenstich nicht geben. Auf die Frage, wann Baustart am Döbele ist, nennt die städtische Pressestelle keine Jahreszahl mehr. Stattdessen: "Weil die Planungsprozesse bundesweit komplexer geworden sind, muss mehr Zeit investiert werden".

Zuerst soll der Brückenkopf Nord entwickelt werden

Mehr Zeit braucht das Projekt nun offenbar auch deshalb, weil erst andere Gelände entwickelt werden sollen. Auf Anfrage verweist die städtische Pressestelle auf das Areal Brückenkopf Nord. "Zuerst muss hier der Busbahnhof und das Parkhaus entwickelt und gebaut werden, damit die Busse und Parkkapazitäten als Ersatz für das Döbele geschaffen werden. Es wäre nicht sinnvoll, das Döbele schneller zu entwickeln als den Brückenkopf Nord", so der städtische Pressesprecher Walter Rügert. Auf dem Gelände soll unter anderem ein Fernbusterminal und ein großes Parkhaus mit mindestens 1500 Plätzen entstehen. Geplanter Baubeginn: 2020. Früher also dürfte auch kein Spatenstich am Döbele sein.

Verlauf des Grenzbachs muss geändert werden

Dort gibt es nämlich auch noch ein Problem, an dem die ganze Entwicklung des Areals hängt. Damit auf dem Döbele überhaupt Wohnungen entstehen können, muss laut dem städtischen Amt für Umwelt und Stadtplanung der Grenzbach verlegt werden. Statistisch gesehen droht auf dem Areal alle 100 Jahre eine Überschwemmung, wie der Kanton Thurgau analysiert hat. Diese Analyse habe der Stadt allerdings erst nach dem Wettbewerbsverfahren vorgelegen. Inzwischen haben die Kreuzlinger den Oberlauf des Grenzbach umgestaltet, Konstanz will nachziehen – aber das kostet.

Für die Änderung des Bachverlaufs wird eine Summe von rund 900 000 Euro fällig, hieß es zuletzt im Technischen und Umweltausschuss. Die damit verbundene Verlegung der Grenzbachstraße kostet etwa 350 000 Euro. "Die Lösung wurde vom Amt für Stadtplanung und Umwelt bearbeitet und nun wird gerade abgestimmt, was die Inhalte für die Ausschreibung sind. Diese werden dem Gemeinderat vorgelegt und dann wird ausgeschrieben", so der städtische Pressesprecher Walter Rügert.

So bleibt auch der Rummel erst einmal dort, wo er immer war. Dieses Jahr vom 14. bis 22. April, wie Heinz Gebauer, Organisator der Konstanzer Frühjahrsmesse, verrät. Wo die Schausteller in Zukunft ihre Fahrgeschäfte aufbauen werden, sei noch unklar. "Wir würden uns über Klein Venedig freuen", so Gebauer. Klein Vendig – auch da war doch was: Ein Wettbewerb mit dem Namen Europan hatte eine Vision. Eine Brücke über die Gleise, ein Kanal, Konstanz und Kreuzlingen sollten zusammenwachsen. Während sich die Stadt Konstanz auch bei diesem Projekt wenig auskunftsfreudig zeigte, sind die Kreuzlinger deutlicher: "Das Projekt ruht zurzeit".

Hochhaus, Parkhaus, Einkaufszentrum: Es gab schon viele Pläne für das Döbele

Diese Luftaufnahme vom Döbele stammt aus den 1980er Jahren
  • 60er Jahre: Erste Planungen: "So könnte das Konstanzer Döbele in naher Zukunft aussehen" – titelt die Konstanzer Zeitung im Jahr 1966. Geplant ist ein Wohnhochhaus, 20 Stockwerke, 60 Meter hoch. Im Obergeschoss soll es ein Aussichts- und Konzertcafé geben und neben dem Hochhaus ein Parkhaus sowie eine Markthalle. Die Planungen werden später wieder verworfen.
  • 80er Jahre: "Döbele-Bebauung kommt erneut auf den Tisch – Verwaltung will Häuser, Parkplatz und mehr Grün" – heißt es im April 1983 im SÜDKURIER. Drei Jahre zuvor hatte es bereits einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gegeben. Durch die Stadt kursiert später das Gerücht, "am Döbele tue sich nichts, weil dort einflussreiche Mitglieder des Gemeinderats wohnen und diese natürlich erfolgreich ihre Ruhe verteidigen". Das Gelände wird damals wie heute als großer Parkplatz genutzt. 1984 werden eine Halle und eine Tankstelle auf dem Areal abgerissen, um mehr Parkplätze zu schaffen.
  • 90er Jahre: "Gebühren für das Döbele", titelte der SÜDKURIER 1994. Bis dato war das Parken dort kostenlos. Nun kostete ein Platz in der ersten Stunde zwei Deutsche Mark, mehr als fünf Stunden acht DM. 1994 gab es im "Rahmenplan Paradies" auch wieder Pläne für das Döbele, das erstmals auch Gewerbe mit einbezog – zum Beispiel ein Einkaufszentrum oder ein Möbelhaus.
  • 2000er Jahre: Weil in der Innenstadt Parkplätze fehlen, will OB Horst Frank auf dem Döbele ein temporäres Parkhaus bauen, doch dagegen regt sich Widerstand, die Pläne werden im Jahr 2006 zurückgestellt. Ein Antrag im Gemeinderat, den Platz mit Wohnraum, Gewerbe und Parkraum zu überplanen, fand keine Mehrheit. Der Parkplatz solle als innerstädtische Reservefläche bewahrt werden.
  • 2010er Jahre: 2012 gibt es neue Planungen für das Döbele. 2014 gewinnt das Konstanzer Architekturbüro Bächle Meid den Architektenwettbewerb mit zwei einander ergänzenden Blockbauten und großen Innenhöfen. Vorgesehen ist auch eine Tiefgarage mit bis zu 1000 Stellplätzen. Die, so die Forderungen der SPD-Fraktion, sollte die Stadt am besten selbst betreiben.