Wie fand der Konstanzer, der im Stadtteil Wollmatingen aufwuchs, zu seinem Beruf? Als er Mitte 20 ist, kommt mit Labrador Ico erstmals ein eigener Hund sein Leben. Fast zur gleichen Zeit geht seine damalige Beziehung in die Brüche. Pohl erzählt: „Allein war ich danach nicht – ich hatte ja meinen ‚Scheidungshund‘. Er war mein ständiger Begleiter und ein gut erzogener Kerl.“ Damals ist Pohl mit einem Partner Inhaber einer Promotionagentur und Hund Ico ist auch auf allen Events, die die beiden ausrichten, dabei.

Nachdem der Agentur ihr wichtigster Kunde wegfällt, sucht Rainer nach einem zweiten Standbein. Eine Nachbarin bringt schließlich die entscheidende Idee: Wenn der junge Mann mit seinem Labrador schon so gut klar kommt, könnte er doch die Hunde von Berufstätigen betreuen. „Ich habe dann einen Raum in meinem Büro zum Hundezimmer umfunktioniert, Flyer gedruckt und verteilt. So hat alles angefangen. Heute führe ich meine eigene kleine Agentur ohne Partner, kann also meine Zeit frei einteilen und bin mit Walk-a-Dog von Montag bis Freitag unterwegs. Seit mehr als zehn Jahren mache ich das nun.“

Hunderesort am Rande des Lorettowalds

Heute bewohnt Pohl mit seiner Verlobten Mareike ein kleines Häuschen am Rande des Lorettowalds - weit weg von stark befahrenen Straßen. Hier hat er sich sein ganz persönliches Paradies geschaffen, in dem viel Platz für seinen Hund Yoko und die vierbeinigen Gäste ist. Zum Beispiel im umzäunten Garten, in dem seine Schützlinge toben dürfen. Ein Nebengebäude wurde renoviert und ein beheizter Ruhebereich mit Auslauf für die Hunde eingerichtet, wo sie nach ausgiebigen Spaziergängen dösen und spielen können. Dennoch plant Rainer bereits den weiteren Ausbau. Man merkt, die Vierbeiner sollen sich wohlfühlen.

Hereinspaziert! Rainer Pohl und sein Labrador Joko holen die tierischen Gäste zum Gassi gehen ab.
Hereinspaziert! Rainer Pohl und sein Labrador Yoko holen die tierischen Gäste zum Gassi gehen ab. | Bild: jus

An diesem Freitagmittag könnte man meinen, dass keine Hunde dort sind, denn kein Bellen ist zu hören. „Das ist gute Erziehung“, sagt Pohl und grinst stolz. Hinter der Tür warten drei Hunde, dass sie zum zweiten Spaziergang des Tages geholt werden. Einer von ihnen – der weiße Mäx – ist anfangs noch etwas kamerascheu.

Tagesgast Mäx ist anfangs noch etwas schüchtern. | Bild: jus

„Manchmal geht es hier schon zu wie im Kindergarten, aber ich bin hier der Chef und das wissen sie“, sagt der Konstanzer und öffnet lachend die Tür. Zu seiner Arbeit gehört unter anderem, dass seine Schützlinge ein gutes Verhalten an den Tag legen, während sie ganz Hund sein dürfen. Dazu zählt auch, dass die Tagesgäste Ayla, Snoopy und Mäx ihr Pflegeherrchen ausgiebig begrüßen.

Video: Julia Sondermann

Das Gassigehen beginnt. Fröhlich erzählt der Hundesitter von seiner Arbeit mit den Tieren, die er teils direkt bei Herrchen und Frauchen abholt und teils von den Besitzern zu ihm gebracht werden. Das Wichtigste ist für ihn, dass es seinen Schützlingen gut geht und sie wohlbehalten zurück in ihr Zuhause kommen.

Rudelchef Rainer Pohl hat das Kommando. | Bild: jus

Während des Ausflugs bleibt er entspannt und dennoch wachsam – ständig hat er ein Auge darauf, was die Hunde gerade treiben. „Es ist schön, dass ich viel an der frischen Luft bin - bei jedem Wetter“, sagt der Konstanzer und fügt lachend hinzu: „Klar. Wenn es stürmt und schneit, ist das nicht gerade die angenehmste Sache. Das kann bestimmt jeder nachvollziehen. Aber wetterfeste Kleidung hilft.“

Links: Yoko (unten) und Mäx beweisen, dass sie echte Konstanzer "See-"Hunde sind.
Rechts: Snoopy - auch "der Polizist" genannt - passt im Hintergrund auf, dass die freche Ayla nicht für Unruhe sorgt. | Bild: jus

Nur einmal an diesem Tag verdüstert sich kurz Pohls Gesichtsausdruck. Auf die Frage, ob die Arbeit gut für seine Gesundheit sei, sagt der hochgewachsene Mann ernst: „Ja, dank der Hunde bin ich fit. Vor drei Jahren sah das aber ganz anders aus.“ Denn mit Ende 30 verschlechterte sich der Zustand des begeisterten Winter- und Wassersportlers langsam aber stetig. Was genau ihm fehlte, war lange Zeit nicht klar. „Es lag an der Pumpe. War genetisch bedingt“, brummt der Konstanzer, der schließlich - im Alter von 40 Jahren - einen doppelten Bypass am Herzen bekommt.

Mit tierischer Hilfe zurück zur Bestform

Dann kehrt das Lächeln in sein Gesicht zurück. „Jetzt kann ich hier den Hügel wieder hinaufgehen - ohne zu schnaufen - und kann mich dabei unterhalten.“ Die tägliche Arbeit mit den Hunden habe ihn nach der Operation zurück ins Leben geholt. „Ihr seid meine Lebensretter“, sagt er und krault seinen Schützlingen liebevoll den Kopf. Bald darauf kreuzen andere Gassigeher den Weg des Hundesitters. Man kennt sich, man schätzt sich und man geht den Weg gemeinsam weiter.

Die Gruppe wächst an diesem Tag auf insgesamt 46 Beine an (Zwei- und Vierbeiner zusammengerechnet). | Bild: jus

Die Hundefreunde tauschen sich aus, unterstützen sich gegenseitig mit Rat und Tat und quatschen über Alltägliches. Insgesamt neun Hunde und fünf Zweibeiner streifen nun vergnügt durch den Wald. Im Laub lässt es sich gut toben.

Video: Julia Sondermann

Wenn man täglich Kontakt mit den Tieren hat, ist man dann nicht traurig, wenn einer das Rudel verlässt? „Natürlich“, sagt Pohl, „auch ich bin tief bedrückt, wenn einer der Hunde durch eine Krankheit oder einen Unfall stirbt. Wenn Herrchen oder Frauchen allerdings aus Konstanz wegziehen, ist das etwas anderes. Solange ich weiß, dass ein Hund in guten Händen ist, bin ich zufrieden. Alles für den Hund!“

Das zukünftige Ehepaar Pohl ist angekommen

Am Ende des Tages besucht Rainer seine Verlobte in deren Hundesalon Style-A-Dog, der ebenfalls auf dem Grundstück zu finden ist. Grinsend meint er: „Bei mir haben die Hunde Spaß und werden dreckig und bei meiner Verlobten werden sie gebadet und hübsch gemacht. Dabei hatte sie Angst vor Hunden, als wir uns vor 15 Jahren kennengelernt haben.“ Durch seinen damaligen Labrador habe sich das geändert. Und als Mareike in ihrem früheren Job zu viel auferlegt bekam, schulte sie 2010 erfolgreich auf Hundefriseurin um. Inzwischen bildet sie auch in ihrer eigenen Scherschule interessierte Menschen in diesem Handwerk aus.

Bild: jus

Seit Jahren sind die beiden mit Walk-A-Dog und Style-A-Dog auch beruflich ein Team, das sein Schaffen dem besten Freund des Menschen widmet. „Wir sind gemeinsam angekommen. Es könnte nicht schöner sein“, sagt Rainer und strahlt seine Verlobte an. Im Spätsommer werden für die beiden dann die Hochzeitsglocken läuten.
 

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