Burg Hohenfels ist eine besonders prominente Immobilie im Landkreis Konstanz. Und nun steht auch fest, wer demnächst dort einziehen wird, nachdem die Unterstufe der Schule Schloss Salem im Sommer 2017 aus dem denkmalgeschützten Gebäude nach Salem gezogen ist. Der Verein Eos-Erlebnispädagogik aus Freiburg hat den Zuschlag erhalten. Dies hat die Schule nun in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.

Der Verein will dort ein Tagungszentrum samt Schullandheim einrichten, wie es in einer früheren Bauvoranfrage hieß, die im Mai im Hohenfelser Gemeinderat besprochen wurde. Demnach soll in der Burg ein Tagungszentrum mit 93 Betten in Doppel- und Einzelzimmern entstehen. Außerdem sollen auf dem Gelände eine Mensa samt Küche, das eigentliche Schullandheim und Mitarbeiterwohnungen entstehen. Laut der jetzigen Pressemitteilung trägt das Projekt den Titel Weltenwandler-Akademie. Beim Verein selbst war am Montag, 3. Dezember, niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Verein beruft sich auf die Pädagogen Rudolf Steiner und Kurt Hahn

Auf seiner Internetseite stellt sich Eos als Organisation vor, die sich auf zwei Männer beruft: Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik, und Kurt Hahn, einen der Begründer der Erlebnispädagogik und einen der Gründer der Schule Schloss Salem. Beide pädagogische Ansätze würden kombiniert. Laut der Pressemitteilung gehört der 2002 gegründete Verein zu den führenden Anbietern von Erlebnispädagogik in Deutschland.

"Wir haben einen Käufer gefunden, mit dem wir guten Gewissens das Geschäft machen können." Robert Leicht, Vorsitzender des Trägervereins der Schule Schloss Salem
"Wir haben einen Käufer gefunden, mit dem wir guten Gewissens das Geschäft machen können." Robert Leicht, Vorsitzender des Trägervereins der Schule Schloss Salem. | Bild: Patrick Seeger, dpa

Der einstimmigen Entscheidung des Salemer Trägervereins sind umfangreiche Verhandlungen mit mehreren Interessenten vorausgegangen. Der Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Robert Leicht, sagte im SÜDKURIER-Gespräch: „In der Endphase der Verhandlungen gab es nur noch zwei Interessenten, wovon der eine aber erst noch hätte eine Stiftung gründen müssen. Ich kann aber nicht mit jemanden einen Vertrag schließen, der noch gar nicht existiert.“ So sei die Entscheidung klar gewesen. Man habe auch aus Kostengründen zu einem Ergebnis kommen wollen.

“Es ist nicht zu verantworten, immer weiter rund 60 000 Euro jährlich an Unterhaltungskosten in ein leerstehendes Gebäude zu investieren“, sagte Leicht. Nun sei man in ausführlichen Verhandlungen zu einem „für beide Seiten ordentlichen Ergebnis“ gelangt: "Wir haben einen Käufer gefunden, mit dem wir guten Gewissens das Geschäft machen können." Zumal der Trägerverein der Schule die Arbeit des Vereins nicht als Konkurrenz zur Schule betrachte. Über die Höhe des Kaufpreises habe man Stillschweigen vereinbart. Im Hohenfelser Gemeinderat war im Mai allerdings von etwa 3,5 Millionen Euro die Rede – und etwa demselben Betrag für Umbauten.

"Da Eos ein namhafter Verein ist und das Konzept über viel Potential verfügt, freuen wir uns sehr, dass der Verkauf realisiert werden konnte." Florian Zindeler, Bürgermeister von Hohenfels. | Bild: Freißmann, Stephan

Der Hohenfelser Bürgermeister Florian Zindeler äußerte sich auf Anfrage zufrieden über die Entscheidung: "Da Eos ein namhafter Verein ist und das Konzept über viel Potential verfügt, freuen wir uns sehr, dass der Verkauf realisiert werden konnte." Durch die Wahl des Käufers sei die Schule zudem ihrem Versprechen nachgekommen, eine Lösung zu suchen, die der bisherigen Nutzung nahekommt. Mit dem Verein Eos sei er bereits in gutem Kontakt, so Zindeler weiter. Die Gemeinde sei zudem schon früh beteiligt worden.

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Vorgeschichte
und Schule

  • Vorgeschichte: Im März 2016 hatte die Schule Schloss Salem entschieden, ihre Unterstufe von Burg Hohenfels in den Hauptsitz der Schule im Schloss Salem zu verlegen. Der Umzug erfolgte im Sommer 2017. Begleitet wurde die Verlagerung von heftigen Diskussionen, auch unter ehemaligen Schülern. Um den Umzug umzusetzen, gab es erhebliche Investitionen am Hauptsitz der Schule in Salem. So wurde das frühere Rentamt des Salemer Schlosses für die Unterstufenschüler umgebaut. Aus einer Reithalle wurde eine zweite Sporthalle. Und die historische Schrote, ein ehemaliger Kornspeicher, wird in den alten Dimensionen neu erreichtet. Dort entstehen Unterrichtsräume für die Mittelstufe, eine Aula und Werkstätten.
  • Schule: Die Schule Schloss Salem ist ein staatlich anerkanntes Internatsgymnasium am Bodensee für die Klassen 5 bis 12. 42 Prozent der Schüler kommen aus 40 Nationen. Die Schüler können dort die Abschlüsse Abitur oder International Baccalaureate erwerben. Neben dem akademischen Anspruch spielt die Bildung von Persönlichkeiten durch soziale Dienste, Mitverantwortung und Erfahrungslernen die zentrale Rolle. (eph/urr)

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