Diese Nachricht löste große Freude aus: Schloss Hohenfels wird nach 88 Jahren in Privatbesitz für die Öffentlichkeit zugänglich. "Wir wünschen uns, dass das Anwesen stark belebt wird", sagte Michael Birnthaler im Hohenfelser Gemeinderat. Er und Roswitha Merazzi sind die Geschäftsführer des Vereins Eos Erlebnispädagogik, der seit 1. Januar Eigentümer des Gebäudekomplexes ist.

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Beide stellten den bisherigen Stand der Pläne für ein Tagungszentrum und Landschulheim sowie Erlebnispädagodik vor. Klar ist: Das Schloss selbst wird Hotel und Tagungszentrum mit rund 90 Betten. Der Zeiserhof und das Haus Josenberg werden Landschulheim sowie Gästehaus mit zusammen 70 Betten. In der Ölmühle wohnen die Mitarbeiter und in die Scheune könnten Werkstätten kommen, fasste Birnthaler zusammen.

Der Zeiserhof (links) ist als Landschulheim mit 40 Betten gedacht. Die Ölmühle (Mitarbeiterwohnen) liegt etwas versteckt dahinter.
Der Zeiserhof (links) ist als Landschulheim mit 40 Betten gedacht. Die Ölmühle (Mitarbeiterwohnen) liegt etwas versteckt dahinter. | Bild: Löffler, Ramona

Darüber hinaus ist Eos offen für Ideen sowie Kooperationen – und hofft auf diese auch. "Wir würden gerne Ihre Wünsche hören und mit Ihnen ins Gespräch kommen", sagte Birnthaler. Denn der Verein möchte, dass das Schloss und die anderen Gebäude ausgelastet sind. "Das führt zur nachhaltigen Sicherung des Projekts." Eos begrüße Veranstaltungen auf dem Areal und sei sehr interessiert daran. Roswitha Merazzi nannte hier Familiengeburtstage oder Hochzeiten in der Kapelle als Beispiel. Sie sprach auch von einem Café, das für die Allgemeinheit offen sein soll.

In dieser Scheune könnten laut dem Verein Eos Werkstätten eingrichtet werden.
In dieser Scheune könnten laut dem Verein Eos Werkstätten eingrichtet werden. | Bild: Löffler, Ramona

Bereits im Vorfeld der Sitzung sagte die Geschäftsführerin: "Unser Wunsch ist es, dass mit Schloss Hohenfels kein gewöhnliches Tagungszentrum entsteht, davon gibt es ja schon genügend." Die Vision von Eos sei, in einer Gemeinschaft von Mitstreitern das erste Team-Tagungszentrum zu entwickeln. Es solle ein Tagungszentrum sein, in dem die Wichtigkeit von Teamgeist und Freundschaft erlebt und erlernt werden könne. Auf Schloss Hohenfels werden laut Roswitha Merazzi mehrere Dutzend Arbeitsplätze entstehen. Darüber freut sich die Gemeinde.

Schloss Hohenfels im Januar 2019. Haus Josenberg rechts, hinten die Zehntscheuer. Bild: Ramona Löffler
Schloss Hohenfels im Januar 2019. Haus Josenberg rechts, hinten die Zehntscheuer. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Gemeinderat Karlheinz Lehmann (FUW) bewertet die Pläne von Eos positiv: "Früher war das Schloss für Normalsterbliche nicht zugänglich. Es ist gut, dass alles offen sein wird." Er sei ein Gewinn für alle Seiten, wenn Veranstaltungen auf dem Areal den Schloss-Komplex und den Verein bekannt machen. Anton Arnold (FUW) hat die Zehntscheuer für Veranstaltungen im Auge, da sie etwas Besonderes sei.

Das ist die Zehnscheuer, die Gemeinderäte schon für Veranstaltungen im Blick haben. Bilder: Ramona Löffler
Das ist die Zehnscheuer, die Gemeinderäte schon für Veranstaltungen im Blick haben. Bilder: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Die Vertreter von Eos hatten neben der guten Nachricht mit der Öffnung des Areals aber auch die eher schlechte Nachricht, dass kein finanzstarker Partner in die Gemeinde komme. "Das können wir nicht bieten", so Birnthaler. Der Verein sei nicht auf Gewinn ausgerichtet und er nannte die Entscheidung, das Schloss zu kaufen "mutig". Eos habe nun eine verantwortungsvolle Aufgabe zu tragen. "Das werden wir nicht alleine schaffen", sagte er. Eos suche deshalb Partner und Verbündete – zum Beispiel, um günstig Baumaterial beziehen zu können.

Um den Kaufpreis des Schloss-Areals herrscht nach wie vor Stillschweigen – im Mai 2018 war im Gemeinderat von rund 3,5 Millionen Euro die Rede. Roswitha Merazzi erklärte auf SÜDKURIER-Nachfrage zum Thema Finanzierung, dass der Verein einen Kredit für Kauf und Umbau aufgenommen habe.

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"Die Umbaukosten werden derzeit auf eine siebenstellige Summe im unteren Bereich geschätzt", sagte sie. Eos hofft, finanzielle Unterstützer zu finden. Michael Birnthaler betonte in der Gemeinderatssitzung auch, dass sich der Verein gut vernetzen und Kooperationspartner finden wolle. Gemeinderat Karlheinz Lehmann (FUW) trug ihm und seiner Kollegin daraufhin die Gewerbeschau in der Hohenfelshalle an – beide sagten direkt zu.

Zudem stand schnell im Raum, dass das interkommunale Netzwerkgespräch "Dreierlei", das dieses Jahr in Hohenfels stattfindet, vielleicht auf dem Schloss-Areal ausgerichtet werden könnte. Es gibt auch bereits weitere Ideen wie zum Beispiel Konzerte im Schloss oder ein Weihnachtsmarkt auf dem Gelände, so Bürgermeister Florian Zindeler. Vielleicht sei es auch möglich, den öffentlichen Nahverkehr hinzubringen. Er betonte auch, dass bereits Leerrohre für Glasfaser bis zum Schloss liegen, so dass es dort später schnelles Internet gebe.

Schloss Hohenfels im Januar 2019. Bild: Ramona Löffler
Schloss Hohenfels im Januar 2019. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Der Gemeinderat hat nach der Konzeptvorstellung eine Änderung des Bebauungsplans des Schloss-Areals beschlossen. Bisher lautete dessen Bezeichnung "Sondergebiet Internatsschule mit Sportanlagen" – nun ist es "Sondergebiet Tagungszentrum und Landschulheim". Das solle Freiraum zur Entwicklung des Gebiets geben, so Zindeler. In einem zweiten Planschritt könnten später die Weichen für Dinge gestellt werden, die jetzt noch nicht klar sind.

Schloss Hohenfels im Januar 2019. Bild: Ramona Löffler
Schloss Hohenfels im Januar 2019. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Für den ehemaligen Sportplatz gibt es den Gedanken, dort irgendwann Zeltplätze oder Ähnliches anzubieten. Außerdem steht noch ein Baufenster neben dem Haus Josenberg an der Straße entlang zur Verfügung. Dort gäbe es Erweiterungsmöglichkeiten, für die Eos bisher noch keine Pläne hat. Der Fokus liegt nun auf den Anträgen für alle Umbauten und mit Tagungszentrum, Landschulheim sowie Erlebnispädagogik zu starten.

Wie der Verein auf Hohenfels kam und wann was eröffnet wird

  • Entscheidung: Der Verein Eos Erlebnispädagogik richtet mit Schloss Hohenfels sein viertes Tagungszentrum ein. Der Verein kam auf den Standort, weil ehemalige ausgebildete Erlebnispädagogen und Eos-Freunde, die am Bodensee leben, darauf aufmerksam gemacht haben, erzählt Roswitha Merazzi, die Leiterin von Eos. Es sei somit ein wortwörlicher Zufall, weil es dem Verein zugefallen sei. "Als es dann so weit war, haben wir in der Eos-Gemeinschaft allen Mut zusammengenommen und Ja dazu gesagt."
  • Denkmalschutz und Umbau: Eos hat bereits durch die ehemalige Klosteranlage Allerheiligen, wo es ein Eos-Tagungszentrum gibt, Erfahrung mit dem Umbau eines historischen Gebäudes und dem Thema Denkmalschutz. "Das Schloss Hohenfels ist kulturell und historisch ein bedeutsames Gebäude, so dass der Denkmalschutz mit von der Partie ist und von uns ernst genommen wird. Ebenso ist uns auch die Barrierefreiheit und der Brandschutz ein Anliegen", sagt Roswitha Merazzi. "Da wir von den Behörden und vor allem von der Gemeinde Hohenfels nach Herzenskräften unterstützt werden, sind wir zuversichtlich, die hohen baulichen Anforderungen erfüllen zu können."
  • Zeitplan: Der Gemeinderat hat die Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht. Es seien für den Umbau noch verschiedene Anträge nötig, erklärt Roswitha Merazzi. "Die beiden vor dem Schloss stehenden Fachwerkhäuser, die zu Gästehäusern umgebaut werden, können vielleicht schon im Sommer eröffnen." Das Schloss selbst soll im Laufe des Jahres 2020 als Tagungszentrum in Betrieb gehen.
  • Schloss oder Burg: Beide Bezeichnungen kursieren – Schloss Hohenfels und Burg Hohenfels. Eos hat sich die Internetseite www.schloss-hohenfels.de für sein Tagungszentrum und Landschulheim gesichert. Dort gibt es Einblicke in das Vorhaben und Kontaktmöglichkeiten. Roswitha Merazzi erklärt, dass die Einrichtung den Namen „Schloss Hohenfels. Tagungszentrum & Teamwelt“ tragen werde. (löf)

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