Wo sich vor einen Jahr noch über 200 Gläubige bis vor die Tür drängten, blieben dieses Jahr an Heiligabend die Plätze in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Hilzingen leer. Denn zum ersten Mal fand der Familiengottesdienst aufgrund der Corona-Auflagen im Freien statt. So trotzten gut 50 Besucher und das Kirchenteam dem Regen an diesem Abend und feierten im Garten der Kirche die Geburt Jesu. Von der evangelischen Landeskirche hatte Pfarrer Michael Weber einen nach Inzidenzzahl gestaffelten Fahrplan erhalten. Darin waren die besonderen Schutzmaßnahmen definiert, die ein zehnköpfiges Team vor Ort umsetzte.

Auch im Freien ist für Mindestabstand gesorgt – und Heizstrahler

So war eine Teilnahme am Gottesdienst nur unter vorheriger Anmeldung und Angabe der Kontaktdaten möglich, am Eingang standen Desinfektionsspender bereit und jeder Besucher bekam einen durchnummerierten Platz im Garten zugewiesen, sodass der Mindestabstand von zwei Metern auch im Freien eingehalten wurde. Teile des Kirchenmobiliars, eine Lautsprecheranlage und die Orgel der Kirche wurden ins Freie gebracht und regensicher aufgestellt. Sogar für Heizstrahler war gesorgt.

Singen und Vaterunser müssen ausfallen. Doch es bleibt die frohe Botschaft

Auch im Ablauf des Gottesdienstes war manches anders als gewohnt. Wo sonst beim Krippenspiel die Kinder der Gemeinde mit großem Eifer die Weihnachtsgeschichte darstellten, waren dieses Jahr die Akteure auf Pfarrer Weber und die Vorsitzende der Gemeindeversammlung Silke Fehrenbach reduziert. Weil trotz Maskenpflicht für die Besucher gemeinsames Singen nicht erlaubt war, lag die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes mit Orgel und Gesang allein bei der Organistin Sabine Korn-Luick. Und auch das alle verbindende Vaterunser durfte nur von Pfarrer Weber gesprochen werden. Doch eines blieb für Weber auch in diesem ungewöhnlichen Jahr gleich: die frohe Botschaft der Geburt von Gottes Sohn, die den Menschen Friede, Hoffnung, Freude und Licht bringen soll.

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So war es Weber besonders wichtig, den Mitgliedern der Gemeinde durch die Gottesdienste Gelegenheit zu bieten, Kraft zu schöpfen und zu erleben, dass sie als Gemeinschaft gerade in diesen schwierigen Zeiten zusammenstehen. Eine Neuerung der evangelischen Kirche in Hilzingen war in diesem Jahr ein Seniorengottesdienst, der bereits am frühen Nachmittag im kleinen Kreis stattfand. Die Idee dabei war, auch Risikopatienten den Besuch eines Gottesdienstes zu ermöglichen. Das Konzept kam in der Gemeinde gut an, sodass Pfarrer Weber diesen besonderen Gottesdienst auch in Zukunft anbieten möchte.

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Ein Pfarrer und 15 Gottesdienste – jedoch waren nicht alle Plätze belegt

Weihnachten in den Kirchen in diesem so ganz anderen Jahr bedeutete: Nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern und „Oh du fröhliche“ durfte nicht gemeinsam gesungen werden. So war es auch in den sechs Pfarreien der römisch-katholischen Kirchengemeinde Hilzingen. Dort sorgten verschiedene Scholas der Kirchenchöre für die musikalische Umrahmung der Gottesdienste. Und um möglichst Vielen den Besuch eines Gottesdienstes zu ermöglichen, hatte Pfarrer Thorsten Gompper mit Unterstützung der Gemeindereferentin Simone Meisel, Pfarrer i.R. Konrad Diesch und den Liturgieteams einschließlich des Sonntags 15 Gottesdienste eingeplant. „Allerdings waren in keinem Gottesdienst alle verfügbaren Plätze belegt“, äußerte er, „überall war noch Luft.“

Bild: Elisabeth Stauder

Vertrautes aufgeben und Ungewissheit ertragen? Pfarrer sieht Parallelen zur Jesusgeschichte

Man merke die Angst der Leute vor der Pandemie und die Verunsicherung. Mittlerweile habe er aber auch schon Dankbarkeit für die Abhaltung der Gottesdienste erfahren dürfen. Natürlich bringen die Weihnachtstage für einen Pfarrer einen „Predigtmarathon„ mit sich, wie Pfarrer Thorsten Gompper verriet. Ausgehend von den Schrifttexten des jeweiligen Tages greife man aktuelle Geschehnisse auf. So verglich er in der Christmette an Heiligabend die Situation der Menschen im Jahr der Pandemie mit Maria und Josef. „Die Pandemie hat das Leben von uns allen verändert, wir mussten Vertrautes aufgeben und Ungewissheit ertragen. So erging es Maria und Josef, vertrautes Umfeld zurücklassen und die Ungewissheit nach einer Unterkunft. In genau dieser Situation ereignet sich die größte Nähe zwischen Gott und Mensch: Gott wird ein Mensch“, führte Gompper aus.

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Mit anderen in Kontakt kommen trotz Corona: Einfach mal wieder anrufen

Gerade in dieser Zeit, in der die Menschen mit Abstand und Distanz leben müssen, zeige die Weihnachtsbotschaft auf, dass Gott den Menschen nahe sein wolle. Die Weihnachtsbotschaft von der Nähe Gottes dürfe im Herzen bleiben, damit man anderen damit Hoffnung und Mut zusprechen könne. Trotz Distanz sei es wichtig, mit anderen in Kontakt zu kommen, zum Beispiel mit einem Telefonat.

Pfarrer Thorsten Gompper versuchte am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schlatt am Randen, die Weihnachtsbotschaft in den Alltag zu übersetzen.
Pfarrer Thorsten Gompper versuchte am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schlatt am Randen, die Weihnachtsbotschaft in den Alltag zu übersetzen. | Bild: Elisabeth Stauder

„Die Seinen nahmen ihn nicht auf“ hieß es im Evangelium am ersten Weihnachtsfeiertag. Darauf nahm Pfarrer Gompper Bezug und wies darauf hin, dass man Gott auch in anderen Menschen, egal welcher Herkunft, begegne. Aber auch 2020 sei immer wieder, wie die Bilder des Rassismus zeigen, Ablehnung zu erfahren.

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