Das waren noch Zeiten, als man zusammen mit den anderen Kindern vom Land im Spätsommer über die Streuobstwiesen tollte und sich so viele der goldgelben Mirabellen direkt vom Baum in den Mund steckte, bis der zuckersüße Saft die Mundwinkel hinunter troff. Zum Abendessen ging‘s dann nach Hause und schon im Hausflur strömte einem der Duft des von Mutter frisch gebackenen Brotes in die Nase.

Die alteingesessenen Weiterdinger, die am Fuße des Hohenstoffeln ihre Kindheit und Jugend verbracht haben, wissen noch viel zu erzählen. Damals sei das 500-Seelen-Dorf quasi autark gewesen. Einst gab es auch einen Schuhmacher, zu dem sogar die Duchtlinger vom zwei Kilometer entfernten Nachbarort ihre ausgetretenen Schuhe brachten, um sie neu besohlen zu lassen.

Noch vor 1980 hat sich die Ansicht von Weiterdingen auf Kirche und Schloss konzentriert.
Noch vor 1980 hat sich die Ansicht von Weiterdingen auf Kirche und Schloss konzentriert. | Bild: SK

Doch spätestens in den Achtziger Jahren seien in der Landwirtschaft immer größere Maschinen zum Einsatz gekommen, erinnert sich Engelbert Dreher. Gerade für kleinere und mittlere Betriebe seien diese Investitionen nicht mehr tragbar gewesen. Dreher erwies sich als Visionär und griff eine Idee aus Bayern auf, deren Kerngedanke die Zusammenarbeit von Landwirtschaftsbetrieben ist: Er gründete mit anderen Jungbauern im Kreis Konstanz einen Maschinenring, um sich einen Maschinenpark zu teilen und sich auch gegenseitig personell bei Notfällen aushelfen zu können.

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Auch wollten die Landwirte sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammenschließen, um Kosten zu sparen und so bessere Preise zu erzielen. 40 Jahre lang hatte Engelbert Dreher die Position des Geschäftsführers des Maschinenrings Kreis Konstanz inne.

Als er diese Verantwortung übernahm, war es noch nicht lange her, dass er von seinem Vater Leo als damals 18-Jähriger den elterlichen Hof übernommen hatte. Um in den Genuss des Altersgeldes zu kommen, musste der Vater das landwirtschaftliche Unternehmen abgeben. Auf 20 Hektar Land wurden Kartoffeln und Obst angebaut, im Stall standen zwölf Kühe.

Der Fahr-Traktor von damals wirkt im Vergleich zu modernen Traktoren wie ein Spielzeug.
Der Fahr-Traktor von damals wirkt im Vergleich zu modernen Traktoren wie ein Spielzeug. | Bild: SK

„Morgens und abends wurde gemolken, doch seien die Tiere, die 12 Liter pro Tier und Tag gegeben hätten, noch weit entfernt von den Hochleistungskühen heutiger Tage gewesen“, so Dreher. Zweimal am Tag lieferte er seine Milch in 20 Liter-Kannen ins Milchhüsle in Weiterdingen. Dort wurde die Milch entrahmt und von der Magermilch getrennt. Herrmann Wittmer aus Duchtlingen transportierte den Rahm dann zum Bahnhof in Welschingen. Von dort aus ging die Sahne per Bahn nach Radolfzell ins Milchwerk.

Einen weiteres Geschäftsfeld war das Korn. Engelbert Dreher verkaufte zum Beispiel seine Gerste an die Brauerei Auer in Mühlhausen. Auch Felsenbräu in Engen und Bilger-Bier in Gottmadingen seien lokale Abnehmer gewesen.

Getreideernte in Duchtlingen, als es noch keinen Maschineneinsatz gab. Spätestens ab den Achtzigern wurden Landmaschinen aber immer wichtiger.
Getreideernte in Duchtlingen, als es noch keinen Maschineneinsatz gab. Spätestens ab den Achtzigern wurden Landmaschinen aber immer wichtiger. | Bild: SK

Um sein drittes Standbein, Obst und Gemüse, zu vermarkten, fuhr er am Samstag auf den Wochenmarkt nach Singen verkaufte dort Mirabellen, Zwetschgen und im Herbst die Kartoffeln in 50-Kilo-Säcken. Er habe immer den Stand ganz hinten gehabt, denn er sei erst um 7 Uhr morgens gekommen, während andere schon um 4 Uhr dagewesen seien, um sich die besten Marktplätze zu sichern.

In Weiterdingen habe es einst an die 100 landwirtschaftlichen Betriebe gegeben, wie sich der 86-jährige Erich Butsch erinnert. Ein Drittel davon seien Selbstversorger gewesen, der Rest Vollerwerbs- und Teilerwerbslandwirte, wie er schätzt.

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Mit dem Fahr-Traktor als Zugmaschine sei er oft am frühen Morgen mit Kartoffeln, Gerste oder Weizen auf dem Hänger an den Bahnhof in Welschingen gefahren, wo die landwirtschaftlichen in den Waggons verstaut wurden.

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