Wer als Fremder in Gottmadingen unterwegs ist, der kann schnell mal die Orientierung verlieren. Es sei denn, er fährt einfach an der B34 entlang durch den Ort. Das geht ganz gut auf der Strecke von Bietingen nach Singen. Der Nachteil ist allerdings, dass man sich mit dem starken Durchgangsverkehr die Fahrbahn teilen muss. Dabei gäbe es genügend Möglichkeiten, auf anderen Straßen zum Ziel zu kommen.

Die Mobilitätswende braucht Anhänger

Wenn das Radfahren in der Gemeinde attraktiv werden und die Mobilitätswende gelingen soll, so müssen die sicheren Wege für Zweiräder möglichst rasch ausgewiesen und Gefahrenpunkte entschärft werden. Dazu passt, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau des Radhauses am Bahnhof begonnen werden soll.

Mit diesem Fahrradunterstand am Bahnhof ist kein Staat mehr zu machen. Noch in diesem Jahr soll mit dem Neubau eines Radhauses begonnen werden.
Mit diesem Fahrradunterstand am Bahnhof ist kein Staat mehr zu machen. Noch in diesem Jahr soll mit dem Neubau eines Radhauses begonnen werden. | Bild: Trautmann, Gudrun

In einem Aufwasch mit der B34

Bürgermeister Michael Klinger, Bauamtsleiter Urban Gramlich und dem Straßenfachmann Joachim Dutt ist das Thema so wichtig, dass sie nun zur Eile drängen. Zwar gibt die Gemeindekasse eigentlich nicht mehr viel für den Radverkehr her, aber die Gelegenheit ist trotzdem günstig. Das mag paradox klingen. Michael Klinger erklärt es aber ganz praktisch: „Das Land will den Straßenbelag der B 34 sanieren und drückt dabei aufs Tempo. Wenn wir unser Radthema dort integrieren wollen, müssen wir in diesem Jahr vorankommen.“

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Freie Wähler haben schon vorgearbeitet

Die Freien Wähler sind schon einen Schritt voraus gegangen und haben die Gemeinde in zwei Gruppen mit je 20 Teilnehmern unter dem Aspekt der Fahrradtauglichkeit erkundet. Herausgekommen ist ein Wunschkatalog, der als Dokumentation vorliegt und in die Bürgerwerkstatt einfließen soll. Diese Aktion unterstreicht den Eindruck, dass Gottmadingen zwar überörtlich gut vernetzt ist, die Verbindungen quer durch den Ort aber fehlen.

Radler entwischen leichter als Autofahrer

Bereits 2019 hat sich der Gemeinderat schwerpunktmäßig mit dem Thema Radverkehr beschäftigt und Befragungen durchgeführt. „Das war gar nicht so einfach, weil Radler sehr viel flexibler unterwegs sind und schnell an den Befragungsstellen vorbeifahren“, erinnert sich Joachim Dutt. „Autofahrer sind viel leichter zu befragen als Radler.“

Erschwert sind in Gottmadingen die Bedingungen für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und für Radler, die zum alten Rathaus oder zur Hebelschule kommen wollen.
Erschwert sind in Gottmadingen die Bedingungen für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und für Radler, die zum alten Rathaus oder zur Hebelschule kommen wollen. | Bild: Tesche, Sabine

Mit den Bürgern gemeinsam planen

Die Planer wollen aber nicht am Bedarf vorbeiplanen. Sie wollen herausfinden, wie Freizeitradler gut durch den Ortskern kommen, wie Schüler sicher mit dem Rad zur Schule kommen, welche Wege Berufspendler nehmen, die täglich mit dem Rad unterwegs sind. Um diese Fragen zu klären, brauchen sie die Bürger, die praxiserprobt sind. Ihre Ideen sind gefragt, wenn es um sichere Radrouten in Gottmadingen geht. Sie sollen sich aktiv an der Verkehrsentwicklung in der Gemeinde beteiligen.

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Ideen aus der Praxis sind gefragt

Von der Zustimmung hängt schließlich auch ab, ob das Radverkehrskonzept funktioniert. Deshalb sind am Samstag 10. April um 14 Uhr vier verschiedene Radtouren durch Gottmadingen mit Bürgern geplant. Voraussetzung ist, dass die Corona-Bedingungen das zulassen. Vor Ort können die Teilnehmer direkt Lösungsvorschläge für Problembereiche machen. Schon bis zum 6. April besteht die Möglichkeit für schriftliche Anregungen direkt an die Verwaltung. „Wir befinden uns immer noch in der Input-Phase“, erklärt Dutt den Entwicklungsstand. Später werde nach Machbarkeit entschieden. Und Michael Klinger ergänzt: „Nicht alles muss teuer sein. Manchmal reicht eine neue Beschilderung oder andere Vorfahrtsregeln.“ Für finanzielle Fantastereien werde aber kein Geld vorhanden sein.