„Darf ich nochmal verlängern?“, fragt ein Badegast und huscht zur Kasse. Beim Blick auf die Uhr hat er festgestellt, das sein Zeitkontingent von drei Stunden im Steißlingen Bad aufgebraucht ist. Stefan Kronenbitter lacht zustimmend. Seit dem 15. Juni darf der Kioskpächter auch das Bad am Naturbadesee betreiben. Mit der Gemeindeverwaltung hat er sich darauf geeinigt, dass sich maximal 500 Personen gleichzeitig im Bad aufhalten dürfen. In normalen Sommern können es an schönen Tagen bis zu fünfmal so viele Badegäste sein. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist nichts normal. Und so hat die Gemeinde Steißlingen am Eingang des Bades zwei Sicherheitskräfte unter Sonnenschirme gestellt, die die Besucher Einlasszettel ausfüllen lassen. Sie soll bei einer Neuinfektion die Nachverfolgung ermöglichen.

Stefan Fritsch nimmt am Eingang des Steißlingen Bades ein Anmeldeformular entgegen, das er von Jörg Ebner (Mitte) ausgehändigt bekommt. Kioskbetreiber Stefan Kronenbitter (rechts) ist froh, dass das Bad wieder geöffnet wurde. Bild: Gudrun Trautmann
Stefan Fritsch nimmt am Eingang des Steißlingen Bades ein Anmeldeformular entgegen, das er von Jörg Ebner (Mitte) ausgehändigt bekommt. Kioskbetreiber Stefan Kronenbitter (rechts) ist froh, dass das Bad wieder geöffnet wurde. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun

Personenzahl im Blick

Um die Personenzahl im Blick zu haben, lässt Stefan Kronenbitter an der Kasse kleine Chips verteilen. „Wenn die knapp werden, müssen die neuen Besucher warten, bis wieder Plätze frei werden“, erklärt er das System. Bisher sei das aber noch nie der Fall gewesen. Geduldig nehmen die Besucher die kurzen Wartezeiten in Kauf. Sie sind froh, dass sie in diesem ungewöhnlichen Sommer überhaupt schwimmen dürfen.

Wo sich an heißen Tagen sonst Menschen auf den Liegewiesen Handtuch an Handtuch drängen, herrscht nun Übersicht. Die Abstandsregeln zur Bekämpfung des neuartigen Virus‘ werden eingehalten. Im Wasser verteilen sich die Schwimmer sowieso gut. Nur auf den Stegen sind Abtrennungen und Wegweiser angebracht.

Obwohl Stefan Kronenbitter weniger Gäste hat, hat er mehr zu tun. Seit 30 Jahren betreibt er Kioske an Freibädern, davon 25 Jahre als Selbstständiger. Doch einen Sommer wie diesen hat er noch nicht erlebt. Die finanziellen Auswirkungen kann er noch nicht abschätzen. Deshalb treibt ihn die Sorge vor der Schlussrechnung täglich um.

Die Pächterin des Kiosks im Naturbad Aachtaal in Worblingen, Nurhayat Aktas, ist auch für die Badeaufsicht zuständig. Sie hofft, dass trotz der Corona-bedingten Hygieneregeln noch mehr Besucher den Weg ins Bad finden werden. Bild: Gudrun Trautmann
Die Pächterin des Kiosks im Naturbad Aachtaal in Worblingen, Nurhayat Aktas, ist auch für die Badeaufsicht zuständig. Sie hofft, dass trotz der Corona-bedingten Hygieneregeln noch mehr Besucher den Weg ins Bad finden werden. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun

So ergeht es auch Nurhayat Aktas im Worblinger Naturbad. Auch sie ist seit 2009 als Pächterin und Badeaufsicht selbstständig. Mit Sorge blickt sie auf die schwachen Besucherströme. Seit 18. Mai hat sie ihren Kiosk wieder geöffnet, seit 20. Juni auch das Bad. Doch die Frequenz ist schwach. Manche Besucher kämen mit dem elektronischen Ticketsystem nicht so gut zurecht, sagt sie. Die Gemeinde sei aber behilflich. Zur Nachverfolgung müssen Kiosk-Gäste nur einen Besucherschein mit Kontaktdaten ausfüllen, der später wieder vernichtet wird. Nun hofft die Pächterin, dass die Schulferien ihr noch mehr Gäste bescheren, weil vielleicht weniger Menschen verreisen.

Schwimmmeisterin Rita Assire (Mitte) erklärt zwei Jugendlichen im Hilzingen Freibad die Baderegeln in Corona-Zeiten. Bild: Sabine Tesche
Schwimmmeisterin Rita Assire (Mitte) erklärt zwei Jugendlichen im Hilzingen Freibad die Baderegeln in Corona-Zeiten. Bild: Sabine Tesche | Bild: Tesche, Sabine

Im Großen und Ganzen haben sich die Gemeinden im Hegau mit Freibädern auf ein einheitliches System mit Online-Tickets, Wegemarkierungen, Maskenpflicht und Absperrungen geeinigt. In der Umsetzung gibt es je nach Bad Unterschiede im Detail. So können zum Beispiel in Hilzingen bisher nur Einzeltickets online gebucht werden für zwei Zeitfenster mit je 900 Gästen. Einige ältere Gäste ohne Zugang zu Computern waren darüber verärgert. „Wir haben reagiert und bieten im Rathaus Ticket-Buchungen für Senioren an“, sagt Hauptamtsleiter Markus Wannenmacher. „Wir haben seit dem 15. Juni geöffnet. Bisher wurden insgesamt knapp 1000 Online-Tickets bestellt.“ Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer schaut regelmäßig im Bad vorbei und bezeichnet das Baden als sehr angenehm. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir überhaupt geöffnet haben“, sagt er. Die Gemeinde sei auch bereit nachzujustieren. Dass nur Einzeltickets gebucht werden können, kommt bei Vielschwimmern nicht gut an. Einige haben sich nun eine Saisonkarte für das Singener Aachbad gekauft, wo auch noch Barzahlung möglich ist.

600 Badegäste zwischen 11.30 und 20 Uhr

Im Engener Erlebnisbad wurde noch bis zum Wochenende gearbeitet, weil zum Corona-Problem auch noch neue Rohrleitungen eingebaut werden mussten. Seit Samstag kann aber auch hier in umzäunten Becken in zwei Zeitfenstern gebadet werden. „Während sich sonst 1500 bis 2000 Personen im Bad aufhalten dürfen, können wir jetzt nur 200 Gäste zwischen 8.30 und 10.30 Uhr und 600 zwischen 11.30 und 20 Uhr reinlassen“, sagt Heike Bezikofer von der Stadtverwaltung. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, wurden die Umkleidekabinen und Schließfächer nur zum Teil geöffnet. Auch in Engen können Eintrittskarten nur online gekauft werden. Mit Plänen wird den Schwimmern die Schwimmrichtung erklärt. In Engen werden sie in Schlangenlinien langsam zum Ausgang gelotst.

„Alles ist gut organisiert“

Auch in Gottmadingen ist der Badebetrieb mit maximal 500 Besuchern pro Zeitfenster übersichtlich. „Sonst haben wir zwischen 1000 und 3000 Besucher am Tag“, erklärt Schwimmmeister Guido Schäfer. Das elektronische Buchungssystem werde zunehmend angenommen. Anfangs habe es Diskussionen mit Schweizer Badegästen wegen der Maskenpflicht gegeben, die in der Schweiz bisher nicht galt. „Aber die meisten Gäste sind sehr froh, dass das Schwimmbad überhaupt geöffnet ist, auch wenn manche Wasserattraktionen im Becken fehlen.“ Arthur Kaminski aus Gottmadingen ist mit seiner Frau und den drei Kindern, ins Höhenfreibad gekommen. Am bisher heissesten Tag hat er sich gewundert, dass der Einlass trotz Online-Ticket so lange dauerte. Sonst ist er angenehm überrascht. „Die Abstände lassen sich gut einhalten und alles ist gut organisiert“. Kaminski freut sich, dass das Bad trotz besonderer Regeln geöffnet ist. Alexander Kopp ist bei der Gemeinde für das Höhenfreibad zuständig. Er lobt die Abstimmung mit den anderen Hegau-Gemeinden in der Umsetzung der Hygieneregeln, auch wenn die Umsetzung sehr aufwendig war. „Der Arbeitsaufwand ist immens und betrug bei uns sicher mehrer Hundert Stunden.“ Kopp lobt aber auch die Disziplin der Besucher, die die meisten Regeln einhalten.