Die Pläne für den Horner Hafen haben einige Ehrenrunden in Fachbehörden gedreht: Zwischen erstem Entwurf und der finalen Planung liegen vier Jahre. Nun lag sie wieder auf dem Tisch des Gemeinderats. Und dieser zeigte sich zufrieden, sodass die Umgestaltung greifbar wird.

Bislang funktional gestaltet

Aktuell ist das renaturierte Ufergelände mit je zwei Stegen und Wasserrampen funktional geprägt. Am Ufer befinden sich weiche Böschungen und eine Schilfzone, in die aus der Sicht der Wasserschutzbehörde nicht eingegriffen werden darf. Zudem stehen Teilflächen unter Naturschutz. Der ursprüngliche Entwurf hatte einen Weg entlang der Böschung vorgesehen sowie eine Multifunktionsfläche zum Wenden von Fahrzeugen an der Slipanlage.

Dieses Archivbild zeigt den Hafen in Horn. Er soll deutlch aufgewertet werden.
Dieses Archivbild zeigt den Hafen in Horn. Er soll deutlch aufgewertet werden. | Bild: gla

Kleinerer Wendehammer

Der Wendebereich ist verkleinert worden, sodass weniger Fläche versiegelt wird zu Gunsten von mehr ökologisch wertvollen Flächen. „Endlich haben wir eine Planung, die man umsetzen kann“, freute sich Bürgermeister Uwe Eisch in der Sitzung des Gemeinderats: „Wir hoffen, dass sie vom Regierungspräsidium akzeptiert wird.“

Keine weiteren neuen Wege

Gegenüber dem ersten Entwurf wurde der Promenadenweg verschmälert. Auf neue Wegebeziehungen wurde ebenso verzichtet. Die geplanten Liegen sollen künftig frei in der Wiese stehen. Auch ein Holzdeck soll über eine Wiese erreichbar sein. Zudem soll die Beleuchtung insektenverträglich gestaltet werden. Der überarbeitete Entwurf sieht vor, dass englische Rasen durch Blumenrasen mit heimischer Bepflanzung ersetzt werden. „Damit müssten alle Vorgaben aus dem Naturschutz erfüllt sein“, sagte Christian Seng. Grundlage hierfür sei das Verschlechterungsverbot, erläuterte der Landschaftsplaner: „Wir reduzieren die Versiegelung und haben nun eine gestalterische wie ökologische Aufwertung.“

Arenapflaster an Promenade

Die Uferpromenade soll antik anmutende Arenapflastersteine erhalten. „Sie sind optisch an das Wackenpflaster angelehnt, bei der man einen Kompromiss aus Optik und Funktionalität hat“, erklärte Christian Seng. Rund um die Multifunktionsfläche sollen Säuleneichen gepflanzt werden, die den Platz betonen und Anliegern den Blick zum See möglichst wenig einschränken.

Auch Einheimische sollen profitieren

In der Aussprache legte Mechtild Bichele (CDU) Wert darauf, dass die Anlage nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische nutzbar sein soll – vor allem für die ältere Bevölkerung. Landschaftsplaner Seng versicherte, dass die Topografie ebenerdig und die Wege mit Rollatoren begehbar seien. Er nahm die Anregung auf und schlug vor, die Holzbänke mit Armlehnen zum besseren Aufstehen auszustatten. Der ursprüngliche Entwurf ermöglichte kleine Veranstaltungen am Hafen. Auf Rückfrage von Karl Amann (UBL) verwies Seng auf das Holzdeck, das als Bühne genutzt werden könne sowie auf die Möglichkeit, mobile Bühnen zu errichten. Die technische Infrastruktur mit Strom, Wasser und Abwasser sei vorhanden. Für größere Veranstaltungen empfahl Bürgermeister Uwe Eisch das Strandbad. Christa Schuler (Die Aktiven) freue sich nun, dass es vorwärts geht.

Auseinandersetzung mit Naturschutz

Der neue Entwurf lege den Blick auf das Essentielle, sagte Ingo Bucher-Beholz (UBL). Die Auseinandersetzung mit dem Naturschutz habe zu einer Besinnung geführt, die den Entwurf nicht schlechter gemacht habe. Die Uferanlage sei nun klarer, reduzierter und markanter. Heinz Burkart (UBL) befürchtete ohne die einst geplanten Wege künftig Laufstraßen durch die Wiesen. Ebenso empfindet er das Schilfgebiet bei niedrigem Wasserstand als Geruchsbelästigung. Für eine Umgestaltung des Schilfgebiets im Wasserschutzgebiet sieht Christian Seng keine Chance. Auch sei eine Neusondierung des Naturschutzgebiets mit der derzeitigen Personaldecke nicht leistbar, gab Seng aus Gesprächen mit dem Regierungspräsidium wieder: Dort sei aber erkannt worden, dass es schützenswertere Bereiche gebe.

Ziel: Keine Präzedenzfälle

Obwohl der Gemeinderat dem Entwurf einhellig zustimmte, löste das Planverfahren eine hitzige Debatte aus. Karl Amann (UBL) schlug einen gemeindeeigenen Tausch vor, bei dem Landschaftsschutzgebiete in höherwertige Naturschutzgebiete umgewidmet werden könnten. Bürgermeister Eisch sah keine Chance hierfür, da er darin die Schaffung von Präzedenzfällen sieht, die das Regierungspräsidium vermeiden wolle. Alexander Ruhland (Freie Wähler) versuchte, die generellen Probleme der Gemeinde mit dem Naturschutz in Worte zu fassen: „Wir leben eigentlich in einer Demokratie, aber das ist für mich eine Naturschutz-Diktatur.“ Verärgert war Klaus Sturm (Freie Wähler) darüber, dass eine Modalitätsänderung des Schutzgebiets mit Personalknappheit begründet werde. Nach der jahrelangen Planung sehe er sich an der Nase herumgeführt.

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