Als sich Eva Eberwein vor 15 Jahren entschloss, Haus und Garten in Gaienhofen zu übernehmen, war beides in denkbar desolatem Zustand. Obwohl das Haus, 1907 von Mia und Hermann Hesse erbaut, unter Denkmalschutz stand, wäre es beinahe abgerissen worden – zu lange hatten sich keine Käufer gefunden. Der Garten war ein überwucherter Dschungel. Heute befindet sich beides wieder in bestem Zustand.

Dank des Original-Gartenplanes, den Eberwein im Literaturarchiv in Marbach zu Tage förderte, konnte die Ursprungsidee des Dichters genauer gefasst werden. Einige Pflanzen des alten Bestandes, so der Birnbaum, sind noch heute erhalten. Sie herauszuschälen und mit weiteren zeittypischen Sorten zu ergänzen, war eines der Hauptanliegen der Diplom-Biologin. Heute trägt der Garten stolz die Natur-Garten-Plakette und war als historischer Garten beim Preis der Bodenseegärten nominiert. Beim Garten-Rendezvous ist der Künstlergarten seit Jahren dabei.

Diplom-Biologin Eva Eberwein pflegt in ihrem Garten alte Sorten – auch Dahlien, die Hermann Hesse liebte. Im Hintergrund das von ihm und seiner Frau Mia vor 111 Jahren erbaute Haus in Gaienhofen. Bild: Doris Burger
Diplom-Biologin Eva Eberwein pflegt in ihrem Garten alte Sorten – auch Dahlien, die Hermann Hesse liebte. Im Hintergrund das von ihm und seiner Frau Mia vor 111 Jahren erbaute Haus in Gaienhofen. Bild: Doris Burger

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Garten kennenzulernen: Bei einer Gartenführung erfahren Besucher am meisten. Da labt sich beispielsweise ein Taubenschwänzchen, ein dicker seltener Schmetterling, an unscheinbaren Blüten. "Ja", bestätigt die Biologin, "die besondere Flora zieht auch eine besondere Fauna nach sich." Und sie erzählt von Echsen und Igeln und einer kleinen Fledermausart, die im Garten wieder heimisch geworden ist. Von über 100 Dahlienarten, die bereits Hesse kultivierte. Von alten Nutzpflanzen wie dem Kornelkirschenbaum.

Auch individuell kann der Garten besucht werden

"Wenn wir Kapazität haben und das Wetter passt, hängen wir ein Schild mit der Telefonnummer raus", sagt Eva Eberwein. Die Gäste werden dann persönlich gegrüßt und erhalten eine kleine Einführung, fünf Euro zum Erhalt des Gartens kostet der Eintritt. Sie haben Gelegenheit, Fragen zu stellen und Zeit satt: Wer mag, kann es sich auf einem der Ruheplätze bequem machen und in der bereit gestellten Hesse-Literatur lesen. Oder direkt im schön bebilderten Buch, das Eva Eberwein zur Geschichte des Gartens geschrieben hat.

Adresse: Hermann-Hesse-Haus, Familie Eva Eberwein, Hermann-Hesse-Weg 2, 78343 Gaienhofen, www.hermann-hesse-haus.de