Holle Rauser

Er liegt eher symbolisch auf dem Pult des Auktionators: Der Hammer, mit dem das Höchstgebot besiegelt wird. Bei der Kunstauktion, zu der Michael Kicherer am vergangenen Samstag ins Krenkinger Schlössle in Engen geladen hatte, blieben die drei Schläge aus. „Das Geräusch würde zu sehr ins Mikrofon knallen“, erklärt Kicherer. Denn die meisten Auktionen finden heutzutage nicht nur für Anwesende statt. „Wir sind in verschiedenen Auktionsportalen, auch für internationale Interessenten“, so Kicherer.

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Praktisch aus aller Welt können interessierte Käufer über Onlineportale mitbieten, die Auktion läuft live. Hier trifft Hightech auf hohe Kunst: Mehrere Bildschirme sind aufgebaut, drei Mitarbeiter beobachten, ob Onlinebieter Gebote abgeben. Die Kunstwerke, hier als „Lot/Los“ bezeichnet, werden mit Nummern, Startpreis beziehungsweise Schätzpreis auf einem Monitor gezeigt.

Auktionator Michael Kicherer (rechts) verliest Titel und Künstler der Arbeiten und gibt bei vielen Werken Hintergrundinformationen zur ...
Auktionator Michael Kicherer (rechts) verliest Titel und Künstler der Arbeiten und gibt bei vielen Werken Hintergrundinformationen zur Entstehung oder Vorbesitz. Sein Team überwacht die Technik und kontrolliert, ob Online-Gebote gemacht werden. | Bild: Holle Rauser

Die repräsentativen, klassischen Räume im Krenkinger Schlössle wirken wie für Kunst gemacht. An allen Wänden warten die Bilder – vorwiegend Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert – auf ihre Versteigerung, die unter dem Titel „Tendenzen der Moderne“ läuft. Über 140 Arbeiten, Drucke, Plakate und Ölmalereien, Aquarelle und Zeichnungen von renommierten Künstlern wie Willi Baumeister, Hans Breinlinger oder HAP Grieshaber bis zu Picasso, Dix, Miro oder Ida Kerkovius, deren Werk in Engen 2017 in eine große Sonderausstellung gezeigt wurde, stehen zu Gebot.

Für Spontane: Die Kunstauktionen werden am Eingang des Krenkinger Schlosses angekündigt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, zum ...
Für Spontane: Die Kunstauktionen werden am Eingang des Krenkinger Schlosses angekündigt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, zum Mitbieten muss man sich allerdings anmelden. | Bild: Holle Rauser

Vor Beginn der Auktion liegt etwas Anspannung im Raum. Funktioniert die Technik? Stimmt die Uhrzeit? „Wir kontrollieren, ob die Software richtig läuft und haben zuvor einen Probedurchlauf gemacht, Handgriffe geübt“, so Thomas Doerk. Gerade die Mischung aus Internet- und Live-Auktion lasse mitfiebern, sind sich die Mitarbeiter einig. „Wenn man merkt, dass einige das gleiche Bild wollen, bringt das Spannung rein“, so Bruno Grimm.

Im Krenkinger Schloss in Engen hat die Auktion stattgefunden.
Im Krenkinger Schloss in Engen hat die Auktion stattgefunden. | Bild: Biehler, Matthias

Punkt 14 Uhr steht das erste Kunstwerk zur Versteigerung: Ein signiertes Pastell von Max Ackermann mit einem Ausrufpreis von 2400 Euro. Für das folgende, farbintensive Ölgemälde von Ackermann werden mindestens 18.000 Euro erwartet. Doch wie der Katalog zeigt, geht es bei Zeichnungen und Seriendrucke schon ab 100 Euro los.

In das Auktionszimmer haben sich nur wenige Personen gewagt, die meisten als Zuschauer. Auktionator Kicherer gibt zu den Arbeiten Hintergrundinformationen. Dass man beim Kopfkratzen versehentlich einen Picasso ersteigert, ist unwahrscheinlich: Die Bieter müssen sich anmelden und halten bei Interesse ein rosafarbenes Blatt in die Höhe.

Einen stressigen Job hat Michael Kalmbach. Er ruft Bieter, die Interesse an einem bestimmten Bild haben, kurz vor dessen Versteigerung an und teilt ihnen den Verlauf der Gebote „live“ mit. Eine Arbeit des Künstlers Franz Lenk wird für 7500 Euro ersteigert, an einen Käufer im Internet. Etliche Arbeiten gehen an telefonische Bieter.

Michael Kicherer muss Saalbieter, Telefon- und Internetteilnehmner berücksichtigen. Bei der ersten Auktion im Krenkinger Schlössle bot ...
Michael Kicherer muss Saalbieter, Telefon- und Internetteilnehmner berücksichtigen. Bei der ersten Auktion im Krenkinger Schlössle bot allerdings nur ein Käufer vor Ort mit. | Bild: Holle Rauser

Kurz vor Ende der Auktion wird es dann noch spannend. Der einzige Saalbieter liefert sich ein Bieterduell mit dem telefonisch zugeschalteten Interessenten. Das Objekt der Begierde: Das Aquarell „Bodensee“ von Kurt Weinhold. Bei einem Startpreis von 1000 Euro geht es für 1400 Euro an den Telefonbieter. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“, zählt Auktionator Kicherer, seine Mitarbeiter lassen die Online-Auktion parallel dazu herunterzählen. Nach gut zwei Stunden ist die Veranstaltung zu Ende, Kunsthändler Michael Kicherer zeigt sich zufrieden. „Es waren zwar mehr Bieter angemeldet, aber oft melden sich Interessenten dann einige Tage später noch“.