Thomas Umbscheiden hält die Stellung. Dieser Tage ist der Direktor des Engener Gymnasiums der einzige, der nach wie vor das Schulgebäude betritt. „Selbst die Sekretärin arbeitet im Home-Office“, berichtet er.

Aber auch wenn es in den Klassenräumen und auf den Gängen gespenstisch still ist, herrscht in Umbscheidens Büro reger Betrieb. Genauer gesagt: auf seinem Computerbildschirm. „Über unsere Schulcloud stehe ich mit Lehrern, Schülern und Eltern in Kontakt“, erklärt er.

Videokonferenzen mit den Schulleiter-Kollegen? Elternabende am Computer? Dank Internet alles möglich. „Schon vor Corona haben sich einzelne Schulklassen ja über WhatsApp vernetzt. Jetzt haben wir Klassenchats eingerichtet, bei denen wir als Lehrer mitlesen und kommentieren können.“ Inhaltlich gehe es in diesen Gruppen tatsächlich um den zu bewältigenden Lernstoff, lobt der Schulleiter. „Die Schüler sind da sehr diszipliniert.“

Fast alle 500 Schüler sind vernetzt

480 sind Schüler bereits Teil des Chat-Netzwerkes, das die Schule in wenigen Tagen aufgebaut hat. Bei den übrigen 20 habe es technische Hürden gegeben, die nun schrittweise beseitigt würden. Bei den Lehrern war das nicht nötig: Unterstützt von der Stadt Engen habe man das Kollegium schon vor einiger Zeit technisch ausgestattet. „Jeder hat einen schnellen PC. Das ist jetzt in der Krise sehr wertvoll.“

Ebenfalls wertvoll: Dass das Gymnasium im Gegensatz zu vielen anderen Schulen jahrelang Erfahrungen mit der Lernplattform Moodle gesammelt hat. Denn wenn der Unterricht schon nicht im Klassenzimmer stattfinden kann, dann doch wenigstens im Rahmen dessen, was Umbscheiden als Corona-Kurse beschreibt: „Die Kollegen stellen Material auf Moodle ein, das die Schüler dann mit einem Klick auf den Namen ihres jeweiligen Fachlehrers herunterladen können.“

Aus 90 werden 45 Minuten

Da der technische Aufwand trotz allem nicht zu unterschätzen sei, soll das Bearbeiten dieser Aufgaben nur etwa halb so viel Zeit in Anspruch nehmen wie der jeweilige Fachunterricht. Umbscheiden macht ein Beispiel: „Hätte ich als Schüler an einem Montag eine Doppelstunde Geschichte, dann habe ich jetzt Geschichtsaufgaben, die ich, statt in 90 in 45 Minuten fertigstellen kann.“

Ein Beispiel für den Corona-bedingten Wandel: Die Schüler der Klasse 5b können sich in einem Klassenchat austauschen und die von ihren Lehrern online gestellten Unterrichtsmaterialien von zuhause aus aufrufen.
Ein Beispiel für den Corona-bedingten Wandel: Die Schüler der Klasse 5b können sich in einem Klassenchat austauschen und die von ihren Lehrern online gestellten Unterrichtsmaterialien von zuhause aus aufrufen. | Bild: Schulleitung

Seit der Schließung des Gymnasiums, sei es dabei hauptsächlich um das Auffrischen bereits bekannten Stoffs gegangen. Das wird sich aber ändern.

Noten muss es weiter geben

Es sei vom Kultusministerium angekündigt worden, dass das jetzige Schulhalbjahr normal zählt. Für das Engener Gymnasium bedeutet das, dass man Wege finden muss, den Schülern neue Lerninhalte zu vermitteln – und diese abzufragen. Eine Möglichkeit, an Noten zu kommen sind Video-Referate. Er habe aber auch schon mitverfolgen können, wie Schüler zeitgleich einen Französisch-Test im Internet ausfüllten, berichtet Umbscheiden.

„Am härtesten betroffen sind derzeit wohl unsere Abiturienten“, erzählt der Direktor weiter. Nicht nur die isolierte Vorbereitung auf die Prüfungen bereite den Schülern Sorgen, sondern auch das komplette Drumherum. „Was passiert zum Beispiel mit dem Abiball?“, führt Umbscheiden aus.

Eine herausfordernde Zeit für alle

Ein weiteres Problem: Der Betreuungsaufwand für die Eltern. „Wenn eine Familie Kinder an mehreren Schulen hat, erhöht sich das noch einmal.“ Umbscheiden spricht aus persönlicher Erfahrung: „Wir haben vier Kinder an vier Schulen – jede arbeitet mit einem eigenen Online-System. Da stößt man als Eltern zwangsläufig an Grenzen.“

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Egal wie lange die Schließung andauern wird, dem Direktor ist klar, dass die Schulgemeinschaft eine historische Herausforderung bewältigt. „So manchem mag das nicht bewusst sein, aber wir erleben gerade Dinge, über die später in Geschichtsbüchern geschrieben wird.“

Aus diesem Grund hat Thomas Umbscheiden seine Schüler gebeten, Tagebuch zu führen: Alles Positive, was sie derzeit erleben, sollen sie festhalten – egal, ob in Texten, Collagen, Liedern oder Tänzen. „Ich bin jetzt schon gespannt, was wir uns gegenseitig zeigen können, wenn wir uns endlich alle wiedersehen.“

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