Die Situation am Seeufer ist durch die Besuchermassen schwierig, doch der Einsatz von Security-Kräften wäre mit so hohen Kosten verknüpft, dass die Gemeinderäte am Dienstag nichts überstürzen wollten, obwohl alle sagen, dass die Zeit dränge: Ob wirklich ein Sicherheitsdienst den Gemeindevollzugsdienst bei der Umsetzung der Corona-Verordnung sowie des Bade- und Lagerverbots in den Uferanlagen unterstützen soll, bleibt bis kommende Woche noch offen. Die Diskussion soll in einer Zusatz-Sitzung in die dritte Runde gehen – dann mit Entscheidung. Die Meinungen sind aber bereits deutlich, der Kostenrahmen klar und im Internet sorgen die Banner zur Verdeutlichung der Polizeiverordnung für Spott.

Die Meinungen im Internet gehen auseinander

Im sozialen Netzwerk Facebook wurden Fotos der Banner und Schilder von Bodman-Ludwigshafen gepostet, auf denen mit Piktogrammen und Schrift die Verbote am Ufer aufgeführt sind. Diese Bilder sind allerdings in einer Konstanz-Gruppe, nicht einer von Bodman-Ludwigshafen. Dort machen sich die Mitglieder zum Beispiel über ein Symbol auf einem Spielplatz-Schild lustig. Die Nutzer spotten, ob dieses Piktogramm Steakwendeverbot bedeute oder dass man keine Schildkröten grillen dürfe.

Ein Schild am Spielplatz im Uferpark von Bodman
Ein Schild am Spielplatz im Uferpark von Bodman | Bild: Löffler, Ramona

Eine Nutzerin warf ein, dass sich ohnehin niemand die Regeln auf den Bannern und Schildern halte. Eine andere Meinung samt Hinweis auf die Regeln am Konstanzer Hörnle war jedoch: „Wenn man mit gesunden Menschenverstand und gegenseitiger Rücksicht nicht mehr weiterkommt, dann müssen Ge- und Verbote her.“

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Bürgermeister Matthias Weckbach hatte inzwischen Angebote von Security-Firmen eingeholt und erläuterte die Zahlen: Es seien zwei Zwei-Personen-Teams notwendig – eins für Bodman und eins für Ludwigshafen. Dies sei ihm so genannt worden. „Alleine wollen sie keinen hinschicken“, so Weckbach. „Wenn es Schwierigkeiten gibt, können sie sich gegenseitig helfen.“ Viele Menschen hätten Aggressionspotenzial.

Das ist laut Polizeiverordnung der Gemeinde eigentlich nicht erlaubt: Stühle und Ähnliches dürfen nicht in den Uferanlagen, hier Ludwigshafen, aufgestellt werden. Aber viele bringen Stühle, Strandmuscheln oder andere Dinge trotzdem mit.
Das ist laut Polizeiverordnung der Gemeinde eigentlich nicht erlaubt: Stühle und Ähnliches dürfen nicht in den Uferanlagen, hier Ludwigshafen, aufgestellt werden. Aber viele bringen Stühle, Strandmuscheln oder andere Dinge trotzdem mit. | Bild: Löffler, Ramona

Vier Security-Kräfte kosten in der Saison rund 117.000 Euro

Der Stundenlohn bewege sich bei den erhaltenen Angeboten bei rund 25 Euro. Eine Firma habe direkt abgesagt. Er habe es hochgerechnet: Bei vier Personen und acht Stunden pro Tag an 147 Tagen in der Saison lägen die Kosten zwischen 115.000 und 117.000 Euro netto, erläuterte Weckbach.

„Da habe ich gar nicht so weit daneben gelegen“, ergänzte er im Hinblick auf seine Kostenschätzung in der vorangegangenen Sitzung. Ein Haken: Dieses Geld wäre ein Drittel dessen, was die Sportanlage bei der Halle in Bodman kosten würde, um die es zuvor in der Sitzung gegangen war.

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Keine Frauen, weil so viele aggressive Leute unterwegs sind

Es sei bereits kurzfristig eine Stelle beim Gemeindevollzugsdienst ausgeschrieben worden, doch die einzigen Bewerbungen seien von zwei Frauen eingegangen, sagte Weckbach. Hinsichtlich der Empfehlungen der Firmen zu Zweier-Teams und des aggressiven Verhaltens mancher Besucher am Ufer sei das aber keine Lösung. Es solle nicht diskriminierend sein, doch mit Frauen funktioniere es so nicht.

Eine Szene vom Muttertag in Bodman: Der Müll stapelt sich und die Motorräder im Hintergrund stehen dort, wo Parken eigentlich gar nicht erlaubt ist.
Eine Szene vom Muttertag in Bodman: Der Müll stapelt sich und die Motorräder im Hintergrund stehen dort, wo Parken eigentlich gar nicht erlaubt ist. | Bild: Löffler, Ramona

Es gibt auch Probleme mit den Rettungswegen

Sonja Hildebrand (Freie Wähler) warf ein, dass der Betrag sehr hoch sei. Ihr war es außerdem wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, dass wegen der Pandemie alle Besucher vom Seeufer weggeschickt werden. Es sollte eine andere Lösung gefunden werden.

Sie wies zudem auf das Problem hin, dass an manchen Stellen so geparkt werde, dass die Feuerwehr oder der Rettungsdienst im Ernstfall nicht durchkommen würden. Sie sprach sich deshalb für rigoroses Abschleppen aus, da es um die Sicherheit der Leute gehe.

Banner wie dieses erklären die Regeln der gemeindeeigenen Polizeiverordnung in den Uferparks von Bodman. Aber das Lagerverbot wird zum Bespiel an vielen Stellen missachtet.
Banner wie dieses erklären die Regeln der gemeindeeigenen Polizeiverordnung in den Uferparks von Bodman. Aber das Lagerverbot wird zum Bespiel an vielen Stellen missachtet. | Bild: Löffler, Ramona

Alessandro Ribaudo (CDU) sagte im Hinblick auf die Situation mit Besuchermassen in den Uferanlagen am vergangenen Wochenende, dass dort und im Naturschutzgebiet sogar mehr losgewesen sei als am Waschplatz in Ludwigshafen. Es sei nicht gut, was da passiere. Das sei so nicht in den Griff zu bekommen, denn alles, was die Polizei tun könne, sei nur einmal durchzulaufen.

„Es ist keine einfache Entscheidung“

Eigentlich gab es viel Redebedarf, aber es war bereits nach 23 Uhr. Michael Koch (CDU) stellte schließlich den Antrag auf Vertagung, dem alle zustimmten. Am Dienstag, 18. Mai, soll daher erneut eine Sitzung stattfinden, um zu entscheiden, ob die Security engagiert wird oder welche Alternative es gäbe.

Matthias Weckbach betonte ohnehin: „Es ist keine einfache Entscheidung und kostet ordentlich Geld.“ Ihm sei auch bewusst, dass die Außenwirkung hinzu komme. „Andererseits sage ich ganz ehrlich: Wenn wir nichts tun, wäre das keine Alternative. Das geht eben auch nicht.“