Jetzt steht es fest: Die neue Übergangslösung für den katholischen Kindergarten St. Michael während des Neubaus ist die verbesserte ursprüngliche Lösung in der Sernatingen-Schule. Nun wird das gesamte erste Obergeschoss des Schul-Anbaus für den Kindergarten gerichtet. Der Gemeinderat hat dies in seiner Sitzung am Dienstagabend entschieden. Im ersten Stock sollen zum neuen Kindergartenjahr vier statt der bisherigen drei Gruppen möglich werden. Dabei gibt es Einschränkungen für alle Beteiligten und der Entscheidung ging erneut eine lange Diskussion voran.

Bürgermeister Matthias Weckbach präsentierte die Varianten, die seit der vorangegangenen Sitzung aufgrund der Umstände mit Baupreisanstiegen und neuem Zeitplan geprüft worden waren. Er wies anhand einer Tabelle auch darauf hin, wie sich die Zahl der zu betreuenden Kinder in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Wie die überarbeitete Lösung klappt

Die Ertüchtigung des alten Gebäudes von St. Michael wäre zwar eine Variante gewesen, aber schied direkt aus. Weckbach nannte das Gebäude „eine tickende Zeitbombe wegen den Abwasserrohren“. In der Schule seien bereits die Toiletten umgebaut worden, ehe Anfang April die Debatte um eine neue Lösung aufgekommen war. Weckbach sagte, er sei inzwischen die Räume in der Schule mit Rektor Patrick Rupp durchgegangen.

Er listete auf, welche vorübergehenden Umbauten in Frage kämen, damit es für die Schule, die in allen Klassen zweizügig ist, in den kommenden drei Jahren räumlich funktionieren könnte. Beispielsweise könnte der Lagerraum wieder in ein Klassenzimmer rückgebaut und dafür ein Lagercontainer an die Schule gestellt werden. Auch andere Räume könnten temporär verändert werden. „Das ist nicht toll, das ist mir klar, aber es ist machbar“, fasste Weckbach zusammen.

Außerdem erläuterte er, ab zehn Flüchtlingskindern in der Schule könnte eine Sonderklasse gebildet werden. Die unberechenbare Anzahl möglicher Kinder war in der vorherigen Sitzung ein Punkt gewesen, warum die Schule vielleicht nicht mehr als Übergangslösung für den Kindergarten möglich wäre.

Der Neubau des Kindergartens St. Michael wird später beginnen.
Der Neubau des Kindergartens St. Michael wird später beginnen. | Bild: Löffler, Ramona

Schule erhält Räume in drei Jahren zurück

Der Kindergarten solle fünf Räume samt Flur bekommen, so dass auf dem Flur Platz für Bewegung oder ein mögliches Essensangebot wäre. Es würde dann alles so abgetrennt, dass die kleinen Kinder unter sich wären. „Von der Infrastruktur her wäre das optimal. Wir hätten damit die perfekte Lösung für zwei bis drei Jahre. Dann hätte die Schule ihre Räume wieder“, so Weckbach. Es könne im Herbst direkt mit vier Gruppen losgehen. Der bisherige Kindergarten hat drei Gruppen und der Neubau soll fünfgruppig werden.

Die stellvertretende Hauptamtsleiterin Bettina Donath ergänzte, bei der Übergangslösung sei keine Ganztagsbetreuung möglich, sondern nur bis 14 Uhr. Es gebe auch für weniger Kinder als bisher ein Mittagessen und es müssten bei vier Gruppen noch mehr Toiletten für die Kleinkinder eingebaut werden. Eine Gruppe habe maximal 25 Kinder, also seien es insgesamt bis zu 100. Allerdings brauche es noch das notwendige Personal für eine vierte Gruppe. Generell müsse zudem die Betriebserlaubnis für die Kindergartengruppen im Schulgebäude geklärt werden.

Und Schulleiter Patrick Rupp brachte den Hinweis ein, wenn im Schulgebäude durch Umbauten Lagerräume in Container verlagert würden, müsste darauf geachtet werden, dass dort beim Lagern nichts kaputt gehe. Die Lernmaterialien seien hochwertig.

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Containermodule wären zu teuer

Obwohl schon alles auf die Schul-Variante zulief und Rektor sowie der kirchliche Träger des Kindergartens ihre Zustimmung signalisiert hatten, umriss der Bürgermeister die restlichen Möglichkeiten. Es seien Containermodule geprüft worden, doch diese würden rund 744.000 Euro kosten. So schied dies aus. Umgebaute Räume im ehemaligen Löwen wären zwar möglich, aber Weckbach wies unter anderem auf die schwierige Hol-/Bringsituation vor dem Gebäude hin.

Ein Wagen für eine Waldkindergarten-Gruppe sei mit 120.000 Euro gar nicht so teuer. Dies sei eine Alternative, falls die Zahl der zu betreuenden Kinder steige, ergänzte er. Die Gemeinde habe bereits mögliche Grundstücke im Auge.

Einschränkungen in der Übergangzeit

Auf eine Rückfrage von Petra Haberstroh (Freie Wähler) erklärte Bettina Donath, es brauche bei der Ganztagsbetreuung einen reinen Schlafraum. Außerdem kam beim Thema Essen auf, dass die Tische und Stühle in der Mensa für die Kindergartenkinder zu groß sind und ein ständiger Tausch beim Essen in Schichten nicht möglich sei.

Alessandro Ribaudo (CDU) warf ein, es sei ja immer möglich, dass die Kinder ihr mitgebrachtes Vesper essen können, auch wenn es nicht für alle ein warmes Essen gebe: „Es ist wichtiger, dass wir einen Platz für alle Kinder anbieten können.“

Kindergartengeschäftsführerin Michaela Gesell von der Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden und Kindergartenleiterin ...
Kindergartengeschäftsführerin Michaela Gesell von der Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden und Kindergartenleiterin Claudia Böttinger stehen vor Boxen, die schon für den Umzug des Kindergarten St. Michael bereit wären. | Bild: Löffler, Ramona

Was die Räte zum Thema Waldkindergarten sagen

Trotz diesen Einschränkungen sagte Michael Koch (CDU), er sehe die Verlegung des Kindergartens in die Schule als die mit Abstand beste Lösung: „So hätten wir eine vernünftige Zwischenlösung für drei Jahre bis der neue Kindergarten fertig ist.“ Einen Waldkindergarten fände er gut, um Plätze für alle Kinder garantieren zu können, falls die anderen nicht reichen sollten. Ribaudo wies noch darauf hin, dass laut den Berechnungen ab 2024 insgesamt mehr als 100 Kinder Betreuungsplätze in Ludwigshafen bräuchten. Es wäre gut, darauf mit einer Waldkindergarten-Gruppe vorbereitet zu sein. Weckbach erklärte, es brauche einen freien Träger, da weder Kirche noch Gemeinde einen Waldkindergarten betreiben könnten. Außerdem werde der Neubau fünfgruppig, so sein Hinweis.

Alwin Honstetter (CDU) distanzierte sich vom Gedanken an einen Waldkindergarten. Es sei noch zu früh, daran zu denken: „Zusammen mit dem Kindergarten Bodman gibt es genug Plätze.“ Das löste eine Diskussion aus, da Bodman laut Honstetter in der Zukunft rechnerisch Leerplätze hätte, während es in Ludwigshafen zu wenig wären, aber Ribaudo anmerkte, dies bringe nichts, wenn Eltern nicht bereit seien, ihre Kinder von Ludwigshafen nach Bodman zu bringen. Weckbach warf ein, die Gemeinde sollte offen sein, falls sich ein Träger für den Waldkindergarten finde. Auch Familien in anderen Gemeinden könnten an soetwas Interesse haben. Christoph Leiz (Grüne) fand, ein Waldkindergarten sollte im Auge behalten werden.

Esther Moll (Freie Wähler) sprach noch die Anforderungen eines Waldkindergartens an. „Ein Waldkindergarten bedeutet nicht einfach etwas hinstellen und sich treffen. Das steckt ein pädagogisches Konzept mit speziell ausgebildeten Erziehern dahinter. Das muss man entweder richtig machen oder gar nicht“, betonte sie.

Der Kindergarten St. Michael.
Der Kindergarten St. Michael. | Bild: Löffler, Ramona

Ratsbeschluss und Zeitplan

Der Beschluss für die Übergangslösung ab Herbst auf einem ganzen Schulstockwerk fiel schließlich einstimmig. Die Räte ermächtigten außerdem die Gemeindeverwaltung zu schnellen Investitionen, um den Bau zusätzlicher Toiletten und allem, was notwendig ist, zu ermöglichen.

Wann genau der Abriss und Neubau von St. Michael beginnen, ist noch nicht klar. Der Rat hatte bereits Anfang April beschlossen, alles zu verschieben und Ende des Jahres oder 2023 nochmal neu auszuschreiben.