Wohin soll der Neubau des katholischen Kindergartens St. Michael? Die Zeit drängt, da die Gemeinde immer mehr auf einen Mangel an Betreuungsplätzen zu läuft und das Gebäude marode ist – darüber sind sich alle im Gemeinderat einig. Der mögliche Ort für den Neubau löste in der Sitzung am Dienstag eine lange, hitzige Debatte aus. Das Problem: Eine Aufstockung der Sernatingenschule, für die eine Machbarkeitsstudie erstellt wurde, wäre zu klein. Eine spontane Alternativ-Idee für einen Neubau auf der Schulwiese stieß auf harsche Kritik.

Bald zu wenig Kindergartenplätze

Momentan gebe es im Kindergarten Bodman zwar eine „stille Reserve“, wie Bettina Donath, die bei der Gemeinde für die Kinderbetreuung zuständig ist, es nannte. Doch Ludwigshafen und damit auch die Gesamtgemeinde rutsche spätestens 2022 in einen Mangel an Kindergartenplätzen.

Bereits jetzt gebe es eine lange Krippen-Warteliste und somit zu wenig. „Ab Frühjahr 2022 rutschen wir in die roten Zahlen“, erklärte Bettina Donath zu den Kindergärten. 2023 würden mindestens 17 Plätze in der Gesamtgemeinde fehlen.

Bürgermeister Matthias Weckbach formulierte es für den Bereich Kindergarten deutlich: „Man sieht, dass wir in einen Mangel hineinlaufen.“ Die Berechnung erfasse auch nur Kinder aus der Gemeinde, aber keine von außerhalb oder die zuziehen könnten.

Der katholische Kindergarten St. Michael muss neu gebaut werden. Das Wo sorgt aber für Diskussionen.
Der katholische Kindergarten St. Michael muss neu gebaut werden. Das Wo sorgt aber für Diskussionen. | Bild: Löffler, Ramona

Neubau soll auf weite Sicht reichen

Matthias Weckbach sprach die Hoffnung aus, das Thema Kinderbetreuung mit dem Neubau von St. Michael auf viele Jahre sicher aufstellen zu können und nicht wieder neu anfangen zu müssen. Nadine Thiemig (CDU) sah es ähnlich: „Wenn wir etwas Neues machen, dann großzügig.“ Auch Alwin Honstetter (CDU) sagte: „Wenn wir jetzt planen, dann so, dass wir das Vakuum auffangen und es für beide Ortsteile reicht.“

Die grobe Planung sieht momentan ungeachtet des Standorts vier Gruppen vor – eine mehr als aktuell. Es kam aber schnell die Frage auf, ob das nicht zu klein gedacht wäre. Christian Pichler (CDU) regte an, lieber von fünf oder sogar sechs Kindergarten-Gruppen auszugehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum eine Schulaufstockung keine Lösung ist

Weckbach stellte die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu einer möglichen Aufstockung der Schule vor. Dort könnten bei einem neuen zweiten Stockwerk plus der Erweiterung des ersten Geschosses maximal vier Gruppen unterkommen. Aber das Gebäude müsste statisch verstärkt werden und die Schule würde bestehende Räume verlieren. Es gäbe keine weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

So war dies recht schnell vom Tisch, auch wenn dies mit rund drei Millionen Euro günstiger als der Abriss und Neubau am jetzigen Standort für etwa fünf Millionen Euro wäre. „So nett und charmant das vom Preis her wäre – es ist nicht zukunftsfähig“, fasste Weckbach zusammen. Er gab auch zu bedenken, dass die Spielstube der Awo nicht in der Schule untergebracht werden könnte.

Der Gemeinde gehört dieses Wiesengrundstück bei der Sernatingenschule (Hintergrund). Die Fläche rechts daneben nicht, aber der Bürgermeister möchte nochmal mit dem Eigentümer reden. Dann hätte die Gemeinde neue Möglichkeiten bei der Diskussion um den Neubau von St. Michael.
Der Gemeinde gehört dieses Wiesengrundstück bei der Sernatingenschule (Hintergrund). Die Fläche rechts daneben nicht, aber der Bürgermeister möchte nochmal mit dem Eigentümer reden. Dann hätte die Gemeinde neue Möglichkeiten bei der Diskussion um den Neubau von St. Michael. | Bild: Löffler, Ramona

Zwei Standorte oder die Schulwiese

In der Diskussion kam der Gedanke auf, den Kindergarten auf zwei Standorte zu verteilen. Pichler fand, dass dies untragbar wäre. Michael Koch (CDU) sah es ebenfalls kritisch. Dietmar Specht (CDU) hatte die Idee, das Gelände der Schulwiese in Betracht zu ziehen. Claudia Brackmeyer (SPD) sah diese Option positiv: 180.000 Euro Kosten für Kindergarten-Module zur Überbrückung der Bauzeit würden dann hinfällig und die Spielmöglichkeiten könnten von der Schulwiese auf die Gemeindegrundstücke zwischen Schule und Talstraße verlegt werden.

Dies löste bei Alessandro Ribaudo (CDU) Entsetzen aus: „Die Schulwiese wäre für mich nur der allerletzte Notnagel.“ Er fand auch zwei Standorte nicht gut, würde das aber der Schulwiese vorziehen. Esther Moll (Freie Wähler) war gegen beide Ideen. Sie nannte es „gruselig“, wenn die Spielflächen gegenüber des Friedhofs wären.

Und wie geht es jetzt weiter?

„Uns läuft die Zeit davon“, sagte Matthias Weckbach. „Deshalb erstellen wir eine Machbarkeitsstudie für alle Grundstücke und treffen dann eine Entscheidung.“ Der Rat entschied dementsprechend. Weckbach will auch nochmal das Gespräch mit dem Eigentümer des Grundstücks suchen, das an der Talstraße an die Gemeindeflächen grenzt.

Weckbach erzählte noch, dass die Idee eines Familienzentrums wie es eines in Wahlwies gibt, an ihn herangetragen worden sei. Die Idee gefalle ihm. Auch das soll ein Planer prüfen.